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Periodical volume 8. September 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 8. September 1909 3 65
3 A rbeiten w aren  völlig genügend, 4 konnten noch Also gerade das G egenteil von dem, w as hier steht, 
im  ganzen genügend genann t werden, und n u r ist richtig.
3 m angelhafte A rbeiten w aren da; bei der zw eiten Ich  habe, als dieser Artikel im  B erliner T age­
A rbeit w aren  6 Arbeiten genügend —  d aru n te r b la tt erschienen w ar, sofort an  das König!. P ro - 
S ca lla  — , 3 w aren  im  ganzen genügend, w ieder vinzialschulkollegium berichtet und den Tatbestand 
3 sind m angelhaft ausgefallen; bei der d ritten  zur K enntnis der vorgesetzten Behörde gebracht.
A rbeit w ar eine gut, 3 genügend, 3 zum  T eil N un kommt noch der B erliner Lokalanzeiger 
genügend und 3 m angelhaft —  allerdings w ar vom  7. S ep tem ber. E r greift m ehrere Lehrer in 
h ier S calla  auch u n te r den m angelhaften  — ; empfindlicher Weise an. Ich  habe auch hier von 
von den letzten A rbeiten w ar eine gut, 4 genügend, jedem  Lehrer einen am tlichen Bericht eingefordert 
2 zum  T eil genügend und 4 m angelhaft —  abex und habe selbst an  das Provinzialschulkollegium 
bei S ca lla  hat der Lehrer zu dem „m angelhaft" berichtet und habe noch heute zufällig, kurz ehe ich 
hinzugesetzt: „Einzelnes besser", so daß die Arbeit zur Sitzung kam, von dem H errn  Provinzialschulrat 
nicht ganz verw orfen w ar. M att, der das D ezernat für das R ealgym nasium  
N un  fährt der Artikelschreiber w eiter fort in  C harlo ttenburg  hat, folgende Nachricht be­
über die Aufsatzthemata: „D ie G nade als E r­ kommen:
gänzung der Gerechtigkeit" und „Klopstock als Ih r e n  Bericht nebst A nlagen von gestern 
religiöser D ichter": sie seien gestellt worden, ohne schicken w ir heute dem  H errn  M inister zu. 
daß die U nterlagen m it ihnen durchgesprochen W ir fügen hinzu, daß nach unsern E rm itte ­
w urden. H ierüber sei von dem V ater eines lungen  sämtliche Anschuldigungen gegen die 
Schülers folgende Bem erkung eingegangen: Lehrer I h r e r  A nstalt ganz ungerechtfertigt 
„D ie G nade als E rgänzung der Gerechtigkeit" sind. D aß dies unsere Auffassung —  d. H. 
lau tete  ein Klassenaufsatz, der in der U nter­ die des Provinzialschulkollegium s —  ist, 
p rim a des städtischen R ealgym nasium s zu können S ie  allen B eteilig ten  mündlich er­
C harlo ttenburg den Schülern zugem utet w ur­ klären.
de. E s braucht nicht erst gesagt zu werden, Über einige Punkte habe ich vorhin schon 
daß ein Schüler nicht imstande ist, ein solches gesprochen; auf ein p a a r  andere möchte ich aber 
Them a, das im  wesentlichen eine fachwissen­ doch noch eingehen.
schaftliche E rörterung  enthält, sachgemäß zu D a  ist der Lehrer der Chem ie in  einer —  ich 
bearbeiten  . .  . M it F rag en  des S trafrech ts finde keinen rechten Ausdruck —  unerhö rten  Weise 
pflegt sich ein Schüler nicht zu beschäftigen. angegriffen w orden: es ist der Z w eifel an  seiner 
J a ,  m eine H erren, w er sagt denn, daß es eine Nüchternheit ausgedrückt, es ist ihm  ferner vor­
strafrechtliche F rage  ist? D er Verfasser des Artikels gew orfen w orden, daß er in  prahlerischer Weise, 
h a t es so verstanden: die B egnadigung als E r­ w enn ein S chu lra t zur Revision da sei, die G e­
gänzung des richterlichen Urteils. M an  kann rätschaften zu den E xperim enten  aufmarschieren 
es dem T hem a nicht ansehen, wie es besprochen lasse, daß er aber sonst keine E xperim ente mache, 
w orden ist. Es kann ebenso gut einen religiösen daß er die Ju n g e n  vollpfropfe m it F o rm eln  und 
I n h a l t  haben; es kann heißen: die G nade G ottes von ihnen  das Unmöglichste verlangte, daß er 
a ls  Ergänzung der Gerechtigkeit G ottes. Es kann sogar w ährend des U nterrichts rauche.
