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Periodical volume 12. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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71 Franken, in Norwegen nur 54 Franken, in D äne­ postamt zu senden. Uns, die S tadtverw altung 
mark nur 95 Franken, dagegen in Deutschland selbst, geht diese Angelegenheit ganz unm ittelbar 
118 Franken. — Die Zahlen sind in Franken aus­ an. Es würde bei uns nicht nur eine sehr erhebliche 
gerechnet, weil ich sie dem Jou rna l telegraphique Verteuerung der M ittel, die wir für Fernsprech­
entnom m en habe, das die Frankenwährung als gebühren aufzuwenden haben, eintreten, sondern 
Maßstab genommen hat. — S ie sehen, meine auch meines Erachtens eine ganz bedeutende 
Herren, daß in anderen Ländern die Fernge­ Erschwerung unserer Verwaltung. Wir würden 
spräche ganz bedeutend zahlreicher sind und er­ sehr viel langsamer arbeiten, als wir es heute können, 
heblich weniger Kosten verursachen als bei uns. und würden wahrscheinlich auch mehr Personal 
Bei der ungeheuren Ausdehnung, die Charlotten­ nötig haben, um  das zu erreichen, was der General 
burg, Berlin mit seinen Vororten genommen hat, Postmeister m it seiner Verfügung will. Aber auch 
werden S ie m ir einräumen, daß das Telephon m ittelbar — das hat der Herr Referent ganz richtig 
Heute eins der notwendigsten M ittel für unsere ausgeführt— sind wir erheblich an dieserSache inter- 
Verkehrsverhältnisse ist, und da wir doch unter teressiert, denn unser Gewerbestand, unser Kaust 
dem Zeichen des Verkehrs leben oder leben sollten, mannsstand, unsere Industrie wird durch diese M aß­
so ist es eigentlich kaum zu verstehen, weshalb ge­ nahme, die der Herr Generalpostmeister zu treffen 
rade Vorlagen kommen, die den Verkehr nicht beabsichtigt, außerordentlich schwer getroffen. Ich 
erleichtern, sondern erschweren, erschweren, nach­ muß sagen, daß ich es auf das lebhafteste bedaure, 
dem erst vor kurzem ebenfalls im Ortsverkehr eine daß gerade von dieser S telle, die dazu gesetzt ist, den 
Verteuerung des P ortos eingetreten ist, wodurch Verkehr zu beben und ihn überall fördern zu helfen, 
nicht nur die Einzelpersonen, sondern namentlich eine durchaus verkehrsfeindliche Institu tion  in Ab­
die Wohltätigkeitsanstalten, die Vereine ganz außer­ änderung der bisherigen Bestimmungen in Aussicht 
ordentlich in Mitleidenschaft gezogen worden sind. genommen ist.
Beispielsweise beträgt bei einem Verein, den ich (S ehr richtig!)
leite, das durch die Umgestaltung hervorgerufene Ich bedaure das ganz ungemein. Die großen S täd te 
M ehrporto im Jah re  zwischen 600 und 800 M. würden, wenn die Vorlage Gesetz würde, für ihre 
M eine Herren, ich glaube, daß der M agistrat geistige Regsamkeit bestraft werden. Es würde eine 
die Pflicht hat, sich ebenfalls dieser Angelegenheit Rückschraubung des heute ausblühenden Zustandes 
anzunehmen und mit Vorstellungen bei der be­ in Handel und Gewerbe eintreten. Es ist sehr zu 
treffenden Stelle, als die ich das Reichspostamt wünschen, daß der Herr Generalpostmeister von 
erachte, für die aber auch eine andere z. B. das seiner Absicht zurückkommt und diese Verfügung, 
R eichsam t: des! In n e rn  gewählt werden kann, die er in Aussicht gestellt hat, nicht erläßt. Es liegt 
vorzugehen. mir hier vor eine diesbezügliche Eingabe des Zentral­
S ie  werden m ir vielleicht entgegnen, daß die ausschusses Berliner kaufmännischer, gewerblicher 
Vorlage von der Id e e  ausgegangen ist: es wird und industrieller Vereine, der 84 Vereine und Ver­
m it dem Telephon, mit der Menge der Gespräche bände beigetreten sind, eine Eingabe an das Reichs­
Mißbrauch getrieben. Run, der Berliner — der postamt gegen die geplante Verteuerung des F ern ­
Berlin-Charlottenburger will ich sagen — Hat sprechers, die in ganz ausgezeichnet klarer und 
allerdings in seiner witzigen Weise diese Art der scharfer Weise zeigt, wie unausführbar diese ganze 
Verbindung als Quasselstrippe bezeichnet, und Absicht ist und wie ungemein das Gewerbe und die 
es mag etwas daran wahr sein, daß tatsächlich Industrie geschädigt werden würden.
