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Periodical volume 8. September 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

3 7 4  Sitzung vom 8. September 1909
haben wir den schönsten Gemeindefriedhof in ganz sowohl Herr Kollege B ollm ann  als der Herr B ü rg e r­
Deutschland. meister es von vornherein als selbstverständlich 
betrachten, daß kirchliche Behörden bei u n s  n iem als  
S tad tv . B o llm a n n : M eine  Herren, ich möchte sich auf diesen S tandpunk t stellen können, und daß 
zuerst n u r  konstatieren, daß wohl selten in einer aus  dieser Selbstverständlichkeit heraus der Magistrat 
Angelegenheit eine solche absolute Übereinstimmung es bei seiner Fragestellung an  das Konsistorium 
zwischen Magistrat und S tad tverordnetenversam m ­ unterlassen hat, es seinerseits als selbstverständlich 
lung geherrscht hat als in der Kommunalfriedhofs­ zu betrachten, daß die kirchlichen Behörden von 
frage. Die Auffassung des Herrn Kollegen Borchardt diesem ihren engherzigen S tandpunk t abgehen 
über diese damaligen A usführungen des Herrn werden, ja abgehen müssen, wenn sie das Ver­
Bürgermeisters teile ich nicht; ich habe nur  die langen stellen wollen, daß der S tahnsdorfe r  F ried­
Schwierigkeiten herausgehört, m it denen wir zu hof als eine Art Gemeindefriedhof für  Charlotten­
kämpfen haben, um  ein geeignetes T erra in  zu burg betrachtet wird.
finden und die Genehm igung der Aufsichtsbehörden I m  übrigen wird ja der Magistrat au s  dem 
zu erhalten. V otum  der S tadtverordnetenversam m lung sehen, 
M eine Herren, ich habe den Zwischenruf daß die S tadtverordnetenversam m lung die Schwie­
„ S tah n sd o rf"  gemacht, und zw ar deshalb, weil rigkeiten, die in S tah n sd o rf  bestehen, für so groß 
die übrigen B orortgem einden bei Nachsuchung der hält, daß sie nach wie vor eine Tätigkeit des M a ­
Genehm igung für die Anlage eines S im u l ta n ­ gistrats, unabhängig auch von der B ean tw ortung  
friedhofs sich in einer viel g ü n s t i g e r e n  P o ­ seiner F ragen , in dieser Angelegenheit wünscht.
sition befanden als  wir, da seitens der st a a t - 
l i ch e n und k i r c h l i c h e n  Behörden eine V orsteher-Stellv . Dr. Hubatsch: Herr Kollege 
K i r c h h o f s n o t  f ü r  C h a r l o t t e n b u r g  Vogel beantragt, die Sache einer gemischten D e­
gerade wegen S tahnsdorf  j e t z t  n i c h t  m e h r  pu ta tion  zu übergeben.
a n e r k a n n t  w i r d .
M eine Herren, mit aller Deutlichkeit habe ich (Die Versammlung lehnt die Einsetzung einer 
in der Sitzung am  30. J u n i  d. I .  die Ansicht meiner gemischten D epu ta tion  ab und stimmt dem An­
Fraktion zum Ausdruck gebracht und besonders be­ trage der S tad tv .  Vogel I  und Gen. zu.)
tont, daß w i r  n a c h  w i e  v o r  die Schaffung 
eines K o m m u n a l f r i e d h o f s  für  n o t ­ F ü r  den Ausschuß von 15 Mitgliedern zu 
w e n d i g  halten. Punkt 13, Übernahme der Talonsteuer, werden 
(B rav o !) vorgeschlagen die Herren Bartsch, Becker, Dunck, 
Dabei bleiben wir und werden wir im m er bleiben. Dr F la tau ,  Dr Frentzel, Hirsch, Jas trow , Jo le n -  
Es ist ja selbstverständlich, daß der Teil des berg, Klick, Lissauer, Litten, M ann ,  M eyer, R uß  
S tahnsdorfe r  Friedhofs, der für Dissidenten und und Schwaß. —  Widerspruch wird nicht lau t;  die 
Andersgläubige reserviert ist, der kirchlichen Dis­ Herren sind gewählt.
ziplin untersteht, daß, w enn dort Reden am  Grabe 
durch die Teilnehm er gehalten werden sollen, vorher W ir kommen n u n  zu Punkt 7 der T ag es­
die Genehmigung eingeholt werden muß. D a ra n  ordnung :
wird sich nichts ändern  lassen und existieren hierüber 
auch besondere landespolizeiliche Vorschriften, die V orlage betr. Änderung des T arifs  über E r­
m. W. auch für  die Kommunalfriedhöfe Geltung hebung eines W ochenmarktstandgeldes. — Druck­
haben. sache 242.
Ich  persönlich sehe den einzigen Ausweg aus 
der Kirchhofsmisere in der L e i c h e n v e r b r e n ­ Ich  bitte Herrn Kollegen Klick, die Bericht­
n u n g , erstattung zu übernehmen.
(S ta d tv .  S te in :  S e h r  richtig!) 
und ich glaube, daß sie auch fakultativ in nicht allzu 
ferner Zeit eingeführt werden wird. W enn dies Berichterstatter S tad tv . Klick: M eine Herren, 
geschieht, werden sich auch die Gebühren erheblich die Vorlage des M agistrats bezweckt eine Änderung 
verbilligen; denn die Hauptkosten entstehen ja der Erhebung des S tä ttege ldes  auf den M arkt­
durch den weiten T ra n sp o r t  der Leichen und durch plätzen. Zwischen dem Pächter des Marktstandgeldes 
die bahnpolizeilichen Vorschriften. und den S tand inhabern  sind Differenzen ent­
N am ens meiner Fraktion habe ich zu erklären, standen. D er  Herr hat die Pachtung seit dem 
daß wir für den Antrag Vogel und Gen. g e ­ 1. April inne und hat gleich darauf dem größten 
s c h l o s s e n  stimmen werden. Teil der Händler das S tandgeld  erhöht. Er fühlt 
(B ravo !  bei den Sozialdemokraten.) sich ferner dadurch in seiner E innahm e beein­
trächtigt, daß die Händler nach der heutigen Markt­
(Die B era tung  wird geschlossen.) ordnung zweimal fehlen können, ohne das S ta n d ­
geld zu entrichten; erst nachdem sie dreimal gefehlt 
Antragsteller S tad tv . Dr. Borchardt (Schluß­ haben, kann die Marktpolizei ihren S ta n d  ander- 
w ort) :  M eine Herren, ich konstatiere m it B e­ weit vergeben. Zugegeben m uß  ja werden, daß 
friedigung, daß auch von der liberalen Fraktion, er dadurch eine Einbuße an seiner E innahm e er­
für die Herr B o llm ann gesprochen hat, unser Antrag leidet. Aber der Herr hat das ja auch gewußt, als  
angenom m en wird. Ich  kann auch darüber meine die neue Verpachtung ausgeschrieben w urde; er 
Befriedigung konstatieren, daß der Herr B ürge r­ hat trotzdem eins der Höchstgebote abgegeben, und 
meister in bezug auf die Art der Bestattung auf es ist ihm der Zuschlag erteilt worden. D er frühere 
kirchlichen Friedhöfen mit den von m ir  kundge­ Pächter Krüger hat Differenzen mit den Händlern 
gebenen Anschauungen übereinstimmt. Aber, meine stets gütlich erledigt und ist dabei im m er auf seine 
Herren, um  so mehr m uß  ich es bedauern, daß Kosten gekommen.
        
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