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Periodical volume 17. März 1909

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1909

90 Sitzung vom 17. März 1909.
anfertigen lassen und über jede einzelne Klage mir tät, welche der Q ualität des reinen Steinkohlen­
genau berichten lassen, zu welchem Resultat die gases entspricht, nämlich 5000 Kalorien.
Untersuchung geführt hat. Da hat sich heraus­ Es liegt sehr nahe, daß diejenigen Herren, 
gestellt, daß von 100 eingelaufenen Klagen 85 aus welche sich m it der Frage der Gaserzeugung nicht 
die von m ir angeführten Ubelstände zurückzu­ genau beschäftigen, vermuten, daß durch den Um­
führen waren. Aber diese Ubelstände lassen sich stand, daß seit einiger Zeit eine neue Art Gas er­
leicht beseitigen; es liegt oft nur daran, daß die zeugt ist, eine Verschlechterung der Q ualität her­
Rohre, die im Laufe der Jah re  durch Ansammlung vorgebracht sei; das ist aber nicht der Fall. Ich 
von Rückständen verengt werden, ausgepustet w er­ möchte m ir noch erlauben, darauf aufmerksam zu 
den; geschieht das, dann haben die Konsumenten machen, daß genau wie in Charlottenburg auch in 
eine Reihe von Jah ren  Ruhe und keinen Anlaß zur Berlin und bei der englischen Gasanstalt eine Ver­
Klage. Ferner liegt es häufig an den Gaskronen mischung des Steinkohlengases mit Wassergas 
oder an den Glühstrümpfen. Alle diese Ursachen stattfindet.
bedürfen einer genauen Prüfung. I »  allen den­
jenigen Fällen, in denen die Klagen an die G as­ Stabtb. W ilk : Meine Herren, wir hatten die 
anstaltsverwaltungen gekommen sind, sind durch Absicht, gelegentlich dieser E tatsberatung eigentlich 
geringe Mühe diese Übelstände beseitigt worden. im besonderen auf die Löhne der Gasanstalts­
Wir haben auch versucht, durch öffentliche Be­ arbeiter zu sprechen zu kommen. Wir schließen uns 
lehrung auf diese Übelstände aufmerksam zu machen. aber den Ausführungen des Herrn Vorstehers an, 
D as hat leider wenig Erfolg gehabt; aber überall, daß wir m it derartigen Anträgen erst bei Ge­
wo die Konsumenten sich an uns gewandt haben, legenheit des Normalbesoldungsetats kommen 
sind wir in bereitwilligster Weise eingeschritten und möchten. Ich möchte aber ausdrücklich an dieser 
haben die Übelstände beseitigt; so ähnlich wird es S telle daraus hinweisen, daß wir bei der E ta ts­
jedenfalls auch in den Fällen liegen, die von dem beratung im Ausschuß hier Anträge eingebracht 
Vorredner vorgebracht sind. hatten, die sich mit der Einführung von Wochen­
Nun hat der Herr Vorredner hier auf einen löhnen und der Verkürzung der Arbeitszeit be­
Umstand aufmerksam gemacht, für den ich ja na­ schäftigten. Dieselben Anträge sind unsererseits aber 
türlich eine positive Erklärung nicht abgeben kann. auch im Ausschuß m it derselben M otivierung wie hier 
Ich  bin hier auf Verm utungen angewiesen, wie er wieder zurückgezogen worden, daß wir sie nämlich 
selbst. Es wird hier behauptet, daß in diesem Jah re  gelegentlich der B eratung des Normalbesoldungs­
der Gaskonsum unter den gleichen Verhältnissen, etats behandeln w ollen; ich nehme an, daß die Herren 
wenn ich richtig verstanden habe, bei einzelnen — ich habe einen Teil der Anträge bereits ver­
Konsumenten größer geworden ist als im Jah re  breitet, und ich werde auch fernerhin dafür Sorge 
vorher. Nun, meine Herren, wenn das Gegenteil tragen, daß jedem einzelnen Stadtverordneten 
