Path:
Periodical volume 8. September 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

8 6 4  Sitzung vom 8. September 1909
B em erkungen zu seinem Nachbar machte. D a Wahrscheinlich liegt folgender V orfall dieser 
erhob sich der Schüler und an tw ortete  in  heftigem  Anschuldigung zugrunde. Es w ar Livius- 
Tone, er habe nicht gesprochen. D as w iederholte kektüre, und der Schüler erhielt den A uftrag, 
sich ein paarm al, so daß der Lehrer endlich sagte: einen kleinen V ortrag  über den I n h a l t  des 
„G ehen  S ie  auf 10 M inu ten  au s der Klasse und Gelesenen zur W iederholung zu h a lten ; dabei 
kommen S ie  dann  w ieder herein." E r kam aber ha t er an  einer S te lle  den N am en eines 
nicht wieder, und als der Lehrer au s  der Klasse Reiterobersten nicht gew ußt und h a t gesagt: 
herauskam , ging er m it einem  Lächeln im  Gesicht der N am e ist m ir entfallen. D arau f habe 
an  ihm  vorbei. D a  frag te  ihn der Lehrer, w arum  ich in ruhigem  T one gesagt: „D er N am e
er nicht wiedergekommen sei; der Schüler rief gehört aber auch zur W iederholung."
w ieder m it lau te r S tim m e, er habe ja  gar nicht D as  ist das „H erunterm achen"!
gesprochen. Je tz t ergrim m te der Lehrer über F e rn e r sagt er:
diesen Trotz; er schreibt in  seinem amtlichen Bericht E s ist unmöglich, daß ich dem Schüler S ca lla  
darüber: em pfohlen habe, von der Schule abzugehen; 
Ich  erhob die Hand zum  Schlage, doch denn er ha t im  L atein  stets G enügendes 
blitzschnell durchflog mich die Überlegung, geleistet.
daß es doch wohl zu schnell gehandelt sei; Es w ar also gar keine G elegenheit vorhanden, 
ich griff m it der andern  Hand nach und schüttelte zu sagen: „W enn S ie  nichts Besseres zu leisten 
den Schüler m it beiden H änden an  der verm ögen, dann  gehen S ie  a b !" D er Schüler ha t 
Schulter. ja  G enügendes geleistet.
D as  ist der V organg. Am nächsten T age gleich 
kam der V ater, um  sich zu erkundigen, w as passiert N un  der Artikel im  B erliner T ageb la tt. 
w äre. D er Lehrer erklärte ohne Bedenken, daß es D as B erliner T ageb la tt stellt sich gleich auf einen 
ihm  leid getan  habe, die Hand überhaup t an  den sehr hohen S tandpunk t und schreibt: „D ie G ym ­
J u n g e n  gelegt zu haben; aber er sei durch sein nasiastentragödie. A u f k l ä r u n g  über die M o­
B etragen  so sehr gereizt worden. tive." I m  ersten M om ent glaubte ich wirklich, 
D arau f gab m ir der V ate r zu — heißt es in m an  w ürde etw as finden zur Aufklärung. Aber 
dem Bericht —, er könne es begreifen, daß m an  w as steht hier alles drin ! H ier kommen w ieder 
durch das B etrag en  seines S o h n es so erregt die unglückseligen B etrachtungen über die V er­
werden könne, habe er doch selbst vor kurzem setzung:
seinem S ohne eine tüchtige Ohrfeige versetzt, Brück stand vor der Versetzung, da er sich im  
weil er es an  der schuldigen Achtung gegenüber M ichaeliscötus befand. E r w ar in früheren 
seiner M u tte r  habe fehlen lassen. J a h re n  schon zw eim al sitzen geblieben und 
D an n  erzählte er, er habe m it seinem S ohne am  w äre, falls er auch diesm al nicht versetzt 
Abend vorher einen S paziergang  gemacht, da w äre w orden w äre, au s  der Schule gewiesen 
dieser ruh iger gew orden und habe selbst zugestanden, w orden.
