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Periodical volume 3. November 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 3. toticmbci 1909 451
Zunächst muß ich betonen, daß ein positiver B ew eis d e n  S t a n d p u n k t  v o n  G r o ß - B e r l i n  
für die Nürnbergerstraßenlinie in dieser Hinsicht ft e I I  t u n d  d e n  e i g e n  11 i ch e n S c h ö ­
überhaupt nicht verursacht worden ist. Wie be­ n e b e r g e r  S t a n d p u n k t  n u r  i n s o ­
kämpft m au  n u n  die Uhlandstraßenlinie von diesem f e r n  h e r v o r k e h r t ,  a l s  e r  m i t  d e m  
S tandpunk t a u s ?  M a n  entdeckt plötzlich, ganz im G r o ß  - B e r l i n e r  S t a n d p u n k t  n i c h t  
Widerspruch zu dem, w as  m au  zwei S e i ten  vorher i n  K o n f l i k t  k o m m t .  Ich  mochte I h n e n  
gesagt hat , sein Herz für den Kurfürstendamm. doch ein paa r  Zeiten daraus  vorlesen. Es ist 
Ich  kann m ir  das nur dam it erklären, daß in ­ selbstverständlich, daß sich Schöneberg zunächst 
zwischen der Herr Minister eine sehr wohlwollende an den Ostverkehr hätt, also den Verkehr, von beut 
Erklärung für die dem Kurfürstendamm zu ge­ es abgeschnitten werden soll, und der in diesem 
währende Linie abgegeben ha t und m an  mit dieser M om ent,  wo die Gemeinde Schöneberg ihn ver­
Erklärung möglichst konform gehen wollte. W as lieren soll, den doppelten W ert für sie gewinnt. 
führt m a n n  dann aber a u s ?  Die B ahn  durch I n  bezug darauf schreibt Schöneberg:
die Uhlandstraße mache die weitere Entwicklung Diese Einschränkung des West-Ost-Verkehrs 
auf dem Kurfürstendamm unm öglich! Als ob würde eine wesentliche Verschlechterung der 
die Herren nicht wüßten, daß in unserm Projekt Verkehrsverhältnisse gegenüber dem bisheri­
ein gemeinsamer Bahnhof an  der Ecke Kurfürsten- gen Zustande ergeben.
damm-Uhlandstraße vorgesehen war, der doch nur D as  ist vollkommen richtig. W enn die Abzweigung 
einen Zweck und S in n  hat, wenn die B ah n  weiter nach dem Osten bereits von dem Wittenbergplatz 
h inaus fortgeführt wird. Es ist nicht n u r  von mir, statt am  Nollendorfplatz geschehen würde, so wäre 
es ist in  allen V erhandlungen ausgesprochen natürlich die ganze Zwischenstrecke ausgeschaltet 
worden, daß wir u n s  m it  diesem Uhlandstraßen- und vor allen D ingen  der ganze dort zugebrachte 
projekt und auch m it  dem, das wir heute beschließen Schöneberger Verkehr ausgeschaltet. W eiter heißt 
werden, natürlich n u r  einstweilen zufrieden geben es in  bezug auf diesen Ostverkehr:
können, und daß d i e s e s  P r o j e k t  n u r  Herr B a u ra t  Witting sagt in der genannten 
d i e  e r s t e  S t u f e  s e i n  s o l l ,  u m  d i e  Schrift wörtlich: „D er nach dem P o tsd am er  
P l ä n e ,  d i e  w i r  l e i d e r  h a b e n  z u ­ Platz gerichtete Verkehr der westlichen S ta d t ­
r ü c k  st e i l e n  m ü s s e n ,  w e i t e r  z u  v e r ­ teile ist e tw a halb so groß wie der durch­
f o l g e n .  D a s  haben die Herren aber nicht an ­ gehende West-Ost-Verkehr."
geführt, daß diese Zurückstellung lediglich erfolgt ist, M eine  Herren, e in 'W ort ,  das wir auch bei unserer 
um  dem Projekt W ilm ersdorfs  entgegenzukommen, heutigen Vorlage durchaus im Auge zu behalten 
daß w ir  ursprünglich viel weiter, nämlich bis zur h a b e n ! —  Und Schöneberg schließt seine A us­
Leibnizstraße, den Kurfürstendamm befahren woll­ führungen auf S e i te  15 m it den W orten :
ten. D a n n  wird auch die andere F rage  voll­ An der Wahl des Nollendorfplatzes anstatt 
kommen übergangen, daß das Nürnbergerstraßen- der Kurfürstenstraße haben alle P a r te ie n  ein 
projekt nur  einen einzigen Gemeinschaftsbahnhof gleichmäßiges Interesse.