auch einen rein menschlichen I n h a l t  haben. Ich D er angegriffene Lehrer ist in der Redaktion 
bitte an  Shakespeare 's K aufm ann von Venedig des Lokalanzeigers gewesen, und ich habe eben noch 
zu  denken, wo im  4. Akt P o rz ia  in der Verkleidung von ihm  eine Nachricht erhalten , daß der Redakteur, 
a ls Rechtsgelehrter einen w undervollen V ortrag  der fü r diesen Artikel verantw ortlich ist, bedauere, 
über die G nade hält. „D ie G nade träu fe lt wie den Artikel aufgenom m en zu haben, und bereit sei, 
des H im m els m ilder Regen zur Erde nieder" —  eine Berichtigung zu bringen.
fän g t die S te lle  an. E s konnte also auch ein (Heiterkeit.)
D ichterw ort zur U nterlage dienen. D er Lehrer W as das E xperim entieren  betrifft, so habe 
h a t aber in  der ersten S tu n d e  nach den F erien  ich oft genug den Unterricht des betreffenden 
das  T hem a „Suum cuique" besprochen, in der Lehrers besucht, und ich habe im m er gefunden, 
zw eiten das D urchgenom m ene wiederholt und zwei daß er —  im  Experim entieren  begriffen w ar!  
verw andte  Untersuchungen beleuchtet: „Gerechtig­ Und H underte von F o rm eln  haben die Schüler 
keit und G nade, zwei Schwestern" und „die G nade auch nicht ausw endig gelernt. D a s  ist nicht richtig; 
a ls  Ergänzung der Gerechtigkeit", und dann  erst die P rü fu n g en  haben gezeigt, daß sie n u r eine ge­
das  T hem a zur B earbeitung  gegeben. ringe Anzahl von F o rm eln  sich einprägen  m ußten . 
F e rn e r steht h ier: Außerdem  will ich bemerken, daß S ca lla  in  der 
„Klopstock als religiöser Dichter", ohne daß Klasse der beste Schüler in  der Chemie w ar.
die Schüler vorher in  der Schule irgendeine F e rn e r wird diesem Lehrer nachgesagt, er 
religiöse Dichtung von Klopstock gelesen hatten, rauche in  der Klasse. D as  klingt ganz fürchterlich, 
und ohne daß das T hem a m it ihnen durch­ w enn m an  das liest. D ie Sache liegt so. F ü r  die 
gesprochen w ar. Chemie sind drei Z im m er vorhanden. D as Ar­
Tatsache ist, daß sie die Klopstockschen O den in beiten der Schüler geschieht im  L abora to rium ­
einem  Auszuge in der Hand hatten, daß über zim m er, das andere große Z im m er ist das U nter­
Klopstocks Leben und Werke ausführlich gesprochen richtszim m er, und das m ittlere  kleinere Z im m er 
w ar, daß die betreffenden O den in der Klasse ist das A rbeitszim m er des L ehrers; daß er hier 
gelesen w aren. A ußerdem  hat der Lehrer ihnen in  den P ausen  zuw eilen raucht, besonders w enn 
6 Oden angegeben, die sie sich anstreichen sollten, üble Dünste vorhanden sind, w ird ihm  niem and 
um  nach diesen das T hem a zu behandeln. S o  übel nehm en. Chemische A rbeiten verbreiten 
w ar es gründlich vorbereitet; m an  könnte fast nicht im m er gute Gerüche. Aber daß er das Rauchen 
sagen: es ist fü r P r im a  allzu gründlich vorbereitet, nicht in  den Unterrichtsstunden vorgenom m en hat, 
m an  könnte den P rim an e rn  etw as m ehr zu trauen . das möchte ich hier ausdrücklich betonen.
        
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