Path:
Periodical volume 8. September 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

362 Sitzung vom 8. September 1909
Meine Herren, ich kann nicht unterlassen, Durch eingehende Untersuchungen ist festgestellt 
noch hinzuzufügen, daß ich am vergangenen Frei­ worden, daß kein Vorgang, der im Zusammen­
tag, als ich die Gelegenheit hatte, als P a tro n ats­ hange m it der Schule steht, vorhanden war, der 
vertreter der Abiturientenprüfung im Realgym­ geeignet wäre, die Schule für diese beiden Selbst­
nasium beizuwohnen, ehe noch die neueren Er­ morde verantwortlich zu machen.
örterungen in den Zeitungen erschienen waren, Zunächst hat m an immer den Gedanken: das 
Veranlassung genommen habe, m it einigen jener Gespenst der Versetzung ist gefährlich und treibt 
Herren, deren Namen dam als noch gar nicht durch zuweilen einen Schüler in  den Tod. Nun lag hier 
die Presse gegangen waren, den Fall in teilweise die Sache so, daß das bei den beiden Schülern gar 
längeren Erörterungen zu besprechen, und daß ich nicht mitspielen konnte, trotz allem dem, was die 
dam als schon den Eindruck gewonnen habe, daß Zeitungen darüber sagen. Die wissen es nicht; 
sich die Schule und insbesondere diese Herren voll­ wir Lehrer müssen es aber wissen!
ständig unberührt fühlen durch diesen Vorgang, Scalla, der in der Unterprim a saß, war ein 
daß sie, so leid ihnen natürlich menschlich die Sache vollständig genügender Schüler, befriedigte durch 
tut, dienstlich und amtlich in keiner Weise interessiert seine Leistungen so, daß seine Versetzung, die 
an dem Vorgänge sind. Infolgedessen hatte ich übrigens erst zu Ostern in  Aussicht war, schon jetzt 
auch keinerlei Grund, als Vertreter des M agistrats als gesichert angenommen werden konnte. Und 
irgendwelche weiteren Schritte zur Untersuchung das wußte auch Scalla; sein eigener V ater hat 
der Sache zu ergreifen. m ir mitgeteilt, daß er niemals in Sorge deshalb 
M eine Herren, es tritt jetzt oft in die Er­ gewesen wäre.
scheinung, daß m an die Schule für alles Mögliche Der andere Schüler ist ein paarm al hängen 
verantwortlich macht, w as vielleicht an ganz anderer geblieben; er ist nicht so gut vorw ärts gekommen 
Stelle gesündigt wird. wie der erste. Er saß nunm ehr zwei Jah re  in  der 
(Lebhaftes S ehr richtig.) Obersekunda, und diese lange Zeit hat ausgereicht, 
M an denkt niemals daran, daß neben der Ver­ ihn in allen Gegenständen so weit zu fördern, daß 
antw ortung und den Pflichten der Schule in erster er sicher war, die Versetzung zu erreichen. Und er 
Linie doch auch diejenigen des Hauses in Frage hat das auch gewußt. Denn wir haben die Ein­
kommen und Rechenschaft zu geben haben, nicht richtung, daß, wenn Zweifel an der Versetzbarkeit 
an die vielen Beziehungen, die sonst außerhalb vorhanden sind, wir in einer Konferenz vor den 
von Schule und Haus zwischen der Welt und den großen Ferien dies feststellen und den Eltern früh­
jungen Leuten bestehen. Wenn das traurige Wort zeitig Nachricht geben, in welchen Fächern der 
„Schülerselbstmord" gewissermaßen als Schlag­ Betreffende während der Ferien oder sonstwie 
wort genannt wird, ist das erste, was gesagt wird: noch Lücken auszufüllen hat. Und das wird auch 
die Schule muß an allem schuld sein. Ich wäre den Schülern gesagt, und es ist auch Brück, dem 
der letzte, der die Schule in Schutz nähme, wenn zweiten, der sich das Leben genommen hat, m it­
wirklich b e r e c h t i g t e  Veranlassung dazu wäre, geteilt worden, daß dem V ater keine Nachricht 
ihre Schuld auch nur andeutungsweise zu vermuten. zugehen werde. Er hat also vor der Versetzung 
Aber anderseits muß m an auch zugeben, daß es gar keine Angst haben können; das ist vollständig 
ein ungeheuer schweres und verantwortungsvolles ausgeschlossen.