behauptet wäre, so würde ich dafür vielleicht eine diese Anträge m it einer kurzen Begründung noch 
Erklärung gehabt haben, indem ich die Ursache auf überm ittelt werden — dann über unsere Anträge 
zu starke Druckverhältnisse zurückführe. Aber, wenn unterrichtet sein werden.
S ie sagen, daß das G as schlecht brennt, dann sind Ich habe im weiteren noch eine Anfrage an 
die Druckverhältnisse nicht ausreichend, und bei die Gasanstaltsverwaltung, die ich ebenfalls nicht 
geringeren Druckverhältnissen müßte eigentlich der im Ausschuß zur Sprache bringen konnte, weil sie 
Gaskonsum und die Gasrechnung zurückgehen; bei m ir erst heute abend mitgeteilt worden ist. S ie  be­
sehr starken: Druck könnte es vielleicht passieren, trifft zwei dort beschäftigte M aurer. Ein paar 
daß der Gasverbrauch steigt. Fabrikm aurer sollen Galizier sein. Es wäre außer­
(Zuruf des S tadtv . Bartsch.) ordentlich bedauerlich, wenn die Gasanstaltsver­
Hierüber eine Erklärung abzugeben, w arum  der waltung von Charlottenburg galizische M aurer, 
einzelne Konsument mehr für das Gas in diesem welche durch irgendwelche gewissenlose Agenten 
Jah re  zu zahlen hat als im vergangenen Jah re , mal hierher verschleppt worden sind, um  Streik­
dazu bin ich tatsächlich nicht in der Lage, und dazu brecherdienste zu leisten, in einem städtischen Betriebe 
wird auch die Verwaltung wohl niemals in der beschäftigte, während unsere Charlottenburger 
Lage sein. Es müßte denn sein, daß sie genau M aurer wochenlang auf den S traßen  herumlungern 
kontrollieren kaun, wieviel Flam m en der betreffende müssen. Weiß die städtische Verwaltung keine 
Haushalt in diesem und im vergangenen Jah re  ge­ Quellen, wo sie M aurer findet, so bin ich gern bereit, 
brannt hat. ihr tüchtige Kräfte nachzuweisen.
Wenn nun weiter die schlechte Q ualität des 
Gases auf die Verwendung von Wassergas zurück­ Stabtb-. Bartsch : Ich möchte noch ausdrück­
geführt worden ist, so möchte ich dem Herrn Vor­ lich darauf aufmerksam machen, daß ich vorhin be­
redner die ganz bestimmte Erklärung abgeben, daß hauptet habe, daß die F lam m en anfangs sehr gut 
diese seine Verm utung durchaus unzutreffend ist, gebrannt haben, dann plötzlich schlechter brannten 
und daß es absolut falsch ist, anzunehmen, daß durch und vielleicht eine halbe S tunde nachher wieder 
die Verwendung des Wassergases mehr Luft in die fast ebenso gut wie vorher, und daß sie auch am 
Leitungen hineingedrückt wird und dadurch die andern Abend, ohne daß an der Gasleitung etwas 
Q ualität des Gases verschlechtert wird oder die repariert oder gemacht worden war, ebenfalls gut 
Druckverhältnisse verschlechtert werden. D as ist brannten. Ich habe vorhin auch gesagt, daß das 
absolut unrichtig; das Wassergas wird, wie Sie Dunkelbrennen meistenteils in der Nacht zwischen 
wissen, nur in verhältnismäßig geringen Q uanti­ Sonnabend und' Sonntag vorkommt — das ist das 
täten  hergestellt; wir produzieren höchstens 15%  außerordentlich Sonderbare bei der Sache. Außer­
Wassergas. Wir geben aber dieses Wassergas nicht dem möchte ich noch darauf aufmerksam machen, 
allein an die Konsumenten ab, sondern vermischen daß allgemein bei den Konsumenten die M einung 
es intensiv m it dem Steinkohlengas, und dieses vorherrscht, daß durch die Exhaustoren die atm o­
intensiv vermischte Steinkohlengas hat eine Q uali­ sphärische Luft in das Röhrensystem hineingedrückt
        
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