Path:
Periodical volume 30. Juni 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 30. Juni 1909 3 33
g e r i n g s t e  S c h u l d  t r i f f t .  W i r  h a b e n  l Hofs im  J a h re  1904 eingesetzt habe. A us den Akten 
a l l e  g e t a n ,  w a s  w i r  t u n  k o n n t e n :  geht hervor, daß bereits am  25. J u n i  1902 dem 
d i e  V e r h ä l t n i s s e  s i n d  e b e n  s t ä r k e r  M agistrat aufgegeben w orden ist, sich um  die A n­
g e w e s e n  a l s  d e r  W i l l e . lage eines Friedhofs zu bem ühen. Am  3. S e p ­
M eine H erren, durch den Beschluß der S ta d t ­ tem ber 1902 w urde eine A nfrage gestellt, wie weit 
verordnetenversam m lung anläßlich der E ta ts- denn nunm ehr diese A nregung gediehen fei. M an  
beratungen , einen U rnenhain zu errichten, sind w ir hat eine M itte ilung  von dem M agistrat erhalten : 
bezüglich der Leichenverbrennung ein Stückchen die S tadtverordnetenversam m lung hat sie zur 
vo rw ärts  gekommen. Vielleicht zieht der M agistrat K enntnis genom m en. Am 12. S ep tem ber 1903 
in E rw ägung, ob es im  Hinblick auf die möglicher­ w urde der Bescheid gegeben, daß ein Bericht noch 
weise bevorstehende —  w enn auch n u r fakultative nicht erstattet w erden kann, auch vorläufig keine 
—  E inführung  der Leichenverbrennung n o t *  Aussicht auf eine Ä nderung der Lage vorhanden 
w e n d i g ist, ein so g r  o ß e s T erra in  fü r unseren sei. Am 19. D ezem ber 1903 ist dann aberm als von 
Friedhof anzukaufen als u r s p r ü n g l i c h  beab­ einer M itte ilung  K enntnis genom m en worden, 
sichtigt w ar. Natürlich werden sich die kirchlichen die auf G rund einer A nfrage erfolgte, daß eine 
B ehörden nach wie vor m it aller Energie gegen die bestimmte Dringlichkeit fü r diese Angelegenheit 
auch nur fakultative E inführung  der Leichen­ nicht vorhanden sei und auch M itte l für einen E n t­
verbrennung sträuben; denn die Orthodoxie ist ja w urf nicht zur V erfügung stehen. D an n  folgen die 
jedem  Fortschritt abhold, um  so m ehr, da es ihr V erhandlungen, die der M agistrat, wie der Herr 
ja evtl. auch an den G eldbeutel geht. Bürgerm eister hier darlegte, vom  J a h re  1904 ab 
B ei dieser G elegenheit will ich aber nicht gepflogen hat. Ich  sage m ir n u n : vom J a h re  1902 
unterlassen, m einem  B edauern  darüber Ausdruck bis zum  J a h re  1904 h ätte  doch die Angelegenheit 
zu geben, daß d i e  B e d e u t u n g  b e t  K i r ­ ganz andere F o rm en  schon annehm en können, da 
c h e n w a h l e n  s o w e n i g  g e w ü r d i g t  ja doch die Kirchhofsfrage nach den Akten, die ich 
w i r d .  Große politische P a rte ie n  stehen m it durchgesehen habe, schon im  J a h re  1902 fü r C har­
G e w e h r  b e i  F u ß  und lassen die o r t h o ­ lo ttenburg eine brennende w ar. E s m ußten  also 
d o x e n  M ehrheiten ruhig w eiter wirtschaften. u n te r allen Um ständen die G eldm ittel vorhanden 
W enn die kolossale M acht der s c h w a r z e n  H err­ sein, um  die F rage  schneller in F luß  zu bringen. 
