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Periodical volume 20. Oktober 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 20. Oktober 1909 4 1 9
Über die Zurückweisung von A ngriffen durch den ‘ höhere Abgaben zu zahlen haben; das ist nicht zu 
M agistrat ist lediglich referierend etw as gesagt; leugnen.
diese Angriffe gehen also den Petitionsausschuß (S e h r richtig!)
nichts an. Ich  glaube, diese F rage  m uß sorgsam erw ogen 
M eine H erren, aus dem Umstande, daß der w erden. Ich  möchte H errn  Kollegen Lissauer an ­
Ausschuß Übergang zur T ageso rdnung  em pfiehlt, regen, einen derartigen A ntrag zu form ulieren.
kann, glaube ich, keiner von unsern Kollegen einen 
V orw urf gegen den Petitionsausschuß herle iten ; 
denn in  der Lage sind w ir sehr häufig. Ob es be­ Vorsteher K au fm an n : M eine H erren, ich
gründet oder nicht begründet ist, darüber haben S ie  möchte die späteren H erren R edner b itten , w enn 
zu entscheiden, die S tad tverordnetenversam m lung. ich auch bisher nicht unterbrochen habe, bei dem 
Aber eine Schroffheit der F o rm  liegt darin  nicht. Gegenstände der P e titio n  zu bleiben. D ie letzte 
Es kommt eben darauf an, ob das u n s  un terb reite te  Diskussion, die A nregung zu besonderen A nträgen 
M ateria l u n s dazu führt, den Ü bergang zur T ag es­ hat m it diesem Gegenstände absolut nichts zu tun . 
ordnung zu em pfehlen oder eine Überweisung an Hier handelt es sich um  die A ufhebung der O rdnung, 
den M agistrat als M ateria l bzw. zur Berücksichti­ die eingeführt w orden ist; das ist zurückgewiesen 
gung. Ich  glaube, diese Angelegenheit wird dam it w orden. Ich  möchte daher bitten, daß die späteren 
wohl erledigt sein. Ich  habe das n u r noch be­ H erren R edner möglichst bei dieser Sache bleiben. 
sonders betont, weil ich M itglied des P e titio n sa u s­ H aben S ie  andere Wünsche, so w erden S ie  diese, 
schusses und insofern etw as beteiligt bin. zu einem  A ntrage verdichtet, hier zur B era tung  
N un  aber käme die andere F rag e  der B e­ bringen können.
freiung der Hausbesitzer von der M üllabfuhr. 
M eine H erren, diese Angelegenheit —  es w ar eben Stadtfyndikus Dr. M a ie r : M eine H erren, so 
davon die Rede, sie an  den Petitionsausschuß bedauerlich es ist, m uß ich doch auf den T eil der 
zurückzuverweisen — ist im  Ausschuß auch sehr ein­ A usführungen zurückkommen, der auf die B e­
gehend erw ogen w orden. D abei ha t sich heraus­ haup tung  abzielt, es w ürde hier einem  Teile der 
gestellt, daß, w enn jem and ein Recht hat, darauf Grundstückseigentümer eine F re iheit von der be­
hinzuweisen, daß einzelne Grundbesitzer sich der V er­ stehenden G em eindeveranstaltung eingeräum t, die 
pflichtung entziehen, es die Gesellschaft fü r M üll­ nach der bestehenden O rdnung fü r die G ebühren­
verw ertung  ist, die in  der T a t ein In teresse  daran  erhebung und nach der Polizeiverordnung u n ­
hat, möglichst viel von den gut verw ertbaren  Ab­ begründet sei. Diese B ehaup tung  en thält den 
fällen zu erhalten. Es ist in den Z eitungen  auch V orw urf, daß bezüglich der dem M agistra t ob­
von einem  oder m ehreren  F ä llen  die Rede ge­ liegenden H andhabung der O rdnung betreffend die 
wesen, wo die Gesellschaft im  W ege der Klage gegen Erhebung von G ebühren nicht m it gleichem M aße 
Hausbesitzer vorgegangen ist. W ir haben u n s im gemessen sei. D ies könnte in der Bürgerschaft eine 
Petitionsausschuß auf den S tandpunk t gestellt, daß V erw irrung  herbeiführen. E s erscheint daher no t­
es in erster Linie Sache der M üllabfuhrgesellschaft w endig, darauf zurückzukommen.
