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Periodical volume 5. Mai 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

1 9 6 Sitzung vom 5. Mai 1909
dafür sorgen, daß die Weiler von dem Z en tru m , stimmen. Auch ich wohne seit 1 ̂ Ja h re n  am Witten-
Berlins entfernt gelegenen S tadtteile Charlotten bergplatz, also im Zentrum  des Verkehrs, der uns 
burgs einen schnelleren Verkehr bekommen, wollen hier beschäftigt. M ir ist seit einem Jah re  bekannt,', 
wir diesen S tadtteilen  die Möglichkeit geben, daß daß die Vorlage kommen wird: ich war fast täglich 
auch die S traßenbahnw agen dort etw as schneller ein aufmerksamer Beobachter des Verkehrs und 
verkehren können, so daß m an von dort schneller fühle mich daher berufen, ein Urteil abzugeben.
m it der S traßenbahn nach der S tad t kommt, dann Wenn wir zunächst den Fußgängerverkehr be­
wird m an  sich sagen: so, wie die Straßenbahngleise trachten, so muß ich sagen, daß der Kollege S te in  
jetzt liegen, ist es schlecht, sie müssen verlegt werden. recht hat, daß der Hauptfußgängerverkehr auf der 
Legt m an ferner großen W ert auf die Sicherheit des Südseite der S traße ist, wo sich das K aufhaus des 
Verkehrs und auf die Verm inderung des Geräusches, Westens befindet. Auf der M ittelprom enade aber 
das die Straßenbahnen während des Fahrens ist der Fußgängerverkehr unbedingt größer als auf 
machen, dann m uß m an gleichfalls dazu kommen, der Nordseite, wo er etwa nur ein D rittel des Ver­
die Straßenbahngleise aus dem Asphalt heraus­ kehrs auf der Südseite ausmacht. Ich widerspreche 
zulegen. hiermit ausdrücklich dem Satz der Vorlage, worin ge­
N un-hatten  wir uns bemüht, einen Entwurf sagt ist, daß die M ittelprom enade verhältnismäßig 
aufzustellen, welcher möglichst den beiderseitigen wenig benutzt werde. An diesen schönen M aitagen 
Wünschen gerecht wird. Es sollte die Prom enade, habe ich gesehen, daß besonders ältere Leute aus 
allerdings wesentlich eingeschränkt, erhalten bleiben, der Gegend sich in der M ittagszeit auf die Bänke 
und es sollten außerdem noch für die S traßenbahn­ setzen und Sonne, Erholung, Zerstreuung suchen, 
gleise besondere Bahnkörper in der M itte neben der an schönen S om m erlagen . findet m an dasselbe 
Prom enade geschaffen werden. Bei diesem Ent­ Bild des Abends. Nachmittags spielen dort die 
wurf m ußte m an die beiderseitigen Fahrdäm m e Kinder, und bei unserem M angel an öffentlichen 
in ihrer Breite ganz erheblich einschränken, nämlich Spielplätzen in Charlottenburg ist ihnen das wohl 
bis auf 8 m. Eine solche Breite ist nach meiner Auf­ zu gönnen.
