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Periodical volume 30. Juni 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 1 Juni 1909 3 07
eine Änderung der Bauordnung. Ich möchte Ih n e n  heranzuziehen, wie wir es beabsichtigen, dann 
die Details, die sich auf diese Bauordnungsänderung können S ie  immer noch erklären: unterlaßt
beziehen, heute nicht mitteilen. Es ist aber nach gefälligst die förmliche Festsetzung des Flucht­
meinem Dafürhalten nicht möglich, die Änderung linienplanes, die Ausführung des Gemeindebe­
der Bauordnung herbeizuführen, wenn nicht gleich­ schlusses unterbleibt. I n  diesem S inne ist die Ziffer 2 
zeitig eine Änderung der Fluchtlinien des Reichs­ zu verstehen. Diese Ziffer bedeutet nichts anderes: 
kanzlerplatzes stattfindet. Das eine kann ich sagen: die Kosten sind den Anliegern aufzuerlegen, vor 
die Änderung der Bauordnung zielt ab auf der förmlichen Feststellung der Fluchtlinien ist ein 
eine Beseitigung der Bauwiche. Diese Beseitigung besonderer Gemeindebeschluß über die Ausführung 
der Bauwiche wird zweifellos dazu beitragen, des Fluchtlinienplanes herbeizuführen. Die Ab­
die Geschlossenheit des Platzeindruckes zu er­ änderung der Fluchtlinien können S ie nicht von 
höhen. .Nach der gegenwärtig gültigen B au­ der Bedingung der Kostentragung abhängig machen; 
ordnung ist eine Bebauung mit drei Stock­ denn dann können wir den Fluchtlinienplan nicht 
werken zulässig, und durch eine qualifizierte land­ aufstellen. D as ist nicht möglich, das ist ein W ider­
hausmäßige Bebauung werden 4 Stockwerke ge­ spruch in sich selbst. S ie  müssen heute infolgedessen 
baut werden können, und der Ausbau des Dach­ unbedingt beschließen und können nur unbedingt 
geschosses ist zulässig. Diese Form  der Bebauung den Magistrat dahin vinkulieren, daß wir vor der 
wird schon durch ein Gebäude veranschaulicht, das förmlichen Festsetzung einen Gemeindebeschluß über 
am Reichskanzlerplatz steht. M eine Herren, S ie  die Ausführung des Fluchtlinienplanes herbei­
brauchen nur dorthin zu gehen und sich das an­ führen, und dann können S ie erklären: der Flucht­
zusehen. Fragen S ie sich selbst, wenn derartige linienplan wird nicht ausgeführt, die Regulierung 
Gebäude m it einem Bauwich von 5 m oder bei unterbleibt. M eine Herren, wir müssen auch mit 
doppeltem Bauwich 10 m nebeneinander aufgestellt den Anliegern verhandeln; wir wissen nicht, wie 
sind, was das für eine Verunstaltung des Platzes die Verhältnisse liegen; wir müssen doch für die 
herbeiführen muß. positiven Verhandlungen eine Grundlage haben, 
(Sehr richtig!) müssen wissen, in welchem Zeitpunkt wir zu der 
Abgesehen von dieser rein aus der Gestaltung Publikation der Bauordnung schreiten können, die 
des Reichskanzlerplatzes sich ergebenden Rücksicht, eine Veränderung der Bauweise am Reichskanzler- 
die uns zwingt, die Fluchtlinie zu ändern, kommt platz herbeiführt.
aber noch ein M om ent hinzu, das uns veranlaßt, Ich möchte S ie  deswegen bitten, den A nträgen 
die Anlage anders zu gestalten. Wir haben nämlich des Ausschusses zuzustimmen.
die Absicht, die Reichsstraße achsial zum Reichs­
kanzlerplatz durchzuführen. Die Verhältnisse des S tad tv . G re d h : M eine Herren, über B au ­
Bebauungsplanes auf dem Gelände, das wir vom 
Fiskus erworben haben, werden sehr wesentlich ordnungen und B ebauungspläne kann m an sehr viel sprechen und sehr verschiedener M einung sein. 
