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Periodical volume 22. September 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

3 8 6  Sitzung vom 22. September 1909
nötig haben, w enn anders w ir überhaup t jem als zu eröffnende und erschließende T erra in s  geführt 
d aran  denken w ollen, die bestehende U ntergrund­ w ürde. M eine H erren, ich halte den E inw and nicht 
b ahn  in  irgendeiner Weise nach C harlo ttenburg  fü r stichhaltig. E r ist richtig fü r den M om ent. 
w eiterzuführen, u. a. z. B . nach dem K urfürsten­ Aber schon heute, nachdem einige M onate  ver­
dam m . flossen sind, ist er nicht m ehr richtig; denn inzwischen 
Es erfolgte die Ablehnung des W ilm ersdorfer hat gerade an  jenem  Punkte, wohin der gemeinsame 
Projektes unsererseits. Aber w ir gingen w eiter, B ahnhof kommen soll, nämlich in  der Gegend des 
w ir leisteten auch positive Arbeit, indem  w ir der Olivaerplatzes, auf W ilm ersdorfer T erra in  die 
G em einde W ilm ersdorf drei Vorschläge u n te r­ B ebauung eingesetzt, die hoffen läßt, daß in sehr 
breite ten . W ir sagten: w ir wollen dam it einver­ kurzer Zeit, vielleicht schon, w enn diese B ahn  gebaut 
standen sejn und unsere kleinbahngesetzliche Z u ­ w orden w äre, dort überall Häuser stehen w erden, 
stim m ung geben, w enn du bis zum  W ittenbergplatz so daß von diesem S tandpunk t au s  der Verkehrs­
gehst m it einem  Pendelbetrieb  und dort einen w ert der dann  fertigen B ahn  ganz anders zu 
besonderen B ahnhof einrichtest-— also ungefähr das, beurteilen gewesen w äre als derjenigen, die jetzt 
w as jetzt Schöneberg am  Nollendorfplatz tu n  will. projektiert w orden ist. Aber, m eine H erren, es w ar 
W ir sagten w eiter: w ir erlauben dir, u n te r  unserer dam als nicht durchzukommen.
Trasse hindurchzugehen,eventuell durch dieNettelbeck- D er Erfolg der B era tungen  w ar jedenfalls der, 
straße hindurch das Gleisdreieck aufzulösen — , oder daß m an  die Sache nicht dam it ruhen ließ, 
endlich —  das w ar der ernsteste und am  meisten zu sondern daß der M inister erneut den Versuch machte, 
beachtende Vorschlag — : w ir stellen dir unsere eine E inigung herbeizuführen, indem er unsern 
U ntergrundbahn zur V erfügung, gestatten dir, O berbürgerm eister beauftragte, Sitzungen zu 
dieselbe m it zu benutzen, und erlauben dir, vor der präsidieren, zu denen er selber Kommissare ent­
Leibnizstraße vom Olivaerplatz her deine Trasse in sandte.
unsere B ahn  einm ünden zu lassen. Auch diese Sitzungen verliefen resultatlos, und 
M eine H erren, es sind seitdem M onate  ver­ zw ar deswegen, weil sich W ilm ersdorf und die Hoch- 
gangen, und trotzdem glaube ich, daß dieses P r o ­ und U ntergrundbahn streng auf ihren alten S ta n d ­
j e k t ,  d a s  w i r  z u e r s t  a u s g e a r b e i t e t  punkt stellten. E in Ergebnis konnte nicht erreicht 
h a b e n ,  a u c h  h e u t e  n o c h  d a s  b e s t e  werden. E in  gewisser Erfolg ist allerdings doch zu 
i s t ,  d a s  d i e  v e r s c h i e d e n e n  k o n ­ verzeichnen, den ich n u r darauf schieben kann, daß 
k u r r i e r e n d e n  V e r k e h r s f r a g e n  a u f  es unseren V ertretern  gelungen ist, gewisse ein­
d a s  e i n w a n d f r e i s t e  l ö s t .  W enn wir drucksvolle D arlegungen  zu machen: der Erfolg 
heute wahrscheinlich dazu kommen w erden, von dieser nämlich, daß der M inister u n te r dem 5. M ai ein 
Id e e  zunächst Abschied zu nehm en, um  sie vielleicht Schreiben ergehen ließ, daß S ie  hier w ortgetreu  
in hoffentlich nicht zu langer Z eit in anderer F o rm  abgedruckt finden, das darauf hinauskam , daß der 
w ieder aufleben zu lassen, so geschieht das m einer­ M inister selbst den V erkehrsw ert des K urfürsten­
seits, obgleich ich das vor I h n e n  befü rw orten  will, dam m s jetzt erheblich höher taxiere, a ls er früher 
im m erhin  in einer gewissen R esignationsstim m ung. geneigt gewesen w ar, und zum Ausdruck bringt, 
D enn  ich glaube, dieses Projekt ist das beste, und ich daß der K urfürstendam m  m indestens in gleichem 
glaube auch, daß die jetzt dissentierende S ta d t M aße zu berücksichtigen sei wie der Hohenzollern- 
W ilm ersdorf später erkennen wird, daß in  diesem dam m , um  den sich im  wesentlichen das W ilm ers­
P la n e  fü r sie ein V orteil gelegen hat, den sie sich —  dorfer Projekt dreht. D er M inister ging noch 
sehr zur Unzeit m einer Ansicht nach —  hat en t­ w eiter; er zog die Konsequenz aus dieser Logik und 
gehen lassen. sagte: es gibt einen M ittelw eg, der heißt Uhland- 
M eine H erren, der M agistrat hat es nicht an  ftraße, und diesen M ittelw eg schlage ich euch vor.