vorsieht, nämlich am  Wittenbergplatz, während Und endlich:
unser Projekt drei Gemeinschaftsbahnhöfe vorsieht: Um so mehr bedauern wir es, daß die städ­
Uhlandstraße, Wittenbergplatz und Nollendorfplatz, tischen Körperschaften W ilm ersdorfs  soeben 
und daß sich für die Allgemeinheit viel besser in dem Projekt Uhlandstraße ihr „N iem als!" 
diesen drei Bahnhöfen der Vielköpfigkeit und Viel­ entgegengesetzt und dadurch E inigungsver­
gestaltigkeit des Verkehrs Rechnung tragen  läßt. handlungen für die G egenw art  unmöglich 
D er eine Bahnhof Wittenbergplatz wird noch dazu gemacht haben.
ein sehr großer, unübersichtlicher Bahnhof werden. M eine  Herren, ich glaube, dem können S ie  alle 
D a s  Publikum  wird, wenigstens im Anfang, zustimmen und werden das auch tun. Und wenn 
nicht recht wissen, wo es sich hinzuwenden hat. S ie  das tun, dann w äre es eigentlich bis zu einem 
M a n  kann also nicht mit einem Schimmer von Recht gewissen Grade moralisch richtig, daß wir genau 
aussprechen, daß das Uhlandstraßenprojekt nur wie Wilmersdorf vorgingen und einfach beschlossen: 
einen geringen Vorteil für G roß-Berlin  bedeute. an  unserm Uhlandstraßenprojekt wird nicht mehr 
Ganz vergessen aber die Herren in W ilm ers­ gerührt, Verhandlungen werden nicht weiter ge­
dorf weiter, daß sie auch auf der rechten Se ite  führt, dabei bleibt es.
noch Nachbarn wohnen haben, und daß diese auch (S eh r  richtig! bei den Sozialdemokraten.)
sich m it einem gewissen Recht zu Groß-Berlin  —  S ie  rufen : S e h r  richtig! und S ie  haben bis 
rechnen dürfen, nämlich die Gemeinde Schoneberg, 
die bei Verfolgung der einseitigen Wilmersdorfer zu einem gewissen Grade sehr recht. Aber, meine Herren, die Fo lgen!  W as  w äre dann  geschehen? 
P län e  am  allerschwersten benachteiligt werden D er  M agistrat ist diesen Weg nicht gegangen, 
würde. Deswegen ist es auch vollkommen er­ er ha t uns  vielmehr diese Vorlage unterbreitet. 
klärlich, daß die Gemeinde Schöneberg ebenfalls W as  wäre geschehen, wenn er dies nicht getan 
nun  die Flucht in  die Öffentlichkeit in  breitestem h ä t t e ? W ir w ären in den V erhandlungen auf dem 
M aße antritt .  D as  hat sie getan in  einer Schrift, toten Punkt angekommen, von dem es für C har­
die I h n e n  wohl zugegangen ist, und die ich nicht lottenburg ein Wiedererwecken leider nicht mehr gibt.
anstehe als ein kleines Meisterwerk zu bezeichnen. 
Alles, w as  in dieser Schrift enthalten ist, können (Na, n a !  bei den Sozialdem okraten .)
wir W ort für W ort unterschreiben. S ie  finden D a n n  wäre bei dem Ergänzungsverfahren  —  m an 
darin kaum einen Satz, der nicht, sei es in unseren mag es nun  für recht halten oder, wie ich, für unrecht, 
Magistratsvorlagen, sei es in  unseren Verhand­ aber kommen wird es ganz gewiß —  gewissermaßen 
lungen oder in  m einem  Referat, irgendwie schon ein Schein der Berechtigung dafür gegeben worden, 
vorher betont worden ist. S ie  unterscheidet sich daß Charlottenburg wesentlichen allgemeinen I n t e r ­
wohltuend von dem Elaborat W ilmersdorfs da­ essen seine G enehm igung versagte.
durch, d a ß  s i e  s ic h  v o l l k o m m e n  a u f (Widerspruch.)
        
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