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Periodical volume 30. Juni 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 30. Jun: 1909 325
durch die Erhöhung der Krankenpflegesätze die ihnen freie K ur und Krankengeld g ew äh rt, 
Volksgesundheit gefährdet w ürde. D er H err V er­ kommt der S tad tgem einde u n m itte lb a r inso­
tre te r  des M agistra ts steht also auf dem entgegen­ fern  zugute, a ls die betreffenden P ersonen  
gesetzten S tandpunk te . E r m eint, w enn w ir nicht dann  nicht der A rm enpflege zur Last fallen. 
die Gebührensätze erhöhten, dann  w ürden alle L eute D as  sind Grundsätze, die durchaus vernünftig  sind, 
von außerhalb  unser K rankenhaus aufsuchen, und und  die gerade deshalb, weil sie so vernünftig  sind, 
w ir w ürden  dann  eine G efährdung der Volks­ von der heutigen M ajo ritä t der S tad tv e ro rd n e ten ­
gesundheit erleben. versam m lung und von dem M agistra t über B ord 
H err Kollege Vogel ha t bereits darauf h in­ gew orfen werden.
gewiesen, daß das tatsächlich nicht zu trifft, und in  (O ho!)
der vorigen Sitzung ist auch von m einen  F reu n d en  In te re ssan t ist es auch, daß dam als, obwohl sich der 
ausdrücklich betont w orden, daß das ein  sehr be­ Ausschuß im  Gegensatz zum M agistrat fü r  eine E r­
lieb ter E inw and ist, der bei jeder G elegenheit er­ höhung der Pflegesätze aussprach, doch die S ta d t ­
hoben wird, w enn F orderungen  gestellt w erden, verordnetenversam m lung im  P len u m  m it großer 
die in  dieser oder jener R ichtung einen Fortschritt M ehrheit die vom Ausschuß bean trag te  Erhöhung 
bedeuten . Es scheint, daß m an  im  M agistrat nach der Pflegesätze verw arf, und zw ar u n te r  F ü h ru n g  
dem  Schem a F  arbeite t. W enn S ie  sich der D e­ der H erren L iberalen. A llerdings bildeten die 
b a tten  über die W ohnungsfrage erinnern , da w urde L iberalen dam als noch eine kleine M inderheit, sie 
von G egnern  der W ohnungsfürsorge gesagt: w ir w aren  kleiner an  Z ahl, a ls w ir heute sind, sie w aren  
dürfen  unmöglich in  C harlo ttenburg  zu w eit gehen, glücklicherweise noch nicht die ausschlaggebende P a r ­
denn  sonst w ürde die ganze Bevölkerung von G roß- te i; sonst w ären  sie dam als schon fü r eine so volks­
B erlin  nach C harlo ttenburg ziehen. Dasselbe feindliche M aßnahm e eingetreten . H eute gehen S ie  
A rgum ent w urde von anderer S e ite  angeführt. im  Gegensatz zum  J a h re  1900 nicht n u r  über die 
W ie wenig das zutrifft, m eine Herren^ das beweisen In te ressen  der Kranken, sondern auch über die 
die früheren  V orgänge. W ir haben im  J a h re  1900, In te ressen  der Krankenkassen leichten H erzens h in­
a ls  B erlin  und andere G em einden die G ebühren­ weg. D enn  alles das, w as fü r das J a h r  1900 als 
sätze fü r die V erpflegung in  den K rankenhäusern zutreffend vom M agistrat angeführt w urde, das 
erhöhten, von dieser M aßnahm e Abstand genom m en. gilt —; m eine H erren , das w erden S ie  nicht zu 
W äre das, w as der H err S ta d tra t  befürchtet, bestreiten w agen —  auch heute noch.