ein Mißbrauch damit stattfindet. Aber wenn Ich für mein Teil bin sehr gern bereit, den An­
dieser Mißbrauch, die Uberbürdung einzelner F ern ­ regungen der Herren Antragsteller Folge zu geben 
sprechteilnehmer behoben werden soll, dann kann und im Magistrat zu befürworten, daß eine der­
m an ja zu einem ganz anderen M ittel schreiten; artige Petition ausgearbeitet und eingereicht tvird; 
dann müßte vor allen Dingen die Basis, das, ich habe die Überzeugung, daß der Magistrat dem 
was für das einzelne Ferngespräch verlangt wird, beitreten wird.
so gestaltet werden, daß von einer M ehrausgabe, Stadtv. Dunck: M eine Herren, dem Antrage 
wenigstens einer bedeutenden M ehrausgabe nicht Lissauer und Genossen, der bei dem Herrn Ober­
die Rede sein könnte. Als solche würde für Groß­ bürgermeister Sym pathie gefunden hat, stimmen 
berlin 90 M  Grundgebühr und außerdem für meine Freunde gern zu. Die Statistik, die uns der 
das Gespräch 3 P f. zu erachten sein. Dann würde Herr Vorredner unterbreitet hat, war ja sehr in ter­
eine kleine Erhöhung der jetzigen Gebühr ein­ essant; ich meine aber, wenn wir die Vorstellungen 
treten, die aber zu ertragen wäre. an das Reichspostamt, als Stadtgem einde richten 
Ich bitte S ie, meine Herren, meinem An­ wollen, so müssen wir mit einer Statistik kommen, 
trage zuzustimmen, der dahin geht, den M agistrat deren Grundlage auch in Charlottenburg gewonnen 
zu veranlassen, bei dem Reichspostamt gegen die ist. Die ganz großen Betriebe, die I h r  Telephon 
von demselben beabsichtigte, in der bezüglichen von morgens früh bis abends spät benutzen, sind in 
Denkschrift ausführlich begründete Verteuerung Charlottenburg bekanntlich in der M inderheit. Diese 
der Fernsprechgebühren vorstellig zu werden. Betriebe werden allerdings durch die geplante Um­
gestaltung ganz besonders betroffen, ihre Gebühren 
Oberbürgermeister Schustehrus: Der M agistrat würden sich auf das drei- bis vierfache erhöhen. 
Hat zu der Frage bisher noch keine S tellung ge­ Soviel ich aus diesen Kreisen gehört habe, ist man 
nom m en; ich kann also, wenn ich etwas zu den B e ­ einer mäßigen Erhöhung der Gebühren aus Ge­
merkungen des Herrn Antragstellers ausführe, nur rechtigkeitsgründen nicht abgeneigt; wenn m an statt 
für meine eigene Person sprechen. Ich erkläre zu­ 180 M  bis 250 M  im M aximum gehen wollte, so 
nächst, daß ich gar kein Bedenken habe inbezug auf würde m an dem wohl im allgemeinen zustimmen.
die gesetzlichen Vorschriften, eine solche Petition, Eine weitere Kategorie bilden die mittleren 
wie sie der Herr Antragsteller angeregt hat, von Geschäftsleute und die P rivatleute, die bei einem 
S tad t wegen auszuarbeiten und an das Reichs­ Pauschalpreise von 180 M  im Jah re  ihr Telephon
        
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