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Periodical volume 30. Juni 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

332 Sitzung vom 0. Juni 1909
sein scheine, welches in Frage kommen könne, Stadtv. Bollmann: Meine Herren, die
auch was die Bodenbeschaffenheit, die Lage usw. Anfrage der Herren Dr Borchardt und Gen. nimmt 
betrifft; sie halte den Preis aber nicht für an­ unter anderem Bezug auf einen bedauerlichen 
nehmbar. Der Magistrat hat sich eingehend mit Vorgang, der uns allen noch in lebhafter Er­
der Angelegenheit besaßt, hat sich aber ebenfalls innerung ist. Der Herr Bürgermeister hat schon 
nicht entschließen können, von diesem Angebot ausgeführt, daß sich das in Zukunft n ic h t mehr 
Gebrauch zu machen und das Gelände zu erwerben, wiederholen kann, da die Berliner Stadtsynode 
iveil er einen Preis von 4000 M  für den Morgen einen Teil des ihrer Verwaltung unterstehenden 
für erheblich zu hoch hielt, zumal die Verkehrs­ Zentralfriedhofs für N ic h t  evangelische ein­
verbindungen für die Döberitzer Heerstraße zunächst gerichtet und unserer Kommune zur Verfügung 
in keiner Weise gesichert sind, während man anderer­ gestellt hat. Nach Ansicht der maßgebenden 
seits nunmehr mit einiger Sicherheit daraus rechnen staatlichen und kirchlichen Behörden existiert für 
darf, daß nach dem Stahnsdorfer Friedhofe Ver­ Charlottenburg e i n e  K i r c h h o f s  n o t  n i ch t  
kehrsverbindungen geschaffen werden, die wenigstens, m e h r ,  da man dort der Meinung ist, daß mit 
was die Regelmäßigkeit des Verkehrs anbetrifft, dieser Maßnahme allen Wünschen genüge geleistet 
einigermaßen den Bedürfnissen werden gerecht wer­ worden ist. Namens meiner Fraktion habe ich die 
den. Der Magistrat sagte sich, daß die Verbindung bestimmte Erklärung abzugeben, daß wir diese 
nach dem Staakener Gelände weder so regelmäßig, Ansicht n ic h t teilen, sondern der Meinung sind, 
noch so oft, noch so gesichert sein würde wie nach daß  d ie  S c h a f f u n g  e i n e s  k o mmu -  
dem Stahnsdorfer Gelände. Die Entfernungen n a l e n  F r i e d h o f s  f ü r  C h a r l o t t e n ­
nach Stahnsdorf einerseits und dem Staakener b u r g  nach w i e  v o r  e i n e  d r i n g e n d e  
Gelände andererseits unterscheidet sich, wenn ich N o t w e n d i g k e i t  ist. Allerdings verhehlen 
nicht irre, um zirka 3 bis 4 km in der Luftlinie wir uns nicht, daß die Schwierigkeiten zur Durch­
zugunsten des letzteren. Die Schaffung von Ver­ führung des Projekts durch die Eröffnung des 
kehrsverbindungen nach dem Kommunalfriedhofe Stahnsdorfer Friedhofs erheblich gewachsen sind 
bei Staaken aber würde voraussichtlich lediglich und unsere Absicht von den Aufsichtsbehörden 
Sache der Kommune fein und ihr zur Last fallen, n ic h t  g e f ö r d e r t ,  sondern sehr  e r s c h we r t  
während für die Stahnsdorfer Verbindungen die werden wird. Der Herr Bürgermeister sagte schon, 
Stadtfyuode zu sorgen hätte. Alle diese Gesichts­ wie unendlich schwer es gewesen ist, überhaupt 
punkte haben den Magistrat dazu bewogen, den nur die Vorverhandlungen zu führen, und ich habe 
Ankauf des Geländes abzulehnen und damit aller­ den Zwischenruf gemacht: Das sieht dem Kon­
dings für den Augenblick das nach allen Bemühungen sistorium ähnlich! Ich habe schon sehr lange mit dem 
einzige übrig gebliebene Gelände aufzugeben. Konsistorium zu tun und kann bestätigen, daß es nicht 
Der Magistrat hat bei dieser Gelegenheit — leicht ist, m i t  d i e s e r  B e h ö r d e  fertig zu 
