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Periodical volume 8. September 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 8. September 1909 361
an die Adresse einer größeren Anzahl namentlich daß m an füglich unter Verzicht auf eine bestimmte 
genannter Lehrer richten, und m an könnte nun Antwort darüber hinweggehen kann. Es wird 
der M einung sein, dieser Bescheid vom 6. auf einen wohl jedem von Ih n e n  in Erinnerung sein, daß er 
Bericht vom 2. habe noch nicht Gelegenheit gehabt, einmal bei einer schlechten Leistung von einem 
die ganz neuerdings erörterten Tatsachen zu prüfen, Lehrer Bemerkungen auch des In h a lts  zu erfahren 
und sei infolgedessen heute noch nicht als erschöpfend bekommen hat: „W as sitzen S ie denn hier unnütz 
anzusehen. Infolgedessen habe ich Gelegenheit ge­ Ih re  Zeit ab, tun S ie  doch etwas Besseres!" — 
nommen, heute vormittag noch im Provinzial- und ich muß sagen, um hier gleich eine Betrachtung 
schulkollegium persönliche Inform ationen  einzu­ anzuknüpfen, die Art und Weise, wie die ganze 
holen, und ich kann bestätigen, daß das Königliche Angelegenheit zu allgemeinen Angriffen gegen die 
Provinzialschulkollegium durch seinen Präsidenten Schule verwendet worden ist, die zweifellos, wie 
den In h a lt  dieser Verfügung auch den neuesten, Herr S tadtv. Otto schon festgestellt hat, mit der 
uns jetzt erst bekannt gewordenen M itteilungen eigentlichen T at absolut nichts zu tun haben, scheint 
gegenüber vollinhaltlich aufrecht erhält, m it dem m ir doch für eine erhebliche Übertreibung der 
ausdrücklichen Bemerken, daß in keiner Hinsicht ganzen Angelegenheit zu sprechen.
nicht einmal ein Zusammenhang, geschweige denn (S ehr richtig!)
ein Verschulden der Schule an diesen beiden un­ M eine Herren, wenn S ie sich das alles zu­
glückseligen Vorgängen hat konstatiert werden sammenstellen, was von den beiden Selbstmorden 
können. hier gesagt worden ist, so gilt für den einen: er 
Die Charlottenburger Presse hat sich nun soll eine Ohrfeige bekommen haben — das ist nicht 
natürlich m it ganz besonderem Recht neuerdings wahr; er soll in der Chemie recht viele Schwierig­
dieser Angelegenheit angenommen. I n  der „Neuen keiten gehabt haben — zugegeben! Aber daraus, 
Z eit" finden wir unter dem heutigen D atum  des daß einem jungen M anne ein Nebenfach Schwierig­
8. Septem ber eine Erörterung der Angelegenheit, keiten bereitet, dürfte sich wohl ein norm aler junger 
die bestimmte Fragen stellt: M ann sicherlich nicht zu einer derartigen T at ver­
1. Is t  es richtig, daß ein Lehrer des Real­ leiten lassen.
gymnasiums, ein Professor, den jungen Brück (S ehr richtig!)
vor zwei M onaten geohrfeigt hat? Und was nun sonst nebenher gesagt ist, daß der 
Diese Frage ist zu verneinen. Eine Ohrfeige ist Chemielehrer m al geraucht haben soll, oder daß 
dem jungen Brück von dem hier in der Zeitung ge­ er m al den Eindruck gemacht haben soll —  den 
nannten Professor nicht verabfolgt worden. Schülern natürlich —, was sicherlich nicht den T a t­
2. Hat Brück, als er sich beschweren wollte, sachen entspricht, als ob er nicht nüchtern gewesen 
zunächst vergeblich versucht, bei Herrn Di­ sei, — meine Herren, w as hat das m it diesem Vor­
rektor Dr Hubatsch vorgelassen zu werden? gang zu tu n ?  Auch nicht das Allermindeste!