daß er sich gegen den Lehrer vergangen habe. D ie M eine H erren, das ist falsch. E s gibt eine B e­
U nterhaltung  m it dem V ater —  sagt der Lehrer — stim m ung, wonach Schüler, welche zw eim al ver­
verlief durchaus sachlich und ruhig ; er füg t hinzu, geblich denselben Kursus durchgemacht haben, 
daß nach diesem V orfall der Schüler Brück ein von der Anstalt entlassen w erden können, aber 
wesentlich besseres B etragen  gezeigt habe. I n  den n u r in dem F all, daß das Lehrerkollegium einm ütig  
Z eitungen  stand, daß er ihn als R eligionslehrer ist und der D irektor zustim m t; außerdem  m uß, 
verhöhnt habe. D as  ist nicht w ahr; in der R e­ w enn der F a ll e in treten  soll, den E ltern  ein V iertel­
ligionsstunde ist das nie geschehen, sondern der jah r vorher die Nachricht zugehen, daß so gehandelt 
Lehrer ist der M einung, es könnte sich diese Auf­ w erden w ürde. N un  habe ich von A nfang an, 
fassung n u r auf den V orfall vom  4. J u n i  beziehen. w enn ein Schüler sich bis in  die Sekunda em por­
D ie zweite Anfrage betrifft mich. I n  einer gerungen hat, n iem als diese Bestim m ung zur 
Z eitung  stand, Brück w äre verhindert worden, A nw endung bringen lassen; sie w ird n u r angew and t 
zu m ir vorzudringen, oder ich hätte  ihn nicht vor­ bei Schülern in  den u n te ren  Klassen, denen es 
gelassen. D as ist nicht richtig. D ie Schüler wissen, Nutzen bringt, die Anstalt zu wechseln, oder in den 
wo m ein  A m tszim m er ist. Aber daß ich jeden m ittleren, w enn es sich zeigt, daß sie fü r höhere 
T ag  von A nfang bis zu Ende im  A m tszim m er S tu d ien  nicht geignet sind. —  D as m ußte Brück 
bin, ist natürlich nicht anzunehm en. Ich  habe wissen. Und n u n  steht h ier:
auch noch andere Geschäfte und habe auch noch infolgedessen hätte sich in Brück der G laube 
Unterricht zu geben. D er Schüler ist dorth in  ge­ entwickelt, er w ürde auch diesm al nicht 
kommen, und ich bin nicht anwesend gewesen; versetzt und au s  der Schule gewiesen w erden. 
da ist er w ieder weggegangen. Am nächsten Ich  habe schon ausgeführt, wie es m it den V er­
T age ist der V ater des Schülers zu dem Lehrer setzungen stand. D a s  ist also absolut unzutreffend.
gekommen und hat m it ihm  verhandelt; dam it N un  kommen die schlechten Aufsätze; w as h ier 
w ar die Sache erledigt. W arum  sollte ich den steht, wirkt zum  T eil humoristisch. H i e r  steht, 
Schüler noch einm al zu m ir ru fe n ?  D er V ater S ca lla  hätte  schlechte Aufsätze gemacht;
hat m it dem Lehrer gesprochen und hat anerkannt, D aß der Schüler aber auch im Deutschen 
daß der Lehrer berechtigt gewesen w äre, über das schlechte A rbeiten lieferte, w ar nicht sein 
V erhalten  des Schülers in Z orn  zu geraten. persönliches Verschulden —  in dieser Hinsicht 
Die dritte  F rage  betrift den Professor Keller. hatte  er die andern  11 U nterp rim aner a ls 
Professor Keller ist überhaup t nicht ein M ann , der Leidensgenossen auf seiner S eite .
die Schüler „herunterzum achen" pflegt. E r be­ Ich  möchte zunächst bemerken, daß von der ersten 
streitet auch m it aller Entschiedenheit, daß er den Arbeit im  S o m m er von 12 Schülern einer eine 
Schüler heruntergem acht habe, weil er einen gute A rbeit geliefert ha t — und das w ar S ca lla  —  
N am en nicht gew ußt habe. E r sagt darüber: (B ew eg u n g )
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.