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Periodical volume 9. Juni 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 9. Juni 1909 243
seinerseits ergreifen darf. Wenn Herr Kollege Wenn der Herr Bürgermeister das Agens der 
S te in  das heute geschäftsordnungswidrig findet, Unzufriedenheit so freudig bei den Beamten be­
so begreife ich nicht, daß er nicht vor 5 Jah ren  den­ grüßte, so war es doch eine bestimmte Beam ten­
selben Einwand gemacht hat. klasse, die von dem Element der Unzufriedenheit 
erfüllt war: die Magistratsassessoren. Es ist ja 
S tad tv .  Zietsch : Als im Ausschuß der Wunsch auch richtig: diese Herren hatten auf Grund der 
der Feuerwehrm änner, ihnen den B eam ten­ Vorlage, die der Magistrat uns unterbreitet hat, 
charakter zu verleihen, zur Diskussion stand, wurde gar keinen Grund, unzufrieden zu sein. Ih re  
vom Magistrat diesem Wunsche mit dem Einwand Gehälter wurden ihnen ganz beträchtlich erhöht, 
entgegengetreten, daß bei der Vergrößerung des das heißt prozentual wohl nicht ganz so stark, wie 
städtischen Beamtenkorps die größte Vorsicht in­ das bei anderen Gehältern der Fall war. Aber 
sofern walten müßte, als m an darauf Bedacht zu ! die Assessoren hatten schon im Jah re  1904 eine 
nehmen hätte, in dem durch eine feste, in sich ab­ ganz beträchtliche Gehaltsaufbesserung erfahren, 
geschlossene Gesinnung und durch eine stete Be­ gegen die sich schon damals eine starke Opposition 
ständigkeit sich auszeichnenden Beamtenkörper der geltend machte. Bei einer sehr starken Minderheit 
S tad t, wenn nicht gerade eine ganz zwingende des Ausschusses herrschte deshalb die Überzeugung 
Notwendigkeit dazu vorliege, nicht eine Erweiterung vor, daß diese Gehälter, die jetzt für die M agistrats­
der Beamtenschaft vorzunehmen, die in letzter assessoren ausgeworfen sind, durchaus in gar 
Linie auf die Arbeiterschaft zurückgreifen müßte, keinem Einklang mit dem Charakter des durch­
die ja mehr unruhige Elemente in sich schließe. gehenden Postens dieser Stellung zu bringen sind. 
Wir haben Gelegenheit genommen, dieser An­ Wir greifen die Anregungen, die im Ausschuß aus­
schauung schon im Ausschuß entgegenzutreten. gesprochen und auch zu einem Antrage sich ver­
Daß die Befürchtung, daß durch die Vergrößerung dichtet hatten, wieder auf und stellen den Antrag, 
des Beamtenkörpers der S tad t durch die Hinzu­ die Gehaltsposition für die Magistratsassessoren 
ziehung der Feuerwehrm änner vielleicht Leute in herabzusetzen. Ich werde m ir nachher erlauben, 
den Beamtenkörper hineinkommen könnten, die die Anträge dem Herrn Vorsteher schriftlich formu­
unzufrieden wären, das heißt, die das unzufriedene liert zu überreichen.