schaften eingeschränkt w erden könnte, so w ürden D aß  die R egierung oder vielm ehr der R egierungs­
u n s  und anderen viele Käm pfe erspart bleiben, und präsident ziemlich lau  in  dieser Geschichte 
manches w ürde leicht erreicht w erden, w as zurzeit gewesen ist, geht ja zur G enüge au s der D arlegung 
u n m ö g l i c h  ist. Jed en fa lls  möchte ich aber hervor. W enn m an  die A ntw orten  zu G ehör 
n am en s m einer F reunde nochmals den Wunsch bekommt, die der H err B ürgerm eister verlesen hat, 
aussprechen, d a ß  d e r  M a g i  st r a t  n a c h  so g laubt m a n , in ein K asperletheater versetzt 
w i e  v o r  b e m ü h t  s e i n  m ö g e ,  u n s  zu sein. H iere in  B rief, dort eine A nfrage — so geht 
e i n e n  e i g e n e n F r i e d h o f  z u s c h a f f e n .  es w eiter. Ich  bin der M einung, w ir müssen selbst 
A llerdings ist es außerordentlich schwierig —  das energisch Hand an s Werk legen und u n s einm al 
müssen wir alle zugeben — , diesen Wunsch zu über die Köpfe der R egierung hinwegsetzen, 
e rfü llen ; aber w ir wollen das beste hoffen. (Heiterkeit)
(S e h r rich tig!) indem  w ir einfach vorgehen. D ie letzten drei F älle  
haben in der Bürgerschaft ungeheuer viel S ta u b  
S ta d tv . G e b e r t : M eine H erren, w enn gesagt aufgew irbelt: nicht n u r in  dem sogenannten M itte l­
w orden ist, es sei aktenm äßig n u r ein F a ll zur stände, bei den K leinbügern, sondern auch in den 
K enntn is gelangt, so will ich betonen, daß es bereits Kreisen der besser S itu ie rte n  ist viel U nruhe her­
zwei F älle  sind. M ir ist auch der N am e genannt vorgerufen w orden. D aher m üßte der M agistrat 
w orden. D er eine F a ll betrifft das M ädchen im energisch vorgehen, er m üßte jetzt zu x-beliebigem 
A lter von 13 J a h re n , in dem zweiten F alle  handelt Gelde ein G elände kaufen und einen Friedhof 
es sich um  einen gewissen Röttker, einen Dissidenten, nach seinem Ermessen errichten. D er Klage, die 
und ein d ritter F a ll betrifft einen gewissen Fenzke. sich dann nachher entwickeln w ürde könnten w ir 
I n  sämtlichen Fällen  ist die Zurückweisung erfolgt, ruhig entgegensehen: es w ürde dann  vor aller 
weil die Luisenkirchengemeinde in  ihren S ta tu te n W elt der B ew eis erbracht w e rd en , daß es nicht 
—  der beste geschäftsmäßige Ausdruck w äre ja : in der M agistrat w ar, der langsam  gewesen ist, son­
ihrem  P re isku ran t — eine B estim m ung hat, wonach dern die R egierung, und daß w ir es u n te r  keinen 
die B eerdigung von Personen, die nicht zu der Umständen bei den mißlichen V erhältnissen h ä tten  
G em einde gehören, sogenannten Nichtparochianen, bewenden lassen können.
bedeutend teurer ist a ls die Beerdigung von G e­ W as den Friedhof in S ta h n sd o rf  betrifft, 
m eindem itgliedern. D as  ist schon ein unglücklicher so ist es richtig, daß der L eichentransport von 
Zustand. D ie Luisengemeinde kann ja im all­ C harlo ttenburg nach S tah n sd o rf für die ärm ere 
gem einen hier in C harlottenburg T ru m p f auf­ Bevölkerung m it ungeheuren Kosten verknüpft 
bieten. S e h r interessant ist es, sich das Register ist. D am it w erden w ir auch wohl einem  F ried ­
ä  la  Tietz oder W ertheim  durchzulesen. M an  m uß hofe in S taaken rechnen müssen. E s wird manch 
staunen, wie diese Gesellschaft es versteht, von den a rm er Tenfel nicht in der Lage sein, seine lieben 
T o ten  resp. den Angehörigen der Verstorbenen A nverw andten so beerdigen zu können, wie er es 
fü r die V eranstaltung des Begräbnisses Geld ein­ gern möchte. A us diesem praktischen Gesichts­
zuheimsen. Die Gem einde hat ein wunderschönes punkte heraus w ar es stets der Wunsch der A n trag ­
M o tto , welches heißt: H err, ich habe lieb die S tä tte  steller, den Gem eindefriedhof so dicht wie möglich 
deines Hauses und den O rt, da deine Ehre wohnet bei C harlo ttenburg  zu haben. E s ist bezeichnend, 
—  notabene w enn du Geld hast. daß von 25 G em einden, die um  C harlo ttenburg  
D er H err B ürgerm eister führte an, daß die Veium liegen, alle außer drei G em eindefriedhöfe 
B ew egung um  Errichtung eines G em eindefried- besitzen. D a s  sind B erlin , B oxhagen-R um m elsburg ,
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.