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Periodical volume 24. März 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

Sitzung vom ! 4. März 1909. 129
W enn m an hier in  Betracht zieht, daß sich der S ie  es uns doch wirklich nicht verdenken, w enn w ir 
M agistrat das Recht vorbehält, den Arbeiterausschuß zu der M einung kommen: Ih n e n  liegt viel m ehr 
gewissermaßen aufzulösen, ihn beiseite zu stellen, an  der Kritik a ls an  den Arbeiterausschüssen.
dann  hat doch solch ein Arbeiterausschuß fü r die (S e h r richtig!)
A rbeiter absolut keinen W ert. Ic h  will n u r einm al 
annehm en, es w erden in diesen Arbeiterausschuß Stad tv . Zietsch: M eine H erren, es ist allem al 
organisierte A rbeiter gew ählt, und diese w ären  dem so: w enn w ir unsere prinzipielle S te llu n g  betonen, 
M agistrat nicht genehm. D an n  hat es der M agistrat dann  kommt H err Kollege Di: (5 rü g e t und erzählt, 
sehr leicht in der H and, diesen Arbeiterausschuß von daß w ir n u r kritisieren und nichts besser machen 
der Bildfläche verschwinden zu lassen. können. W enn H err Kollege C rüger m it den 
W ir können u n s also m it diesen B estim m ungen pathetischen W orten geschlossen h a t: w ir wollen nur 
absolut nicht einverstanden erklären, und ich glaube kritifieren und nicht m itarbeiten , —  so sind ja  eine 
wohl, daß es im Ausschusse möglich sein wird, ganze Reihe anderer Auslassungen da, wonach m an 
K autelen zu schaffen, um  den Arbeiterausschuß ans uns etw as anders einzuschätzen sich bestrebt hat, 
eine bessere Basis zu stellen. l als H err Dr C rüger zu tu n  gew öhnt ist. D as  liegt 
aber in  seiner G ew ohnheit: w ir nehm en ihm das 
S ta d tv . Z ietsch : A us den A usführungen des nicht übel.
H errn  B ürgerm eisters und des H errn  Kollegen (S tad tv . Dr C rü g e r: D as ist schade!)
W öllm er schien m ir hervorzugehen, daß die H erren —  Ach nein, I h n e n  nehm en w ir das nicht übel,
glauben, n u r sie seien F reunde der Errichtung von W enn H err Kollege Dr C rüger noch darauf hin­
Arbeiterausschüssen. N ein, auch w ir stehen auf den: weist, in den „Sozialpolitischen M onatsheften" sei 
S tandpunk t, daß in jedem B etriebe A rbeiter- in abfälliger Weise über unsere A rbeit und das 
ausschüsse sein müssen. W ir wollen n u r andere B etonen  unserer prinzipiellen S te llung  gesprochen 
Arbeiterausschüsse haben, a ls die sein werden, w orden, so geniert u n s das gar nicht.
die nach den vorgeschlagenen B estim m ungen ge­ (S tad tv . I)r C rüger: Leider —  S tad tv . Hirsch: W as 
bildet w erden sollen. W ir w erden, weil w ir der ist über S ie  alles in der „N ation" gesagt w orden!)
Errichtung von Arbeiterausschüssen im P rinzip  —  Selbst w enn von einem  Parteigenossen in a u s ­
nicht entgegenstehen, auch in dem Ausschusse, den gesprochenen und in unserer P a r te i  allgem ein a n ­
H err Kollege W öllm er vorgeschlagen hat, m it­ erkannten P a rte ib lä tte rn , welche S te llu n g  die 
arbeiten. Vielleicht gelingt es u n s  dort, in  ver­ „Sozialistischen M onatshefte" nicht einnehm en, so 
schiedenen P unk ten  den M agistrat zu einer besseren geurteilt w erden sollte, so w ürde das n u r der B ew eis 
Einsicht zu bekehren. dafür seiu, daß in  unseren R eihen noch eine be­
deutend freiere Kritik möglich ist, a ls sie bei Ih n e n  
S tad tv . Dr. C rüger : M eine H erren, dann zu Hause ist. Es ist selbstverständlich, H err Kollege 
wird es aber, glaube ich, sehr erwünscht sein, w enn Dr. C rüger: w enn V orlagen an u n s  heran tre ten , die 
die H erren einen andern  m odus procedendi ein­ doch in letzter Linie auf unsere In it ia t iv e  zurück­
schlagen; denn die A usführungen, die w ir in s­ zuführen sind, dann  w erden wir zu diesen V orlagen  
besondere von H errn  Kollegen Zietsch gehört die S te llung  einnehm en, die u n s geboten erscheint 
haben, sind ganz gewiß nicht geeignet, fü r den auf G rund unserer prinzipiellen Auffassung. Und 
Arbeiterausschuß w eitere Rechte zu gew innen, a ls sie w enn die V orlagen unseren prinzipiellen A n­
ihm jetzt gegeben w orden sind. D as  ist aber ganz schauungen nicht entsprechen, dann w erden mir sie 
der charakteristische T on , auf den alle derartigen dem gem äß kritisieren müssen und beurteilen  dürfen. 
