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Periodical volume 5. Mai 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

1 8 8 Sitzung vom 5. Mai 1909
den Fehrbelliner Platz hinausgeht, ist es ganz Bei P rüfung dieser Vorlage habe ich zunächst 
gleichgültig, ob die B ahn links oder ob sie rechts den Wunsch nicht unterdrücken können, daß gerade 
herausgeführt wird; da ist W ilmersdorf in seinen dafür ein Berichterstatter ernannt worden wäre. 
P länen  ganz ungehindert. Die Vorlage nim m t wiederholt auf eine Anzahl 
Und was steht dem gegenüber in der Zukunft von Aktenstücken, Zeichnungen, M appen und Re- 
der Entwicklung Charlottenburgs? S ie kennen visionskostenanschlägeu Bezug und gibt uns darin 
und wissen das ja alle: das ist eben die W ert- Aufgaben, die der einzelne Stadtverordnete ohne 
steigerung unseres eigenen Stadtgeländes, das Kenntnis der Akten zu bewältigen gar nicht in der 
doch auch eine Sache ersten R anges für unsere Lage ist. M eine Herren, wenn S ie die Vorlage 
Bürger, für unsere Steuerzahler ist, und die prüfen und das M ißverhältnis zwischen dem dam a­
Möglichkeit, ein ganz großes neues Viertel für ligen Kostenanschlag und der Überschreitung erkennen, 
etwa 40 000, 50 000 Menschen zu schaffen. Wenn so werden S ie m it m ir den Wunsch aussprechen, daß 
m an sich das ruhig und objektiv überlegt, so kann ein Aktenstudium dringend erforderlich ist. I n  den 
m an kaum zweifelhaft sein, durch welche Bahn Akten steht viel mehr als in der Vorlage.
das Interesse G roß-Berlins besser gefördert wird. Ich glaube, meine Herren, wir alle sind im 
Deshalb glaube ich auch, wir können der höchsten Grade peinlich überrascht worden durch 
Entwicklung der Dinge ganz ruhig entgegensehen. diese außergewöhnliche Überschreitung. Es ist eine 
Daß unsere Delegierten des M agistrats in diesen so merkwürdige Verkalkulierung der Tiefbauver- 
Verhandlungen nicht schlecht abschneiden werden, waltung und der maßgebenden und berufenen 
davon wird jeder überzeugt sein, der Gelegenheit Vertreter derselben, daß m an sich wirklich fragen 
gehabt hat, die gründliche Durcharbeitung unserer m uß: wv ist unser tüchtiger S tad tbau ra t gewesen, 
P läne kennen zu lernen, wie wir sie in der Tiefbau- wo ist die Tiefbaudeputation gewesen, als die 
deputation kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Vorlage ausgearbeitet worden ist? Sehen S ie 
Ich  glaube auch, daß die S tim m ung der Ver­ doch aber mal die Zahlen an: es sind für die sämt­
sammlung sich gegen die damalige Lage, als wir lichen vier Anstalten 140 000 Jt in Anschlag ge­
zuerst über das Projekt berieten, in keiner Weise bracht worden; jetzt sagt die Vorlage: zwei Anstalten 
geändert hat. Unsere Geschäftsordnung gibt uns sind allmählich fertig geworden, für diese beiden 
nicht die Möglichkeit, hier heute — auch nicht Anstalten sind verausgabt worden 170 000 J t ,  also 
durch eine Resolution — das zum Ausdruck zu 30 000 J i  m ehr; wenn m an die weiteren beiden 
bringen; aber ich glaube, ich verstehe S ie, meine Anstalten errichten will, würden noch weitere 
Herren, recht, wenn ich hier auch einmal aus­ 135 000 M erforderlich sein, so daß also für die 
spreche, daß die Stadtverordnetenversam mlung gesamten vier Anstalten 305 000 M notwendig 
und die Bürgerschaft Charlottenburgs hier ganz und werden würden, das heißt eine Überschreitung von 
gar hinter dem Magistrat stehen und daß sie ihm sage und schreibe 165 000 J t  oder in Prozenten aus­
aus vollstem Herzen und aus vollster Überzeugung gedrückt von rund 115 % . M eine Herren, das ist 
einen glücklichen Fortgang in den Beratungen über nach meinem Dafürhalten etwas so Außergewöhn­
diese Verkehrsfrage wünschen liches,
(Lebhafter Beifall.) (sehr richtig!) 