es ist jetzt ungefähr 4 Wochen her — den Beschluß werden. Sie kann sehr schnell arbeiten, wenn sie 
gefaßt, an das Königliche Konsistorium der Provinz w ill: meistens geschieht das aber nur, wenn es ihr 
Brandenburg zwei Fragen zu richten: erstens paßt, aber nicht, wenn andere eine schnelle Er­
einmal um Mitteilung der sicheren und zuverlässigen ledigung wünschen. ^
Unterlagen für die zukünftigen Verkehrsbedingun­ Unser Kommunalfriedhof muß jedenfalls - 7 
gen nach dem Stahnsdorfer Friedhof und zweitens n ä h e r  fein als der Stahnsdorfer Friedhof oder, 
um eine Erklärung darüber, ob die in der Mitteilung wenn sich das nicht machen läßt, g ü n s t i g e r e  
vom 24. April 1909 enthaltene Bestätigung des Verkehrsverbindungen haben. Es ist ganz zweifel­
Ausweises einer Parzelle für Andersgläubige auch los, daß, wenn wirklich ein geeignetes Terrain 
wirklich den Charakter einer dauernden Einrichtung gefunden wird, gerade die kirchlichen Behörden 
trage, die verbürge, daß die Einrichtung dauernd dem Magistrat nicht das geringste Entgegen­
bestehen bleibe, und daß sie unter denselben Be­ kommen zeigen werden. Dazu kommt noch — das 
dingungen bestehen bleibe, was den Tarif und wird Ihnen jedenfalls nicht bekannt fein —, daß die 
sonstige Gesichtspunkte anbetrifft, wie für evan­ Berliner Stadtfynode auf Grund des § 454 des 
gelische Mitbürger. Von der zufriedenstellenden Allgemeinen Landrechts berechtigt ist, von den An­
Beantwortung dieser beiden Fragen hat der Ma­ gehörigen, die auf einem Kommunalfriedhof ihre 
gistrat seine weitere Stellungnahme zu dem Projekt Verstorbenen beerdigen lassen, eine Auslösungs­
eines Kommunalfriedhofs abhängig gemacht. gebühr zu erheben. Diese Auslösungsgebühr ist aus 
Meine Herren, ich glaube, ich kann wohl rund 20 M  pro Kops festgesetzt. Wir haben auf der 
sagen, daß dem Magistrat die — wenn auch nur letzten Kreisfynode Friedrichswerder I I ,  der ein­
bedingte — Aufgabe des Projekts eines Gemeinde­ zigen Berliner Kreisfynode, die eine l i b e r a l e  
friedhofs sehr schwer geworden ist, weil er sich der Mehrheit hat, versucht, diesen Beschluß zu mildern.
Tragweite dieses Entschlusses vor allen Dingen Ein diesbezüglicher Antrag ist natürlich auch an­
auch vom sozialen Gesichtspunkt aus vollständig genommen worden. Ich glaube aber kaum, daß die 
bewußt gewesen ist. Aber bei der großen Anzahl o r t h o d o x e  Mehrheit der Berliner S t a d t -  
und Last der sozialen Aufgaben, die uns im Augen­ synode dem Beschlusse beitreten wird; denn die 
blick beschäftigen, hat der Magistrat geglaubt, die Stadtsynode hat ja den Kirchhof geschaffen, und 
Verwirklichung dieses Projekts, so wünschenswert sie ist selbstverständlich darauf bedacht, daß die 
sie auch sein würde, doch hinter die näher liegenden Rentabilität, die ja bekanntlich einstweilen völlig 
Aufgaben auf sozialem Gebiete zurückstellen zu illusorisch ist, nicht noch mehr in Frage gestellt wird.
müssen. Andere Erklärungen kann ich nicht abgeben. Meine Herren, jedenfalls Schwierigkeiten über 
Eine definitive Stellungnahme des Magistrats hat Schwierigkeiten!
noch nicht stattgefunden. I ch  g l a u b e  a b e r  f es t s t e l l en zu 
k ö n n e n ,  daß d e n  M a g i st r a t u n d  d i e  
(Auf Antrag des Stadtv. Zietsch erfolgt die S t a d t v e r o r d n e t e n v e r s a m m l u n g  
Besprechung des Gegenstandes der Anfrage.) w e g e n  d e r  V e r z ö g e r u n g  n i cht  d i e
        
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