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Periodical volume 10. Februar 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

(Die B era tung  wird geschlossen. D ie V er­ Ich  habe auch nicht das W ort ergriffen, um  
sam m lung beschließt die Einsetzung eines A us­ gegen die A rm enverw altung irgendeinen V or­
schusses von 11 M itgliedern  und w ählt zu A us­ w urf zu erheben, sondern um  an die V ersam m lung 
schußmitgliedern die S tad tv . F reund , G ebert, die B itte  zu richten, der ich bereits früher Ausdruck 
G redy, Haack, Harnisch, Klau, Rackwitz, Schm idt, gegeben habe, daß w ir m ehr a ls bisher bestrebt 
S e llin , W agner und W enig.) sind, M aßnahm en  zu treffen, um  zu verhüten, 
daß so viele Leute der A rm enverw altung  zur Last 
Borsteher Kaufmann: P unkt 11 der T ag es­ fallen. Selbstverständlich können w ir einen großen 
ordnung : T eil der Ursachen, durch die die Leute gezw ungen 
sind, die A rm enverw altung in Anspruch zu nehm en, 
V orlage betr. Rachbewilligungen im Arm enetat ü berhaup t nicht aus der W elt schaffen —  wenigstens 
für 1908. —  Drucksache 41. einstweilen noch nicht. Aber daneben gibt es im m er 
Ursachen der A rm ut, denen w ir sehr wohl zu be­
Berichterstatter Stadtv. H olz: M eine H erren, gegnen in  der Lage sind. Ich  erinnere S ie  an  
der M agistrat bean trag t N achbewilligungen zum die M aßnahm en, die w ir zur B ekäm pfung der 
A rm eneta t fü r 1908. S ie  e rinnern  sich, daß w ir Arbeitslosigkeit ergreifen können, und w enn wir 
im  Oktober bereits eine sehr um fangreiche und sehr da ein gehöriges T em po anschlagen, w enn da m ehr 
gu t begründete V orlage hatten , an  welche diese geschehen w ürde, als zurzeit geschieht, dann  können 
anknüpft. S ie  erzählt uns, wie die wirtschaftlichen w ir sicher sein, daß die baren  Unterstützungen erheb­
Verhältnisse in  C harlo ttenburg sind. Die Vorlage lich w eniger in  Anspruch genom m en w ürden als jetzt.
ist so vorzüglich begründet, m eine H erren, daß ich E in anderer Punkt, der in allen Berichten der 
n u r darauf 'zu verweisen brauche. I n  der T a t A rm enverw altung im m er und im m er wiederkehrt, 
kennen S ie  ja  die Entwicklung der wirtschaftlichen schon seit langen J a h re n , ist der, daß die W ohnungs­
Verhältnisse: die Lebensverhältnisse sind teu rer verhältnisse in C harlo ttenburg  die A rm enlasten 
gew orden, und wie die A rbeitsverhältnisse sind, ganz erheblich steigern. Ih n e n  ist ja vor w enigen 
haben w ir w iederholt bei der Beschäftigung m it T agen  der neueste Bericht der A rm endirektion 
der städtischen Arbeitslosenfürsorge erfahren. zugegangen: auch da ist wieder auf dieses M om ent 
A us der V orlage ist aber doch zü entnehm en, daß hingewiesen worden. D a  finden S ie  wieder die 
trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse, Tatsache verzeichnet, daß die W ohnungsm ieten  
welche auf allen G ebieten der A rm enfürsorge der Armenbevölkerung noch w eiter gestiegen sind. 
erhöhte A nforderungen zur Folge haben, der W enn aber die M ie ten  der W ohnungen, die von den 
Endabschluß des A rm enetats fü r 1908 kein u n ­ A rm en bew ohnt w erden, steigen, dann ist es ganz 
günstiger sein w ird. S ic  ersehen aus der V orlage, erklärlich, daß der A rm enverw altung  größere A us­
daß sich trotz der N achbewilligungen ein G esam t­ gaben erwachsen. Diese S u m m en  kommen aber 
mehrverbrauch von etw a 96 500 M  ergibt, d. H. nicht den A rm en zugute, sondern den H ausw irten . 