B em ühungen  fehlen lassen, fü r dieses sein Projekt M eine H erren, unser M agistrat w ar durchaus 
P ro p ag an d a  zu machen, und zw ar auch an  allen geneigt, dieses Projekt näher zu p rü fen  und darüber 
den S te llen , die h ierfür in  B etracht kommen. Auf m it W ilm ersdorf zu verhandeln. A l l e i n  w a s  
diese Propagandatätigkeit, nam entlich auch beim p a s s i e r t e ?  W i l m e r s d o r f  s t r e i k t e .  
M inisterium , ist es wohl zurückzuführen, daß m an W ilm ersdorf erklärte dem M inister, es möchte von 
sich seinerzeit nicht m it der einfachen Ablehnung diesen V erhandlungen entbunden werden. Die 
W ilm ersdorfs begnügt hat, sondern daß auf An­ V erhandlungen kamen infolgedessen nicht zustande. 
regung des M inisters der öffentlichen Arbeiten Es ist nicht erfindlich, w eshalb der M inister auf 
versucht w urde, zwischen den beiden K om pareuten, W ilm ersdorf nicht noch einen größeren Druck au s­
den streitenden B rüdern , zu verm itteln  und eine geübt hat. Vielleicht ist es geschehen, und wir 
Basis zu finden, die beiden G enüge leisten w ürde. wissen nichts davon. Jed en fa lls  sind die V erhand­
E s w urde zunächst eine Konferenz u n te r dem V or­ lungen über diesen P unk t zwischen u n s und W il­
sitze des M inisters der öffentlichen Arbeiten eröffnet, m ersdorf nicht w eiter gepflogen w orden.
a n  der C harlo ttenburg , die sämtlichen Gemeinde« D er U ntergrundbahn m uß aber doch nicht 
und übrigen B ehörden teilnahm en. D er V erlauf ganz wohl bei diesem re in  negativen, ablehnenden 
der ersten Sitzung w ar fü r uns ungünstig, ungünstig S tandpunk t gewesen sein; denn bereits am  2. J u n i  
deshalb, weil der M inister —  freilich ohne die D a r­ tauchte ein neues Projekt auf, das von der U nter­
legungen unserer V ertreter ganz gehört zu haben —  grundbahngesellschaft vorgelegt w urde, und das 
sich auf den S tandpunk t stellte, daß das W ilm ers­ im  großen und ganzen, kurz gesagt, darauf h inaus­
dorfer Projekt dem C harlo ttenburger vorzuziehen ging, beide B ahnen  zu bauen, die von W ilm ersdorf 
sei, und zw ar —  ich sehe hierbei von der F rage  der bean trag te  nach dem W ittenbergplatz und außerdem  
N euen Kantstraße ab, da das m it unserer gegen­ noch, an  den W itteubergplatz anschließend, eine 
w ärtigen  F rage  nichts zu tu n  hat —  deswegen, B ahn  durch bey K urfürstendam m , die Charlotten- 
weil das W ilm ersdorfer Projekt die B ah n  durch burg auf seinem G elände bauen sollte und die fo rt­
lau te r bebaute S tra ß e n  legte, w ährend der An­ gesetzt w erden sollte bis an s  Ende des K urfürsten­
schluß an  unserer B ahn  bedingte, daß sie durch erst dam m s, um  dann  auf Schm argendorfer und
        
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