richtig, dann w ären  w ir ja  dam als von allen Kranken Ich  sagte eben, daß im  J a h re  1900 die V orlage 
au s  der Umgegend von B erlin  überschwemmt des M agistra ts nam entlich Rücksicht genom m en hat 
w orden, und dann  hä tte  dam als diese große G e­ auf die Lage der Krankenkassen. H eute berücksichtigt 
fährdung der Volksgesundheit fü r C harlo ttenburg  m an die Verhältnisse in  den Krankenkassen ü b er­
e in tre ten  müssen. Ic h  glaube, daß nicht einm al aus h au p t nicht; im  G egenteil, die H erren  stellen sich 
den Akten des M agistra ts hervorgeht, daß in  irgend­ auf den S tan dpunk t, daß, w enn  die B eiträge  für 
e iner Weise eine G efahr fü r die Volksgesundheit die Krankenkassen erhöht w erden, die A rbeiter 
durch die im  J a h re  1900 getroffene M aßnahm e en t­ dadurch nicht geschädigt w erden. H err Kollege 
standen ist. Frentzel kann als B erichterstatter fü r sich in A n­
W eil ich gerade bei der V orlage von 1900 bin, spruch nehm en, daß er bei dieser G elegenheit eine 
halte  ich es fü r notw endig, m it einigen W orten ganz neue T heorie aufgestellt hat, die, w enn  sie 
d arau f einzugehen, um  an  der Hand eines V er­ auch nicht gerade —  ich will mich m ilde ausdrücken — 
gleichs zwischen der V orlage von 1900 und der sehr vernünftig  ist, so doch den V orzug der O rig ina­
jetzigen V orlage zu zeigen, wie rückschrittlich w ir litä t besitzt. B isher hat m an  im m er angenom m en, 
allmählich in  C harlo ttenburg  gew orden sind. I m  und zw ar nicht n u r von unserer S e ite , sondern von 
J a h re  1900 hat der M agistrat sich auf den S ta n d ­ allen Sozialpolitikern, die sich überhaup t m it der 
punkt gestellt, m an  dürfe die Gebührensätze fü r die F rage  der V ersicherungsbeiträge beschäftigt haben, 
V erpflegung in  den Krankenhäusern nicht erhöhen. daß die B eiträge, die die A rbeitgeber zahlen, in 
D ie  dam alige V orlage wollte n u r verm eiden, daß letzter Linie auch von den A rbeitnehm ern gezahlt 
zugunsten von Kranken au s  au sw ärtig en  G em ein­ w erden, weil die A rbeitgeber es verstehen, den 
den A ufw endungen aus städtischen M itte ln  gemacht A rbeitnehm ern diese B eiträge  durch Lohnredu­
w erden —  ein an  und für sich durchaus richtiger zierung abzunehm en. A ls w ir das in  der vorigen 
Grundsatz, der aber fü r diese V orlage nicht zutrifft. Sitzung au sfüh rten , erklärte H err Kollege Frentzel, 
D am a ls  hat der M agistrat sich m it aller Energie das träfe nicht zu, m an  könnte um gekehrt sagen: 
dafü r in s  Zeug gelegt, daß die Gebührensätze für die B eiträge  der A rbeitnehm er bezahlen die A rbeit­
die V erpflegung im  allgem einen nicht erhöht werden. geber, denn sie bezahlen sie von dem Lohn, den 
I n  der B egründung der V orlage ist nam entlich auf sie erhalten.
die Kassen Rücksicht genom m en w orden. Es heißt da: (S ta d tv . I)r. F ren tzel: Und habe h inzugefügt: das 
W ürden die Kassen gezw ungen sein, für ist falsch!)
die dem Krankenhause überw iesenen M it­ — J a ,  dann  sagen S ie  es doch nicht. Also gut, 
glieder höhere Pflegesätze zu zahlen, so m üßten ich verzichte, darau f w eiter einzugehen; w enn S ie  
sie auch fast allgem ein zu einer E rhöhung der selbst schon zugeben, daß das, w as S ie  vortragen , 
B eiträge schreiten, w as eine Erschwerung falsch ist, dann will ich auf w eitere A usführungen  
ih rer Existenzfähigkeit bedeuten w ürde. H ier­ darüber verzichten. —  Ich  kann aber nicht erklären, 
gegen sprechen speziell bei der allgem einen daß das, w as ich vorgetragen habe, falsch ist, sondern 
Ortskrankenkasse erhebliche Bedenken. Diese m uß sagen, daß es durchaus richtig ist, und daß es 
Kasse zählt nämlich zu ihren M itgliedern  meist auch nicht dadurch etw a falsch w ird, daß die gegen­
n u r unständige T agearbeiter, die au s einer teiligen Anschauungen des H errn  K ollegen Frentzel 
häufig n u r vorübergehenden Beschäftigung falsch sind.
w eitergehende Ansprüche gegen die Kasse er­ M eine H erren, charakteristisch ist es auch, daß 
w erben. D ie Zugehörigkeit zur Kasse, welche im J a h re  1904, a ls w ir w ieder e inm al über die
        
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