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Periodical volume 6. Oktober 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

406 Sitzung vom 6 Oktober 1909
Zur Anlage einer Wendeltreppe in der Vorsteher Kaufmann: Den Punkt 5 der
Lesehalle der Volksbücherei und zur Be­ Tagesordnung stelle ich zunächst zurück, da Herr 
schaffung von 4 Bücherregalen werden 2700 M  Kollege Holz noch nicht anwesend ist. W ir werden 
aus dem Dispositionsfonds bewilligt.) ^ erst den Punkt 6 nehmen und dann sehen, ob 
inzwischen der Antragsteller erschienen ist.
Punkt 4 der Tagesordnung:
Punkt 6:
Vorlage betr. Etatsüberschreitungen beim Gas­
anstaltsetat für 1908. — Drucksache 275. Anfrage der Stadtv. Hirsch und Gen. betr. 
Berichterstatter Stadtv. Bollmann: Meine Explosion auf Gasanstalt 1. — Drucksache 276.
Herren, der Magistrat beantragt, die beim Sonder­
etat Nr. 5 für 1908 eingetretenen weiteren Etats­ Die Anfrage lautet:
überschreitungen, und zwar beim Ordinarium Die Unterzeichneten richten an den Ma­
in Höhe von 264 365,67 JL, beim Extraordinarium gistrat die Anfrage, welche Schritte getan 
in Höhe von 71 000 Jt, nachträglich zu bewilligen. sind, um festzustellen, wie es möglich war, 
Die Etatsüberschreitungen im Rechnungsjahre 1908, daß auf der Gasanstalt I  ein der Verwaltung 
und zwar beim Ordinarium in Höhe von 436 288,21 JL nicht bekanntes unterirdisches Rohr existierte, 
sind bereits durch die Stadtverordnetenbe­ das zu der verhängnisvollen Explosion am 
schlüsse vom 15. April und 20. November 1908, 19. M ai Anlaß gegeben hat, und ob die 
vom 10. Februar und 21. April 1909 in Höhe von Verwaltung sich vergewissert hat, daß nicht 
176 755,24 JL bewilligt worden. Von diesem noch andere ähnliche, ihr nicht bekannte 
Betrage sind nicht verwendet worden 4832,70 JL, Rohrleitungen vorhanden sind?
so daß als bewilligt in Anrechnung zu bringen sind 
171 922,54 JL. Es bleiben daher noch nach­ Fragesteller Stadtv. Gebert: Meine Herren, 
zubewilligen 264 365,67 M  beim Ordinarium und als das Unglück uns am 19. M ai überraschte, 
beim Extraordinarium 71 000 JL. wurde von Herrn Stadtrat Cassirer eine Erklärung 
Der Etat für 1908 war unter Zugrundelegung abgegeben, die dahin lautete, daß man die Ursachen 
einer Gaserzeugung von 42 755 000 cbm Stein- dieses Unglücks nicht feststellen könnte und w ir 
kohlengas, von 7 545 000 cbm Wassergas und in späterhin einen genauen Bescheid erhalten sollten. 
der Voraussetzung eines Reingewinnes von Es ist nun eine ziemlich lange Zeit ins Land ge­
1 844 200 JL aufgestellt worden. Der Jahres­ gangen: einen genauen Bescheid haben w ir nicht 
abschluß hat eine Erzeugung von 43 562 640 cbm erhalten. Um die Bevölkerung darüber zu be­
Steinkohlengas und von 5 608 420 cbm Wassergas ruhigen, daß Vorkehrungen getroffen sind, die 
sowie einen Reingewinn von 1 849 279,65 JL eine Wiederkehr derartiger Unfälle verhindern, 
nachgewiesen. Die Erläuterung der Ursachen wie auch aus dem Grunde, damit den Arbeitern 
bezüglich des erzielten Reingewinnes ist bereits in diesen Betrieben wenigstens gesagt werden 
früher an anderer Stelle bei Vorlage des Jahres­ kann: ihr seid für die Zukunft geschützt, die Ur­
abschlusses für 1908 erfolgt. sachen des Unfalls haben an dem und dem gelegen—, 
Meine Herren, unter den Überschreitungen in haben w ir uns genötigt gesehen, diese In te r­
Höhe von 507 288,21 M  befinden sich 257 084,05 M , pellation einzureichen. Es liegt wohl in aller 
die nur formeller Natur sind und als eigentliche Interesse, wie ich glaube, wenn w ir heute erfahren, 
Überschreitungen nicht angesehen werden können. auf welche Ursachen der Unfall zurückzuführen ist.
Die sodann noch verbleibenden Überschreitungen 
in Höhe von 250 204,16 JL sind im wesentlichen Stadtrat Eassirer: Meine Herren, gleich
zurückzuführen auf die Mehrerzeugung von Stein­ an dem Tage, an dem das Unglück auf der Gas­
kohlengas, auf Mehrkosten infolge der durch De­ anstalt I  entstand, am 19. Mai, ist Ihnen von dieser 
putationsbeschluß eingeführten Notbeleuchtung in Stelle aus eine Mitteilung über das Unglück 
den elektrisch beleuchteten Straßen und schließlich geworden. Die Ursachen selbst konnten damals nur 
auf zu niedrige Veranschlagungen bei solchen vermutungsweise angegeben werden. Es lag 
Positionen, bei denen es an Unterlagen für genaue auf der Hand, daß in den wenigen Stunden eine 
Schätzungen fehlt. Trotz dieser Überschreitungen Prüfung nicht möglich war; dazu kam, daß die 
ist der Reingewinn um 5079,65 M  h ö h e r ,  als Hauptbeteiligten, sowohl der Betriebsleiter Forkert 
er im Etat v e r a n s c h l a g t  war. als auch die Maschinisten, zum Teil schwer verwundet 
Die Gasdeputation hat sich sehr eingehend im Krankenhause lagen und nicht vernehmungsfähig 
mit der Angelegenheit beschäftigt. Es ist nichts waren. Ich habe aber damals schon die Vermutung 
dagegen einzuwenden, und ich bitte Sie daher, ausgesprochen, daß es sich um ein Verbindungsrohr 
dem Antrage des Magistrats Ih re  Zustimmung zu handelte, das zwischen dem Maschinenhause und 
erteilen. dem Kesselhause bestand, ein Rohr, von dessen 
Vorhandensein dem jetzigen Betriebsleiter nichts 
(Die Beratung wird geschlossen. Die Ver­ bekannt war.
sammlung beschließt nach dem Antrage des Ma­ Die Herren Interpellanten richten nun an 
gistrats, wie folgt: den Magistrat die Anfrage, „welche Schritte getan 
Die beim Sonderetat Nr. 5 für 1908 sind, um festzustellen, wie es möglich war, daß 
eingetretenen weiteren Etatsüberschreitungen, auf der Gasanstalt I  ein der Verwaltung nicht 
und zwar: bekanntes unterirdisches Rohr existierte." Meine 
a) beim Ordinarium in Höhe von Herren, es handelt sich um ein Rohr von ganz 
264 365,67 JL untergeordneter Bedeutung, nicht etwa um ein 
b) beim Extraordinarium in Höhe von Rohr, das für Gaszuführung bestimmt war, sondern 
71 000,— M um ein Rohr, das vor einer langen Reihe von 
werden nachträglich bewilligt.) Jahren zu Versuchszwecken eingelegt war, die dazu
        
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