Auch diese Darstellung entspricht nicht den T at­ ■ (S ehr richtig!)
sachen. Der junge Brück hat allerdings versucht, Nach meiner Erinnerung ist über diesen Fall in 
den Herrn Direktor zu sprechen, fand die T ü r ver­ den Zeitungen nichts weiter enthalten. Wir können, 
schlossen, hat sich dann wieder wegbegeben und soweit der Fall Brück in Frage steht, damit das 
ist nicht wiedergekommen. Am nächsten Tage hat M aterial als erschöpft ansehen.
inzwischen sein V ater die Angelegenheit durch W as nun den Fall Scalla anbetrifft, von dem 
mündliche Aussprache m it dem Professor erledigt, es feststeht, daß er einer der besseren Schüler ge­
und es ist infolgedessen keine Veranlassung gewesen, wesen ist, so wird hier erstens das „Heruntermachen" 
der Angelegenheit irgendwelchen weiteren F ort­ als etwas erwähnt, was zur Beschwerde gegen die 
gang zu geben, zumal sie nach keiner Richtung Schule Veranlassung gibt, dann, daß ein Aufsatz­
danach angetan war und in ihrem Ausgange vor thema gegeben worden sei, das nicht angemessen 
allen Dingen nicht den Charakter trug, als ob gewesen sei, das den Schülern Schwierigkeiten 
m an irgendwie hätte vermuten können, daß sie gemacht habe —  was im übrigen auch nach den 
eine derartige Entschließung in dem jungen Brück angestellten Erm ittelungen durchaus nicht sach­
hätte zur T a t reifen lassen können. gemäß dargestellt ist — , und daß überhaupt die 
Die dritte Frage lautet: Leistungen in der Klasse in einigen Fächern, Deutsch 
I s t  es schließlich zutreffend, daß ein anderer und Geschichte, in der letzten Zeit nicht befriedigend 
Lehrer des Realgymnasiums, gleichfalls ein gewesen seien, daß die Klasse zurückgegangen sei 
Professor, den jungen Scalla —  an dem­ in ihren Leistungen. D as alles hat doch absolut 
selben Tage, an welchem dieser Selbstmord m it dem ganzen Fall Scalla, so traurig  er ist, 
beging —  „heruntergemacht" hat, weil er nichts zu tun!
sich im Lateinunterricht auf einen Namen I m  übrigen hat, wie ich gleich mitteilen will 
nicht besinnen konnte? Is t Scalla von dem­ —  das hat ja für die B eurteilung der ganzen Sache 
selben Professor empfohlen worden, von der immerhin eine gewisse Bedeutung —, von keiner 
Schule abzugehen, wenn er nichts Besseres zu Seite — ich habe das heute im Provinzialschul­
leisten vermöge? kollegium ausdrücklich bestätigt erhalten —  ein 
Meine Herren, die dieser dritten Frage zugrunde Zusammenhang der beiden Selbstmorde u n t e r ­
liegende Tatsache ist zunächst von vornherein so e i n a n d e r  festgestellt werden können. Es 
wenig präzisiert, sie deutet so wenig Gravierendes scheint, daß ein sehr eigentümliches, zufälliges 
an, stützt sich auf so wenig konkrete Vorwürfe, Zusammentreffen hier vorliegt. W enn ein wirk­
daß m an eine bestimmte Antwort darauf zu er­ licher Zusammenhang vorhanden wäre, so wäre 
teilen gar nicht in der Lage ist. S ie enthält daher, es ja vielleicht gerechtfertigt, aus den Beziehungen, 
selbst wenn sie bejaht werden sollte, so wenig, das die die beiden jungen Leute in der Schule und durch 
zu der Feststellung Veranlassung geben könnte: die Schule zu einander bekommen haben, irgendeine 
dieser Vorgang hat in dem unglückseligen jungen Verm utung gegen die Schule herzuleiten. Von 
M anne den Entschluß zu der T at hervorgerufen, alledem ist absolut nichts der Fall.
        
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