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Periodical volume 26. Mai 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom 26. Mai 1909 225
aus die Familienzulage nicht vorhanden sein soll. i n  F r a g e  k o m m t .  A b e r  g e r a d e  
Es wird, wenn man überhaupt das Prinzip der d e s h a l b  b e d a r f  e s  d e r  B e t o n u n g ,  
Familienzulage gutheißen will, zu prüfen sein, d a ß  w i r  m i t  d e n  E r h ö h u n g e n  d e r  
ob in dieser Beziehung nicht das Recht der städtischen G e h ä l t e r  u n d  L ö h n e  d e n  s t ä d -  
Angestellten noch verstärkt werden soll, indem t i s c h e n  A n g e s t e l l t e n  k e i n  G e s c h e n k  
ihnen ein Rechtsanspruch ausdrücklich gewährt wird. g e w ä h r e n ,  s o n d e r n  l e d i g l i c h  e i n e n  
Alles in allem, meine Herren, ist meine A u s g l e i c h  f ü r  d i e  V e r t e  u’e r u  n g a l ­
persönliche M einung die, daß dieser Schritt, den t e r  L e b e n s b e d ü r f n i s s e  , u n t e r  d e r  
der Magistrat uns hier zu machen vorschlägt, ein s i e  l e i d e n ,  e i n e n  A u s g l e i c h ,  v o n  
Schritt nach vorwärts ist, wenn ich auch zugebe, d e m  ich s o g a r  d a h i  nH-e s t e l l t  s e i n  
daß die Bedenken, die dagegen erhoben werden, l a s s e n  w i l l ,  o b  e r  r e i c h l i c h  g e ­
nicht gegenstandslos sind, und wenn ich mich n a n n t  w e r d e n  k a n n .  I n  d e n  d u r c h  
auch nicht der Einsicht verschließe, daß es ein d i e  E r h ö h u n g e n  v e r u r s a c h t e n  L a ­
Versuch ist, bei dessen Unternehmen Vorsicht s t e n  t r i t t  a b e r m a l s  e i n e  s c h w e r e  
und M äßigung geboten ist. F o l g e  d e r  e i n s e i t i g e n  W i r t s c h a f t s ­
Schließlich ist noch zu erwähnen, daß in p o l i t i k  z u t a g e ,  d i e  u m  so f ü h l b a r  er 
einer Beziehung die S tad t Charlottenburg alle s e i n  m u ß ,  f a l l s  g l e i c h z e i t i g  i n  so 
andern Kommunen und auch Reich und S ta a t v i e l e n  a n d e r n  B e z i e h u n g e n  d i e  
übertroffen hat, nämlich insofern, als sie P e n ­ R e i c h s - u n d S t a a t s p o l i t i k  d e n  K o m ­
s i o n ä r e n ,  W i t w e n  u n d  Wa i s e n T eu­ m u n e n  u n d  i h r e n  B ü r g e r n  S o n -  
erungszulagen in Gestalt von Zuschüssen auf ihre d e r l a s t e n  j e d e r  A r t  a u f e r l e g t .  U n s  
Pension gewährt hat. Dadurch sind Ausgaben b l e i b t  n i c h t s  ü b r i g ,  a l s  u n s  d e m  
von etwa 10 000 M  in jedem der beiden Jah re Z w a n g e  d e r  V e r h ä l t n i s s e  z u  f ü g e n ,  
1908 und 1909 entstanden, die bereits gezahlt sind. u n d  z u  d e m  G e r e c h t i g k e i t s s i n n e  
M eine Herren, wenn die M agistratsvorlage u n s e r e r  M i t b ü r g e r  d ü r f e n  w i r  d a s  
eine Lücke ausweist, so ist es die, daß sie über die V e r t r a u e n  h a b e n ,  d a ß  s i e  d i e s e  
D e c k u n g  d e r  A u s g a b e n ,  die hier not­ L a s t e n ,  d i e ,  w i e  g e s a g t ,  n u r  m i t  
wendig sind, eine völlige Klarheit nicht schafft. s c h w e r e m  H e r z e n  v o n  u n s  i h n e n  
S ie wissen, daß wir für jedes der Jah re  1908 und a u f g e b ü r d e t  w e r d e n ,  w i l l i g  a u f  
1909 für die Zwecke der Erhöhung der Gehälter s i ch n e h m e n  w e r d e n  i n  d e r  E r ­
eine Million eingesetzt haben, und es ist kein Zweifel, k e n n t n i s ,  d a ß  i h r  Z w e c k ,  d i e  E r ­
daß diese Beträge wesentlich überschritten werden. r e i c h u n g  e i n e r  b e f r i e d i g e n d e n  L a ­
Die Überschreitung wird vom Magistrat für 1908 g e  f ü r  u n s e r e  s t ä d t i s c h e n  A n g e ­
auf etwa 123 000 M,  für 1909 auf rund 140 000 s t e l l t e n ,  e i n  g u t e r  u n d  e r f r e u l i c h  er 
veranschlagt.X Aber diese Zahlen sind noch nicht i st.
