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Periodical volume 26. Mai 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

230 Sitzung vom !6. Mai 1909
seine soziale Beipflichtung anerkennt, dann weiß Anerkennung bedeutet, nämlich das W ort von der 
ich nicht, wie die Festlegung dieser sozialen Ver­ „ziemlich" s t r e n g e n  O b j e k t i v i t ä t ,  mit 
pflichtung in einer für die Interessenten rechts­ der der M agistrat gearbeitet habe.
verbindlichen Form  aufgehalten oder abgeleugnet Denn, meine Herren, mehr können S ie nicht 
werden kann. Wenn m an das Prinzip der Ver­ verlangen, als daß wir nach gutem, bestem 
pflichtung anerkennt, dann kann m an sich doch auch Wissen und Ermessen, soweit wir überhaupt 
nicht dagegen sträuben, irgendeine auch für die die Fähigkeit haben, alle Verhältnisse richtig 
S tad t bindende Bestimmung zu schaffen. Wir zu beurteilen und zu erfassen, unsere Vorschläge 
werden jedenfalls dementsprechend Anträge im machen und unsere Anträge stellen. Daß S ie, 
Ausschuß stellen. Und wir hoffen, daß der Ausschuß wie gesagt, im einzelnen nachher noch Wünsche 
nach den teilweise recht erfreulichen Erklärungen, haben und m it diesem Vorbehalt nur eine „gewisse" 
die der Herr Referent hier schon hat verlauten Anerkennung aussprechen wollen, das ist I h r  gutes 
lassen, zum großen Teil unseren Wünschen Rechnung Recht. Ich  hatte in keiner Weise etwas anderes 
tragen wird. Wir wünschen und hoffen, daß der erw artet, Nichtsdestoweniger möchte ich gleich 
Ausschuß unseren berechtigten Wünschen und na­ hier darauf hinweisen, daß es notwendig sein wird, 
mentlich den berechtigten Wünschen der Arbeiter­ daß S ie sich von vornherein klarmachen, daß diese 
schaft in der Weise entgegenkommen wird, daß strenge sachliche Objektivität vom ersten bis zum 
auch wir mit Ih n e n  nachher, wenn die Vorlage letzten Augenblick auch von Ih n e n  nicht einen 
endgültig zur Annahme gelangen soll, freudig M om ent aus den Augen verloren werden darf — 
konstatieren können, m it Ih n e n  zusammen etwas nicht als ob jemand bewußt inobjektiv handeln würde; 
Gutes, Großes und Schönes für Charlottenburg aber es wäre doch möglich, daß die objektive Be­
geschaffen zu haben. messung nach oben und nach unten mal aus den 
(B ravo! bei den Sozialdemokraten.) Augen verschwände. Ich möchte S ie  darauf 
hinweisen, daß dann sofort eine S törung  des 
B ürgerm eister M a tt in g : M eine Herren, daß ganzen Gebäudes eintreten würde.
eine Vorlage, welche einen Kreis von einigen (S ehr richtig! bei den Liberalen.)
tausend Interessenten ergreift und welche eine, Meine Herren, ich kann Ih n e n  eine Reihe von 
m an kann wohl sagen, unfaßbare Menge von Erfahrungen aus den letzten Tagen mitteilen, 
sich vielfach widerstreitenden Interessen und Ge­ die mich berechtigen, diesen Satz auszusprechen.