Am t ist, das die Herren an unserer Jugend aus­ D ann wäre ein anderer Beweggrund anzu­
üben, im Verhältnis vielfach über das M aß dessen nehmen: eine zu schroffe Behandlung durch einen 
hinaus, was das Haus leistet, Lehrer, die den Schüler zum Selbstmordgedanken 
(S tad tv . Otto: S ehr richtig!) gereizt hätte. Ich  habe festgestellt, daß — ich will 
und ich glaube, wir haben alle Veranlassung, ihnen mich zunächst auf die letzte Z eit beschränken; auf 
die Ausübung dieses schweren Amtes zu erleichtern, die kommt es doch besonders an — keine S trafe 
indem wir sie gegen unberechtigte Angriffe in Schutz ihnen zuerteilt worden ist, daß kein etwa tätliches 
nehmen. Ich hoffe, daß die weitere Erörterung Vergreifen eines Lehrers sie in Aufregung gebracht 
dazu Veranlassung geben wird. haben kann; ja, es ist in den letzten Wochen nicht 
einmal ein Tadel gegen sie ausgesprochen worden, 
(Der Antrag des S tad tv . Otto auf Besprechung und sie hatten keine S trafe  für die Zukunft zu be­
der Anfrage wird genügend unterstützt.) fürchten. Also auch darin konnte der Grund absolut 
nicht gesucht werden.
S tad tv .  Dr. Hubatsch: Ich bin den Herren, Nun natürlich, als diese unglückselige T a t ge­
die den Antrag eingebracht haben, dankbar dafür, schehen war, waren die Reporter bei der Hand; 
daß S ie m ir die Gelegenheit gegeben haben, hier der eine hörte hier etwas, der andere hörte dort 
vor den V ertretern der Bürgerschaft diese An­ etwas, und jeder reim te sich das zusammen nach 
gelegenheit, die so vieles Aufsehen gemacht hat, seiner Phantasie und machte sich ein Bild zurecht, 
und die mit Recht so viel Erschütterung in allen und so sind so verschiedene Nachrichten in  die 
Herzen hervorgerufen hat, zu besprechen. Wenn Zeitungen gekommen. Bei m ir sind auch ungefähr 
ich etwas ausführlich werden sollte, so nehmen zehn Herren gewesen. Ich  hatte m ir wohl überlegt, 
S ie  m ir das nicht übel; es dient aber vielleicht wie ich mich verhalten solle. Ich  hatte erst gedacht, 
gerade dazu, S ie  vollständig in jeder Beziehung es wäre das gescheiteste, ich erklärte einfach, es 
aufzuklären. Ich bin überhaupt bereit, alles zu habe m it der Schule absolut nichts zu tun ; aber 
sagen, was S ie wissen wollen, alles zu beant­ ich sagte m ir: wenn ich mich so ablehnend verhalte, 
worten, was S ie mich fragen wollen. glauben die Herren, ich hätte etwas zu vertuschen, 
Als die Nachricht, die wie ein Blitz aus heiterem zu verheimlichen, zu verdecken. D arum  habe ich 
Himmel herunterkam, von diesem Doppelselbst­ m it der größten Offenheit m it den Herren ge­
morde mich erreichte, habe ich selbstverständlich sprochen und habe ihnen alles gesagt, was sie hören 
unverzüglich alle Schritte getan, die erforderlich wollten. S ie  haben aber vieles falsch verstanden, 
tobten, um  Klarheit in die Sache zu bringen. sie haben m ir manche Worte geradezu im M unde
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.