Element mehr in sich tragen als die direkt vom Dann haben wir uns auch im Ausschuß nicht 
M ilitär in den Beamtenkörper eingetretenen P e r­ davon überzeugen können, und meine Freunde 
sonen, — daß diese Befürchtung übertrieben ist, haben auch durchaus nicht für eine Einstimmigkeit 
habe ich schon im Ausschuß gesagt. im Ausschuß in betreff dieses Punktes Sorge 
Aber auch die vielen Petitionen, die uns zu­ getragen, wie irrtümlicherweise der Herr Bericht­erstatter betont hat, daß wir anerkannt hätten, 
gegangen sind, beweisen, daß eine gewisse Unzu­ daß für die Techniker genügend getan sei. Wir sind 
friedenheit gegenüber der Vorlage des M agistrats 
auch in den Beamtenkreisen bestanden hat. Der der Überzeugung und drücken diese Auffassung auch 
Herr Bürgermeister hat in der letzten P lenar­ in einem Antrage aus, daß die technischen Beam ten 
sitzung unter meiner Zustimmung betont, daß der S tad t durchaus nicht so in ihren Leistungen 
die Unzufriedenheit das Agens, die vorw ärtstrei­ bewertet worden sind, wie im V erhältnis zu den 
bende und wirkende Kraft in der Welt sei, und es Leistungen anderer Bcamtenkategorien, nam ent- 
wäre nur zu begrüßen, wenn diese Unzufrieden­ der geprüfte» Magistratssekretäre, hätte geschehen 
heit vorhanden sei und sich dahin geltend mache, müssen. Seitens des M agistrats ist zwar im Aus­
die Lebensverhältnisse für den einzelnen ver­ schuß gesagt worden: wenn diesmal die tech­
bessern zu wollen. Wenn dieses M om ent der nischen Beam ten und auch die durch Privatdienst­
Unzufriedenheit von dem Herrn Bürgermeister vertrag verpflichteten Techniker weniger berück­
m it Freude begrüßt worden ist, so hat ihm ja der sichtigt worden sind, dann liegt das daran, daß 
Petitionssturm , der den Ausschußmitgliedern und m an früher die Leistung der technischen Beam ten 
auch dem M agistrat in der letzten Zeit zugegangen zu hoch bewertet habe; jetzt sei aber eine Über­
ist, bewiesen, daß die Unzufriedenheit schon in füllung des Marktes m it technischen Kräften 
ganz erheblichem Maße in den Beamtenkreisen eingetreten. M an kann sich also jetzt den Luxus 
da ist, daß also eventuell das etwas unruhigere erlauben, die technischen B eam ten etwas weniger 
Element aus den Kreisen der ständigen Arbeiter, bei der Erhöhung der Gehälter zu bedenken. Das 
die sich aus gelernten Arbeitern und Handwerkern aber entspricht durchaus nicht unseren Anschauungen. 
zusammensetzen, nicht mehr sehr gefährlich werden Wir haben uns auch durch die Ausführungen des 
könnte. M it anderen W orten: an der Zufriedenheit Magistrats im Ausschuß, die darauf hinausgingen, 
der städtischen Beam ten dürfte nicht mehr viel uns zu beweisen, daß die Vorbildung der Techniker 
zu verderben fein, wenn es sich für die Beamten durchaus nicht an die Vorbildung der geprüften 
darum handelt, S tellung zu Gehaltsfragen zu Magistratssekretäre heranreiche, daß ferner auch 
nehmen — und auf etwas anderes kommt die die Verantwortlichkeit und der Umfang der T ätig­
Unzufriedenheit im allgemeinen überhaupt nicht keit der technischen Beam ten durchaus nicht an den Umfang der Tätigkeit und der Verantwortlichkeit 
hinaus. der geprüften Magistratssekretäre heranreicht, nicht 
Wenn nun der Herr Berichterstatter darauf überzeugen lassen können, sondern wir stellen den 
hingewiesen hat, daß nur geringe und unwesent­ Antrag, daß die beamteten Techniker mindestens 
liche Änderungen an der Magistratsvorlage vor­ mit den geprüften Magistratssekretären gleich­
genommen worden sind, so bestätige ich das. Wir gestellt werden.
sehen uns aber darum genötigt, die Anträge hier Was dann den Besoldungsplan der durch 
wiederum zu stellen, die teilweise von uns, teil­ Privatdienstvertrag der S tad t verpflichteten B e­
weise von anderer Seite im Ausschuß gestellt amten anbetrifft, so wünschen wir vor allen Dingen, 
wurden und dort keine Berücksichtigung gefunden daß der wissenschaftliche Hilfsarbeiter des S tatisti­
haben. schen Amtes, der eine akademische Vorbildung auf-
        
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