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Periodical volume 25. August 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 2 i. August 1909 3 53
M eine H erren, hier liegt des R ätsels Lösung: die M aterie  außerordentlich schwierig w äre, und 
zwischen dem ersten und zw eiten B riefe des in Aussicht gestellt, daß wahrscheinlich am  20. 
O berbürgerm eisters Wilde hat m an  diese E r­ nicht verhandelt w erden könnte. Trotzdem traf 
kundigungen im  M inisterium  der öffentlichen am  19. die telegraphische M itte ilung  ein, m an 
A rbeiten angestellt, und jetzt sah m an , daß der sollte an  der V erhandlung am  20. teilnehm en.
ganze V ertrag , den m an  m it u n s schließen wollte, (U nruhe.)
u n te r diesen Umständen fü r Schöneberg höchst D er S ta d tb a u ra t w ar durch die Geschäfte als 
ungünstig w erden könnte, und nun  benutzte m an M agistratsd irigent sehr in Anspruch genom m en, 
die form ale kleine Lücke, die unsere Ä nderung ge­ und so kam es, daß H err S ta d tra t  Ja s tro w  und 
geben hätte , nicht nur, um  aus diesem V ertrage der Magistratsassessor T hurow  die S ta d t  C har­
herauszukom m en, sondern um  gleichzeitig u n s den lo ttenburg vertreten  m ußten , eine Aufgabe, die 
Krieg zu verkünden und zum  Kadi zu laufen. fü r H errn  S ta d tra t  Jastro w  nach seinen eigenen 
M eine H erren, ich bin K aufm ann, und derartige M itte ilungen  sehr undankbar w ar;
S itu a tio n en  ereignen sich im  kaufmännischen (hört, hö rt!)
Leben h äu fig ; aber zwischen F irm en , die sich denn er w ußte nicht, w as dort verhandelt werden 
respektieren, pflegt m an  dann  gewöhnlich anders w ürde. M an  hat dort verhandelt und ist nach 
zu verfahren; zw eistündiger V erhand lung  zu einem  fü r C har­
(sehr richtig!) lo ttenburg ungünstigen Ergebnis gekommen. 
m an  pflegt m it vollster O ffenheit vorzugehen D as  ganze V erfahren hat also nicht länger als drei 
und zu sagen: w ir haben die Möglichkeit, aus Wochen gedauert. W enn, wie ich aus E rfahrung  
dem V ertrage herauszukom m en, w ir benutzen weiß, es bei einer ganz gewöhnlichen Klage vor 
sie nicht, aber ihr m üß t das einsehen, w ir wollen dem Bezirksausschuß nahezu zwei J a h re  dauern  
den V ertrag  verändern  und über die 100 m  einen kann, ehe ein T erm in  an b erau m t wird, so m uß 
neuen  V ertrag  machen. Ic h  bin überzeugt: die ich in  dieser Beschleunigung des V erfahrens 
E inigung, die w ir heute erstreben, hätte  sich dam als jedenfalls einen Fortschritt sehen;
in  w enigen S tu n d en  erreichen lassen. (Heiterkeit)
(S e h r richtig!) aber ich m uß doch fragen, ob es richtig w ar, 
S o  w äre ich  vorgegangen, m eine H erren ; ich gerade in dieser F rage  einen Rekord an Schnell­
glaube, auch viele andere. N un  aber ha t Schöne­ justiz aufzustellen, wie er so bald und so leicht nicht 
berg dies V orgehen nicht beliebt, sondern, wie wieder übertroffen  w erden dürfte.
gesagt, es h a t die Klage auf E rgänzung unserer (B ra v o !)