sichtspunkten in sich birgt und vereinigen soll, Ich habe m ir eine Anzahl von Wünschen 
nicht allseitiger Zustimmung begegnen kann, daß vortragen lassen müssen, die, zum Teil wenigstens 
sie nicht alle Wünsche erfüllen kann, das war dem dahin ausklangen, daß m an sagte: ursprünglich 
M agistrat von vornherein klar. Ein solcher Gedanke war die Vorlage ganz schön, ursprünglich stand 
würde geradezu utopiftisch sein. Wie es infolge­ in der Vorlage sogar beinahe mehr, als wir erw artet 
dessen den Magistrat nicht hat überraschen können, haben. Aber nun ist dort ein klein bißchen geändert 
daß aus den Interessentenkreisen, obgleich wohl worden, dort ist etw as hinzugetan worden — 
m it Fug und Recht festgestellt werden darf, daß die jetzt ist das Bild für uns ein ganz anderes. Während 
Vorlage in  äußerst wohlwollender Tendenz aus­ wir ursprünglich sehr zufrieden w aren , sehen wir 
gearbeitet worden ist, doch noch diese oder jene jetzt, daß sich das Bild nach oben oder nach unten 
Wünsche an den M agistrat und die S tadtverord­ ein bißchen anders gestaltet hat, und wir fühlen 
netenversammlung herangetreten sind, hier und unsere Interessen geschädigt. — Meine Herren, ich 
da sich Unzufriedenheit gezeigt hat, ebenso kann es verarge das den betreffenden Herren auch nicht. 
den M agistrat nicht überraschen, daß hier in der S ie haben das Recht, von ihren Gesichtspunkten 
Versammlung nicht unisono eine vollständige vor­ aus und in ihrem Gesichtsfelde sich das Bild an­
behaltlose Zustimmung zu allen Gedanken der zusehen, und sie gucken natürlich zunächst nach dem 
Vorlage ausgesprochen wird. Die Unzufriedenheit oberen und nach dem unteren Nachbar und ver­
ist an sich etwas, w as m an durchaus nicht tadeln gleichen nun: wie stehst du dazu.
soll, sie ist das Agens, das die Welt vorw ärts Ich würde sicherlich -in vielen Fällen, wenn 
bringt; auch vielleicht nicht in so vielen Fällen wie Herr 
(S tad t. Zietsch: Sehr richtig!) S tad tv . Zietsch, sehr gern bereit sein, den Wünschen, 
und wie es jedem einzelnen durchaus zusteht, von denen ich in der Aussprache auch manchen habe 
nach oben zu schauen, seine Lage zu verbessern zu anerkennen müssen, zu entsprechen, wenn ich 
suchen, so ist selbstverständlich auch den Vertretern m ir nicht immer sagen m üßte: wie wirkt das nun 
der verschiedenen Interessen und sozialen Gesichts­ nach den beiden S e iten ?  Vielfach werden die 
punkte es durchaus zuzugestehen, ja, es ist will­ Würyche m it der Wendung vertreten: „Wir
kommen zu heißen, daß sie nach dieser Richtung hin sind ja bloß ein paar M ann, das kostet ja doch 
Wünsche aussprechen, daß wir nicht in den saturier­ schließlich nicht viel." D as ist aber nicht der aus­
ten Zustand geraten, wo wir sagen: es ist ja alles schlaggebende Gesichtspunkt. W enn es auch nur 
wunderschön. Daß unsere soziale Entwicklung ein paar sind, so ist daneben vielleicht eine Gruppe 
ununterbrochen und dauernd ein Vorwärtsschreiten von hundert und mehr, die dann sofort sagen: 
erfordert, ist ohne weiteres zuzugeben, und es wäre ja, wenn die das kriegen, sind wir nicht mehr 
deshalb auch unberechtigt, wenn ich hätte erw arten richtig differenziert, richtig eingeschätzt, und nun 
wollen, daß Herr S tad tv . Zietsch m it allem und ist das Bild wieder unrichtig. — Also hier muß 
jedem sich einverstanden erklären würde. M it dem, m an soviele Gesichtspunkte im Auge behalten, 
w as er gesagt hat, begnüge ich mich — und ich glaube daß m an m it dem bloßen guten Herzen unter 
nam ens des M agistrats das sagen zu können — keinen Umständen weiter kommt; m an muß wirklich 
in  jeder Hinsicht. Ich  bin vor allem durch das kaltes objektives B lut bewahren.
eine W ort durchaus angenehm berührt gewesen, Die Ausführungen des Herrn S tadtv . Zietsch. 
das, wenn es ihm von Herzen gekommen ist, wie zunächst, die sich m it dem Teil der Vorlage 
ich hoffen will, wirklich eine außergewöhnliche beschäftigt haben, der die Gehalts- und Lohn-
        
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