ist, diese F rag e  zu erö rtern . I m  übrigen gebe ich (S eh r rich tig!)
aber H errn Kollegen Lissauer und auch den andern M eine H erren, es handelt sich nicht darum , daß 
H erren, die in ähnlichem S in n e  gesprochen haben, hier ein T eil der B ü rg er von einer G em eindever­
darin  Recht, daß es n i c h t  u n b e d e n k l i c h  anstaltung befreit ist, sondern es handelt sich lediglich 
ist, d a ß  e i n  T e i l  d e r  H a u s b e s i t z e r  
i n  C h a r l o t t e n b u r g  v o n  d e r  V e r ­ um  die juristische F rag e , in  welchem F alle  m an  von 
p f l i c h t u n g  e n t b u n d e n  is t. W ir müssen einer gebührenpflichtigen Leistung sprechen kann, einer Leistung, die nach der G ebührenordnung m it 
doch bedenken: es besteht nicht n u r die V er­ G ebühren belegt w erden darf. W enn S ie  ein 
pflichtung, das M üll abfahren zu lassen und die kanalisiertes Grundstück haben, das unbebau t ist, 
G ebühr zu bezahlen, sondern auch die V erpflichtung, das nach der bestehenden K analisationsverordnung 
diese D reiteilung, die von vielen unangenehm  nicht anzuschließen ist, weil S ie  es nicht bewohnen, 
em pfundene D reiteilung in der Küche vorzunehm en. nicht benutzen, dann  kann na tu rgem äß  fü r dieses 
D aß sehr viele Fam ilien , die noch aus den alten Grundstück keine K analisationsgebühr erhoben 
Herden kochen, einen T eil des M ülls  verbrennen w erden, und es w ird auch keine erhoben.
könnten, wird von keiner S e ite  bezweifelt w erden 
können. Ich  möchte aber doch sehr bezweifeln, (Z u ru f: J a w o h l! )
ob die M üllabfuhrgesellschaft dam it zufrieden sein —  B ei einem  unbebau ten  Grundstücke w erben keine 
w ürde, w enn alle F am ilien  das tu n  w ollten. Also, K analisationsgebühren erhoben, das ist selbstver­
m eine H erren, es wird sich wohl em pfehlen, daß ständlich; es sei denn, daß das Grundstück au sn ah m s­
der M agistrat nähere E rw ägungen  über diese F rage  weise an  die K analisation angeschlossen ist. Die 
einm al anstellt. E r wird dann  vielleicht zu einem  F rage , ob ein gebührenpflichtiger Akt vorliegt, ist 
bestim m ten R esultat gelangen. eine reine Rechtsfrage. W enn eine gebühren­
W enn S ie  in  dieser Richtung wirken wollen, pflichtige Benutzung vorliegt, dann  m uß selbst­
so w ürde ich anheim geben, einen A ntrag  n e b e n  verständlich die G ebühr erhoben w erden. Liegt 
dem A ntrag  des Ausschusses etw a dahin zu stellen, eine gebührenpflichtige Benutzung nicht vor, dann 
daß der M agistat E rw ägungen  über die vor­ wird eine G ebühr nicht erhoben. Also von einer 
gekommenen B efreiungen  anstellen möge. Aber Freistellung ist gar keine R ede. E s handelt sich um  
eine Zurückverweisung der P e titio n  an den A us­ die reine R echtsfrage: liegt ein gebührenpflichtiger 
schuß hat m eines Erachtens gar keinen Zweck. Die Akt vor oder nicht? Diese Rechtsfrage, m eine 
Sache hängt mich n u r  lose m it dieser P e titio n  zu­ Herren, kann allein die D ep u ta tio n  und der M agistrat 
sam m en. W ir können da w eiter nichts machen. entscheiden, n iem als aber der Petitionsausschuß, 
Die B efreiung  von 59 Hausbesitzern hat natürlich dem S ie  die Sache überw eisen wollen.
auch zur Folge, daß die andern  Hausbesitzer (U nruhe.)
        
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