bei einem  E ta t von 1 547 000 M  ein M ehrverbrauch E s sind in dem Bericht, den ich Ih n e n  dringend 
von etw a 6 % . P ro  Kopf der gesam ten B e ­ zur Lektüre em pfehle, geradezu erschreckende B ilder 
völkerung beträgt, wie ich m ir ausgerechnet habe, von unsern W ohnungsverhältnissen en tro llt. S o  
die A rm enlast demnach etw a 5%.M.  W enn heißt es darin , daß auch in diesem J a h re  wieder 
S ie  die Entwicklungsgeschichte unserer A rm enver­ W ohnungen gefunden sind, die aus S tu b e  und 
w altung  verfolgen, so ersehen S ie , daß das ein sehr Küche bestehen, in  denen nicht w eniger a ls 8 Leute 
gu tes R esultat ist. W ir haben keine Veranlassung, zusam m enw ohnen, ja  2 dieser W ohnungen von 
der V orlage nicht zuzustimmen, wie w ir auch nur S tu b e  und Küche sind sogar von 10 P ersonen  be­
anerkennen können, daß der M agistrat sorgfältig w ohnt gewesen. Wo solche Verhältnisse herrschen 
darüber wacht, daß, w enn sich eine Überschreitung —  und es handelt sich ja  im m er n u r um  einen ganz 
herausstellt, schon rechtzeitig die V ersam m lung kleinen Teil der W ohnungen, die überhaup t u n te r­
angegangen wird, um  die Nachbewilligung a u s ­ sucht w erden — , da sollten w ir in  der W ohnungs­
zusprechen. fürsorge endlich ein etw as schnelleres T em po an ­
Ich  bitte also um  A nnahm e der V orlage. schlagen.
Ich  weiß nicht, wie lange es her ist, seitdem 
S tad tv . Hirsch: Ich  bin im wesentlichen m it w ir u n s m it angeblichen M aßnahm en  zur L inderung 
den A usführungen des H errn B erichterstatters der W ohnungsnot beschäftigen. W ir w erden  
einverstanden und kann auch nam ens m einer F reunde nächstens wahrscheinlich das zehnjährige Ju b ilä u m  
erklären, daß wir der V orlage zustimmen. W enn des T ages feiern, an  dem w ir zuerst einen solchen 
ich trotzdem das W ort ergriffen habe, so einm al A ntrag  angenom m en haben. B isher ist leider 
wegen der B edeutung der V orlage, und zw eitens, herzlich wenig auf dem Gebiete geschehen. S e it 
weil w ir regelm äßig im E ta tsjah re  S u m m en  für langen  J a h re n  w ird u n s  eine V orlage über ein 
den A rm enetat nachzubewilligen haben. M eine städtisches W ohnungsam t versprochen, fast auf jedem 
H erren, diesm al handelt es sich doch um  eine S um m e, F ragebogen wird u n s m itgeteilt, daß die V orlage 
die gar nicht gering ist. D ie gesamte Nachbewilli­ zu erw arten  ist, es steht die Errichtung einer W oh­
gung beträg t 6% , also im m erhin schon eine ziemlich nungsinspektion in Aussicht —  m eine H erren, alles 
beträchtliche S u m m e. Ich  will nun  daraus der das sind Projekte, die schon seit J a h re n  schw eben! 
A rm enverw altung  keinen V orw urf m achen; sie D a  möchte ich doch an  den M agistrat die dringende 
kann natürlich gar nicht voraussehen, welche A n­ B itte  richten, diese Projekte n u n  endlich einm al 
sprüche im  Laufe des J a h re s  an  sie heran tre ten ; zu verwirklichen. Ich  bin überzeugt, daß w ir dann  
sie ist gesetzlich gezw ungen, bestimmte A usgaben an A usgaben fü r  die A rm enverw altung  ganz er­
zu machen, und es ist schließlich ja ganz gleichgültig, heblich sparen, daß w ir jedenfalls einen beträcht­
welche S u m m en  w ir in den E ta t einstellen, w ir lichen T eil derjenigen S u m m e n  sparen w erden, 
w erden durch die Verhältnisse gezwungen, den E ta t die w ir heute infolge der schlechten W ohnungs­
doch zu überschreiten. verhältnisse für die A rm en ausgeben müssen.
        
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