Kritiken gestim m t sind, Eben weil w ir aber wissen, daß S ie  gar nicht bereit 
(sehr richtig!) sind, u n s auf unserem  Wege zu folgen, und weil 
der charakteristische T on , der nicht von m ir so ge­ w ir wissen, daß w ir das nicht von I h n e n  erlangen 
kennzeichnet wird, sondern von Ih r e n  eigenen G e­ können, w as w ir im In te resse  der A rbeiter zu 
nossen, namentlich in den „Sozialistischen M o n a ts­ fordern haben, so erklären w ir u n s trotz unserer 
heften". —  S ie  brauchen nicht gleich abw ehrend die prinzipiellen Bedenken bereit, an  der Besserung 
Hände zu erheben und zu sageu, m it denen hätten  solcher unserer Auffassung nach unvollkom m enen G e­
S ie  keine Gemeinschaft. V orläufig gehören die bilde m itzuarbeiten , um  wenigstens noch einige 
noch zu Ih n e n . I n  den „Sozialistischen M o n a ts­ Verbesserungen erreichen zu können. D er U nter­
heften" wird m it Recht darauf hingewiesen, wie S ie  schied zwischen Ih n e n  und uns ist n u r  der: S ie  haben 
es sich förmlich pflichtmäßig zu eigen machen, jede keine P rinz ip ien  m ehr, und w ir haben sie noch.
Reform , die geboten wird, nach K räften heru n ter­ (Heiterkeit.)
zureißen Bürgerm eister M a ttin g : M eine H erren, n u r 
(ach, ach! bei den Sozialdem okraten.) noch ein p aa r W o rte ! Ich  möchte doch zu erw ägen 
—  das haben w ir ja heute w ieder erlebt — , statt b itten : w orin liegt denn der W ert und die B edeu­
auf dem gegebenen B oden fortzuarbeiten . tung der Arbeiterausschüsse ü b e rh au p t?  —  D arin , 
(S ta d tv . Hirsch: D as hat ja n u r ein Einzelner daß sie ein anerkanntes V erm ittlungsorgan  zwischen 
gesagt!) der Arbeiterschaft und der V erw altung  sind. D azu 
Auch von unserem S tandpunk te  au s  sind die gehört aber doch notw endigerw eise, daß auch die 
Arbeiterausschüsse noch verbesserungsbedürftig, wie V erw altung V ertrauen  zur Tätigkeit der A rbeiter­
das Herr W öllm er bereits gesagt hat. Aber statt ausschüsse hat.
das anzuerkennen und w eiter zu arbeiten , reißen (S tad tv . Hirsch: Um gekehrt!)
S ie  die ganze Sache in den Schmutz und sagen: das — Gewiß, das V ertrauen  sollen auch die A rbeiter 
ist überhaup t nichts, S ie  w ürden für derartige h ab en ; das habe ich vorhin ausgeführt. S ie  können 
Arbeiterausschüsse bestens danken. W ir haben ja aber unmöglich die Absicht haben, dem M agistrat 
gehört, wie der Arbeiterausschuß der G asanstalt Arbeiterausschüsse, die er fü r ungeeignet hält, au f­
von Ih n e n  charakterisiert w orden ist. D a können zuoktroyieren. M it solchen Arbeiterausschüsten
        
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