fassung für den heutigen Verkehr allenfalls noch Wenn wir den Fährverkehr ins Auge fassen, 
genügend; aber m an weiß nicht, ob sie für die so müssen wir sagen, daß wir z w e i S traßendäm m e 
spätere Zeit genügen wird. Als wir den soeben haben- von denen jeder einzelne fast die Breite her 
skizzierten Entivurs, nach welchem die Prom enade Leipziger S traße hat, und jeder einzelne breiter ist 
in der M itte auf 4 m verschmälert und die Gleise als die Königstraßc in Berlin mit ihrem enormen 
neben dieser Prom enade auf einem besondern Verkehr; Verkehrsstockungen treten meist ein, wo 
Bähükörper angeordnet werden sollten, der S traßen ­ auf demselben Damm  nach zwei Richtungen ge­
bahngesellschaft übermittelten mit der Forderung, fahren wird, oder wo Lastwagen sich schwerfällig 
die Straßenbahngesellschaft solle für den Fall, bewegen und lange vor den Häusern halten zum 
daß der Verkehr eine Verbreiterung der F ah r­ Auf- und Abtaden. Beides ist hier nicht der F all; 
dämme erfordere, die Kosten dafür übernehmen, auf jedem der beiden S traßendäm m e bewegt sich, 
hat die Straßenbahngesellschaft diese Bedingung der Verkehr nur nach e i n e t  Richtung. Last­
mit Rücksicht auf die hohen Kosten abgelehnt. Wir wagen verkehren wenig; Engrosläger sind nicht, und 
standen also vor der F raget soll es so bleiben wie die Umsätze der Läden sind nicht der Art, daß dort 
es ist, oder sollen wir andere M ittel suchen? Die viel auf- und abgeladen wird. D as Kaufhaus des 
Rücksicht auf die Sicherheit und Schnelligkeit des Westens, das allein in Betracht kommt, läßt auf 
Verkehrs veranlaßte utts)> nach einem andern der Passauer S traße die Wagen hineinfahren und 
Ausweg zu suchen. Nach vielfachen Erw ägungen sie auf der anderen Seite, der Ansbacher S traße 
schien uns die einzige Lösung diejenige, welche wir hinausfahren, so daß die Tauentzienstraße gar nicht 
Ih n e n  in unserer Vorlage unterbreitet haben. Und in Mitleidenschaft gezogen ist.
nun sagt m an: dadurch wird die S traß e  verschandelt! ■ W arum  übrigens der Fußgängerverkehr auf 
Nun, gestatten S ie, daß ich darüber doch eine ganz der M ittelprom enade groß ist, das liegt auch d a ra n ,. 
andere Auffassung habe,' und die Herren, die m ir daß der Untergrundbahnh.df Wittenbergplatz dort 
in diesem Augenblick nicht beipflichten wollen, mündet. Jeder, der nicht sofort rechts oder links 
werden sich vielleicht auch noch überzeugen lassen, eine Seitenstraße aufsuchen muß, geht noch ein 
wenn sie sich nach der Bismarckstraße bemühen und Stück auf der M ittelprom enade hin. An den M arkt­
die w underbar schöne Anlage sich ansehen, die wir tagen halten die Fuhrwerke von der Bordschwelle 
dort geschaffen haben. Da befindet sich ein solcher des Wittenbergplatzes — leider haben wir ja noch 
Mittelstreifen; innerhalb dieses M ittelstreifens liegen immer den offenen Wochenmarkt — bis dicht an 
im Rasen die Straßenbahngleise, zu beiden Seiten  die Gleise der elektrischen Bahn heran; jeder Passant, 
der Straßenbahngleise sind wunderschöne gärt­ der die Tauentzien- und Kleiststraße in einer Rich­
nerische Anlagen, B lum enanlagen, geschaffen wor­ tung passiert auf der Nordseite, ist genötigt, wenn 
den. Alle Welt beneidet uns um diese Anlagen, er nicht auf Obst- und Gemüseresten, zwischen 
m an ist sich darüber einig, daß sie großartig sind. Marktweibern und Schlächterbudcn sich hindurch­
Ähnliches soll nach unserer Vorlage in der Tauent- winden will, nach der M ittelprom enade hinüber­
zien- und Kleiststraße innerhalb des Prom enaden­ zugehen. W äre sie nicht vorhanden, würde ein 
streifens geschaffen werden. Und nun sprachen die solcher Passant D ienstags und Freitags genötigt 
Herren ihre Ansicht dahin aus, dadurch würde die sein, z w e i  Fahrdäm m e zu überschreiten. Wir 
Kleist- und Tauentzienstraße verschandelt werden! m üßten dann die M ittelprom enade geradezu schaffen.
Ich glaube aber, daß m an über die Sache besser Nun wird behauptet! der Straßenbahnverkehr 
im Ausschuß beraten kann, und empfehle auch, die wird erheblich abgekürzt. M eine H erren ,: die 
Vorlage einem Ausschuß zu überweisen. Straßenbahn fährt von der Gedachtniskirche bis 
zur Nettelbeckstraße, wo die meisten Linien ab­
S ta d tv . Tunck: M eine Herren, ich freue mich, schwenken, 1 V2 M in u ten !
mit Herrn Kollegen S te in  vollständig übereinzu- (Heiterkeit.)
        
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