Z ustim m ung eingereicht und, wie S ie  aus der Ich  bew undere auch die H erren  vom  B ezirksaus­
V orlage ersehen, m it dieser seiner Klage auch schuß, daß sie in dieser zweistündigen B era tung  
zunächst einen Erfolg erzielt. m it einer der schwierigsten F rag en , die augen­
M eine H erren, ich m uß auf dieses E rgän ­ blicklich die Ju ris ten w elt beschäftigt, fertig gew orden 
zungsverfahren wenigstens auf die äußere F o rm  sind, nämlich m it der F ra g e : ist in  dem  vorliegenden 
desselben wieder e tw as eingehen, w enn ich hier F a ll E rgänzung, E nteignung oder vielleicht beides 
auch in  den juristischen F rag en  nicht dilettieren geboten? —  eine F rag e , über die die beiden ein­
will. . zigen K om m entatoren, die existieren, sich sehr ver­
M eine H erren, ich habe bereits vorhin erw ähnt, schieden aussprechen. D er eine spricht sich positiv 
daß dem C harlo ttenburger M agistrat n u r fünf Tage fü r die Ansicht C harlo tteüburgs aus, nämlich daß 
Z e it gelassen w urden, um  auf diese um fangreiche n u r E nteignung, eventuell höchstens E nteignung 
Denkschrift von Schöneberg zu erw idern . Von und E rgänzung zulässig sei; der andere, unser 
diesen fünf T agen  w ar ein T ag ein S o n n tag , ein früherer Kollege G leim , spricht sich zum  mindesten 
T ag  der E ingangstag , so daß im  ganzen n u r nicht gegen die Ansicht C harlo ttenburgs aus, w enn 
drei T age übrig blieben —  und das zu einer Zeit, er auch sehr gew unden die allenfalsige Möglichkeit 
wo beide B ürgerm eister, der D ezernent, der der E rgänzung bei der Anlage von U nterpflaster­
Synd ikus abwesend w aren, wo der S ta d tb a u ra t bahnen zugibt, u n te r B edingungen, die m eines E r­
die Geschäfte des M agistratsdirigenten leitete, der achtens für dieses P ro jek t,gar nicht vorliegen könn­
aber, w ie S ie  wissen, wenige T age vorher vom ten. Aber die H erren  vom  Bezirksausschuß sind 
U rlaub zurückgekehrt w ar und desw egen m it doch in der Lage gewesen, sich in  dieser kurzen Z eit 
diesen letzten D ingen  nicht so v ertrau t w ar, wie ein Urteil zu bilden; ich kann ihnen zu dieser E n t­
er es sonst m it dem  Laufe der B egebenheiten ist. schlußfähigkeit n u r g ratu lieren .
Trotz alledem , obgleich protestiert w urde gegen (Heiterkeit.) :
dieses V erfahren  und darauf verwiesen wurde, daß M eine H erren, ich sehe aus den Akten, daß 
diese kurze Z eit durchaus nicht der Billigkeit en t­ unser M agistrat die zunächst möglichen M itte l er­
spräche, blieb es dabei, und m an  m ußte  in  dieser griffen h a t: er h a t gegen dieses E rkenntnis des 
kurzen Z eit die A ntw ort verfassen. M eine Herren, Bezirksausschusses P ro test beim  P ro v inz ia lra t ein­
sie ist verfaßt w orden, und sie ist, glaube ich, auch gelegt und gebeten, die Entscheidung des Bezirks­
sehr gut verfaßt w orden. Aber trotz alledem  hätte ausschusses aufzuheben; er hat aber gleichzeitig, 
eine ganze Reihe von D ingen, die ich I h n e n  um  die A ngelegenheit auf den W eg der ordent­
hier vortrage, und die sich in späteren Schrift­ lichen Gerichte zu verweisen, eine Feststellungs­
stücken auch finden, doch noch eingehender aus­ klage beim  Landgericht II angestrengt, fü r  welche 
einandergesetzt w erden können, a ls es in  dieser bereits fü r den 17. August ein T erm in  angesetzt 
kurzen Z eit möglich w ar. w ar; dieser ist infolge der inzwischen eingetretenen 
Auf E inladung des Bezirksausschusses fand V ergleichsverhandlungen wieder aufgehoben 
am  16. J u l i  noch eine Konferenz statt, eine Kon­ worden. M an  weiß nicht, w as w erden wird. Es 
ferenz, von der eigentlich die neuen E in igungs­ könnte sich ergeben, daß der Kompetenzkonslikt 
verhandlungen  datieren. E s w urde vom D ele­ erhoben wird, und die vorgesetzte B ehörde, welche 
g ierten  des Bezirksausschusses anerkannt, daß angerufen w ird, entscheidet, welche In s ta n z  das
        
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