vollständig; denn in ihnen sind nicht enthalten (B ra v o !)
die Mehrbesoldungen der städtischen Betriebs­ Wie ich eingangs erklärt habe, wollte ich nur 
arbeiter, die an sich wiederum ungefähr dieselbe die Grundzüge dieser Vorlage heute besprechen, 
Höhe erreichen werden. Roch langen für die und selbstverständlich klingen meine Ausführungen 
jetzigen Gehaltserhöhungen zwar die M ittel, die aus in dem Antrage, die Vorlage einem Ausschusse 
wir bewilligt haben, die Million für 1908 und die von 15 M itgliedern zu überweisen. Eine um fang­
M illion für 1909, eben deshalb, weil die Gehalts­ reiche Aufgabe wird der Ausschuß zu lösen haben. 
erhöhung der Lehrer noch nicht in Betracht kommt; Er wird namentlich auch alles, w as die Angestellten 
aber wir werden uns darüber keiner Täuschung wünschen, noch eingehend zu prüfen haben. Aber 
hingeben dürfen, wir werden dem Magistrat das werden wir von vornherein nicht verkennen 
dankbar sein müssen, daß er uns jetzt bereits durch dürfen: eine w e s e n t l i c h e  Änderung, der
klare Zahlen vor Augen geführt hat, wie groß Vorlage wird im Ausschuß nicht erfolgen. Denn 
die schließliche Überschreitung unserer M ittel sein m it dem Magistrat und, wie ich von der Erkenntnis 
wird, und wir werden daraus die unangenehme und Einsicht der Beteiligten selbst hoffe, auch mit 
Konsequenz ziehen, daß wir in gewissem S inne den städtischen Angestellten sind wir darin einig, 
vor einem ungedeckten Defizit stehen. Wir alle daß die erstrebte Fürsorge bis zur äußersten Grenze 
werden den Willen haben, daß die S tad t Charlotten- der Leistungsfähigkeit der Stadtgem einde geht. 
burg keine Schuldenwirtschaft beginnt, und deshalb Auf der andern Seite aber, meine Herren, werden 
dürfen wir nicht M ittel bewilligen, für deren wir gern den Wünschen des M agistrats entsprechen, 
Deckung nicht gesorgt wird. Ich stelle als unsere die beantragten M ittel zu gewähren, wie es in der 
einmütige Ansicht fest, daß die Vorlage bei aller Vorlage heißt, „in Anerkenntnis des an allen 
Beschleunigung, die der Verabschiedung zuteil S tellen und in allen Teilen bewiesenen Dienst­
werden wird — und wir hoffen, sie schon in der eifers und der Tüchtigkeit aller Beteiligten und 
Nächsten Sitzung zu verabschieden — , den Ausschuß in der Hoffnung, dadurch ihrer Dienstfreudigkeit 
nicht verlassen wird, ohne daß Klarheit darüber und Hingabe an die S tad t und deren große Auf­
geschaffen ist, in welcher Weise die Erhöhungen gaben einen neuen Ansporn zu geben".
gedeckt werden. (Allseitiges B ravo.)
Und hier, meine Herren, bin ich bei der Kehr­
seite der M edaille angelangt. W i r  w i s s e n  Vorsteher K aufm ann : M eine Herren, ich
w o h l ,  d a ß ,  w a s  d e s  e i n e n  F r e u d e ,  möchte noch betonen, daß das Protokoll heute von 
d e s  a n d e r n  L a  st i st,  u n d  n u r  m i t  den Herren Kollegen I)r Nöthig, Vogel II und 
s c h w e r e m  H e r z e n  k ö n n e n  w i r  u n s  Wolffenstein vollzogen wird.
d a z u  e n t s c h l i e ß e n ,  z u  e i n e r  M e h r -  
b e l a s t u n g  d e r  s t ä d t i s c h e n  B ü r g e r ­ Stadtv. Zietsch: M eine Herren, als die
s c h a f t  z u  s c h r e i t e n ,  w i e  s i e  h i e r Stadtverordnetenversam m lung mehrere M ale G r-
        
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