daß ich sagen m uß: die Begründung der Vorlage — 
Vorsteher - S tellv . Dr. Hubatsch: D as und ich glaube, S ie  alle werden das m it mir sagen — 
Wort ist nicht weiter verlangt. Wir verlassen diesen reicht nicht aus, um uns zu veranlassen, hier ohne 
Gegenstand. weiteres unsere Zustimmung zu geben.
Es sind für den Ausschuß von 15 M itgliedern M eine Herren, wenn m an sich vergegen­
zu Punkt 5 der Tagesordnung in Vorschlag gebracht wärtigt, m it welcher Eleganz und Schneidigkeit 
worden die Herren Bartsch, Bollm ann, B raune, dam als im Jah re  1906 die Vorlage eingebracht 
Brode, Dunck, Freund, Klau, M ottet, Otto, De Roth­ worden ist, und sieht, wie entsagungsvoll der 
holz, Schmidt, Dr S tadthagen, Wilk, Zander, Zietsch. M agistrat jetzt auf die beiden andern Anstalten ver­
Wird Widerspruch gegen den Vorschlag nicht laut, zichtet, „m it Rücksicht darauf, daß die bewilligten 
so sind die Herren gewählt.— Ich  stelle das hiermit M ittel durch die beiden ausgeführten Anstalten in 
fest. der Sesenheimer S traße und am Knie aufge­
braucht sind", so müssen wir doch Veranlassung 
Punkt 10 der Tagesordnung: nehmen, die Sache einigermaßen einer näheren 
Prüfung zu unterziehen.
Vorlage betr. unterirdische Abort- und Bedürfnis­ Eine Bedürfnisanstalt, meine Herren, gleicht 
anstalten. — Drucksache 129. ja in mancher Beziehung einem Danaidenfaß;
• (große Heiterkeit) 
S tad tv . H olz : M eine Herren, die Vorlage aber so etwas habe ich noch nie erlebt, daß an Stelle 
verlangt von uns die Aufhebung eines Beschlusses von 140 000 M gleich 305 000 Jt ausgegeben 
der Stadtverordnetenversam m lung vom 23. M ai werden sollen. Wie war das möglich? konnte denn 
1906 betr. die vier unterirdischen Abort- und Be­ die Sache nicht besser vorbereitet werden? was 
dürfnisanstalten, Wir hatten dam als auf Grund sagt die Vorlage dazu? Die Vorlage weist darauf 
sorgfältiger P rüfung und Überlegung, zum großen hin, daß damals gar keine Erfahrungen vorhanden 
Teil wohl aus ästhetischen G ründen beschlossen, waren, die Sache war ganz neu. Ich bestreite das, 
im Zuge der Bismarckstraße an den vier in der meine Herren; denn es ist ja bekannt, daß in vielen 
Vorlage angegebenen S tellen  unterirdische Abort- S täd ten  solche Anstalten längst eingeführt waren. 
und Bedürfnisanstalten zu errichten. Die Vorlage Die Vorlage weist ferner darauf hin, daß die 
schien dam als sorgfältig begründet zu sein, und aus damals in Ansatz gebrachten Einheitspreise infolge 
Grund eingehender Erwägungen auch in dieser mangelnder Erfahrung nicht ausreichend waren, 
Versammlung entschlossen sich die städtischen Kör­ und daß sich bei der B auausführung Schwierig­
perschaften, dem Vorschlage zuzustimmen. keiten und infolgedessen M ehrarbeiten ergeben
        
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