beeinflußt von dieser Änderung, die wir Ih n e n  Wer sich vor einem Jah re  erlaubt hätte, den Be­
heute unterbreiten. Ich bin fest davon überzeugt, bauungsplan, wie er von unserer Tiefbauverwaltung 
daß der Widerspruch, der von feiten des Herrn seinerzeit festgelegt wurde, zu kritisieren und ihn 
S tad tv . Freund und seinen Freunden geltend ge­ als schlecht und verkehrt hinzustellen, dem wäre 
macht worden ist, nicht mit dieser Schärfe geltend es schlecht gegangen, der würde von dem Herrn 
gemacht worden wäre, wenn wir in der Lage ge­
wesen wären, den ganzen P lan  vorzulegen. Wir M agistratsdirigenten hart angelassen worden sein, 
mußten den Teilplan vorlegen, weil Baugesuche und zwar m it Recht. Nun hat sich das auf einmal alles geändert. Ich wundere mich eigentlich, 
vorhanden sind und wir die Baugcsuche fördern daß hier vor der Öffentlichkeit noch niemand 
müssen und fördern möchten. Wir haben aber den von d e m  Ding gesprochen hat, auf das es m ir 
Herren im Ausschuß Gelegenheit gegeben, zu sehen, sehr wesentlich anzukommen scheint, und das auch 
wie wir die Reichsstraße fortsetzen wollen, und es merkwürdiger Weise hier in dem S aale  nicht zu 
ist da auch von Herrn S tadtv . Freund sehen ist, nämlich von dem großen P lan , den die 
anerkannt worden, daß das eine ganz wesentliche Hochbauverwaltung gemacht hat, und auf dem der 
Verbesserung des Bebauungsplanes darstellt. Reichskanzlerplatz m it einem großen m onum entalen 
M eine Herren, wir dienen also hier nicht bloß M ittelbau ausgestattet erscheint. S tellen S ie 
den öffentlichen Interessen, sondern wir dienen sich vor, meine Herren, alle B lum en, alle Rosen, 
auch den Interessen der Ausgestaltung der Terrains, alle Palm en werden verschwunden sein, und auf 
die wir dort besitzen. Ich  gebe zu, die Vorteile der diesem Platze wird eine Ruhmeshalle, eine S ieges­
Änderung haben in allererster Linie die Anlieger. halle, Schlachtenhalle oder etwas derartiges stehen.
«Stadtv. S te in : Na also!)
Es ist auch unsere Absicht, die Anlieger zu den (Heiterkeit.)
Kosten heranzuziehen. Den Beschluß aber so zu Diese Gefahr laufen S ie ,  w enn  S ie  die U m änderung 
fassen, wie Herr S tadtv . S tadthagen es vorschlägt, genehmigen.
ist einfach unmöglich. Wir können keine bedingte Aber nicht allein die Gefahr, daß etw as hin­
Fluchtlinienfestsetzung vornehmen und auf Grund kommt, dessen etwaige Schönheit man jetzt nicht 
einer solchen bedingten Fluchtlinienfestsetzung ein beurteilen kann, sondern auch die Gefahr, daß S ie 
Verfahren einleiten. Wenn wir nicht die Zeit in 3 bis 5 Millionen dafür zahlen müssen. Denn 
den Ferien vertrödeln wollen, so muß schon jetzt wer soll sich im ganzen Reiche dafür finden, eine 
beschlossen werden, und zwar in dem von uns vor­ solche Ruhmeshalle zu bezahlen? D a wird m an 
geschlagenen S inne, nach welchem die Ausführung sagen: das muß die reiche S tad t Charlottenburg 
des Fluchtlinienplans neu vorbehalten werden soll. tun. M ir scheint es nach dem Projekt, das dem 
Wenn Ih n e n  später die Ausführung des Flucht­ Ausschusse vorgelegen hat, nur daraus anzukommen, 
linienplanes zu hohe Kosten zu verursachen scheint, diese Ruhmeshalle dort zu plazieren.
oder wenn es nicht glückt, die Anlieger in dem Maße (Widerspruch am Magistratstisch.)
        
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