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Periodical volume 12. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

in diesem Augenblick gar keinen Zweck hat. Würde 3500 Anschlüsse, die nicht Pauschalgebühr, nur 
Herr Kollege Hirsch blos den Antrag wegen der Grundgebühr bezahlen, würden ja vielleicht eine 
Bezirkseinteilung gebracht haben, dann würden kleine Verbilligung erfahren, die aber gegenüber 
wir wahrscheinlich Alle für diesen Antrag haben der Verteuerung kaum in Betracht kommen könnte. 
stimmen können. E r hat aber diesen Antrag mit Die Sache liegt so, daß bisher ein Teilnehmer für 
einem andern verquickt, um  eine Debatte herauf­ 180 Jli eine beliebige Anzahl von Ferngesprächen 
zubeschwören, die nach meiner Ansicht zunächst führen konnte. Jetzt soll nur eine Grundgebühr 
keinen besonderen Zweck hat. Wenn Herr Kollege erhoben und auf 90 M  — statt bisher 100 M  — 
Hirsch trotzdem der M einung ist, daß er in dem herabgesetzt werden, jedes Gespräch soll für die 
Kampf mit m ir recht bekommen wird, so wünsche ersten 2000 mit 5 P f.. für die nächsten 4000 mit 
ich ihm alles Gute. Ich  hoffe aber, er wird in 4 l/8 und alle Gespräche, die über 6000 sind, mit 
diesem Falle nicht recht bekommen. 4 P f. bezahlt werden.
Es fragt sich nun: wie stellt sich der einzelne 
Stadtv. Hirsch: M eine Herren, ich habe nicht dazu? D a gibt uns die Statistik, die der Reichs­
gesagt, daß ich recht b e k o m m e n  werde, sondern postsekretär der Vorlage beigegeben hat, den besten 
daß ich recht h a b e . Aufschluß. E r setzt nämlich auseinander, daß in 
(Heiterkeit.) denjenigen beiden Bezirken, wo die meisten An­
(Die B eratung wird geschlossen. Die Ver­ schlüsse sind, also in Hamburg und -Berlin, auf den 
sammlung beschließt die Einsetzung eines Aus­ Kopf des Teilnehm ers pro Tag 15 Gespräche 
schusses von 11 M itgliedern und wählt zu Aus­ auf Großberlin, 17,9 auf Hamburg entfallen. 
schußmitgliedern die S tadtverordneten Bollm ann, 15 Gespräche pro Tag machen 5400 Gespräche im 
Dzialoszynski, I)r Frentzel, Hirsch, Holz, Jachm ann, J a h r . F ü r die Grundgebühr von 90 M  sind im 
K aufm ann,- Otto, . Protze, Dr S tadthagen und ganzen 1800 Gespräche ä  5 P f. frei; es würden 
Wilk.) also von jedem Teilnehm er von neuem zu bezahlen 
sein 3600 Gespräche ä 4 '/2 P f. D as macht 170 M ,  
Vorsteher Kaufmann: Punkt 4 der Tages­ während früher für dieselbe Leistung nur 90 M  zu 
ordnung : zahlen waren. Deshalb würde jeder Teilnehmer 
in Berlin-Charlottenburg, der einen Pauschal­
Antrag der Stadtv. Lissauer und Gen., betr. gebührenanschluß hat, 80 M  mehr per J a h r  zu 
Fernsprechgebühren. — Drucksache 67. zahlen haben. 80 M  per J a h r  auf 5000 macht be­
kanntlich 400 000 M ,  und mit dieser Sum m e würde 
Der Antrag lau te t: Charlottenburg hier ir^eressiert sein, abgesehen 
Die Unterzeichneten beantragen, den Magistrat von der kleinen Ermäßigung, die die Grundge­
zu ersuchen, bührenanschlüsse haben würden.
Vorstellungen bei dem Reichspostamte zu Meine Herren, es würde sich jetzt um  die Frage 
machen gegen die von demselben beabsichtigte, handeln: welches Interesse haben wir, uns dem 
in der bezüglichen Denkschrift (veröffentlicht zu widersetzen? Ich glaube, daß sich unter diesen 
im Reichsanzeiger vom 27. Dezember 1907) 5000 Teilnehm ern eine überaus große Anzahl von 
ausführlich begründete Verteuerung der F ern ­ Gewerbetreibenden befindet, von denen der größte 
sprechgebühren. Teil — ich erinnere an die Restaurateure, an die 
Kolonialwarenhändler, Zigarrenhändler, Drogisten 
Antragsteller Stadtv. Lissauer: Meine — gezwungen ist, sich Telephon zu halten, teils 
Herren, die Angelegenheit ist ja eigentlich in der für sich, teils aus Rücksicht auf seine Kundschaft, 
langen Zeit, die seit dem 26. J a n u a r  verflossen die gewöhnt ist, zum nächsten Kaufmann zu gehen 
ist, ziemlich bekannt geworden. Es steht wohl fest und sich dort des Telephons zu bedienen. M an 
und braucht nicht weiter bewiesen zu werden, daß wird erwidern können, daß für die Folge ja der 
die Vorlage, die der Reichspostfekretär gemacht Teilnehm er das Recht hat nach den Vorschlägen 
hat, im Grunde darauf hinzielt, eine bedeutende des Reichspostsekretärs, sich ein jedes Gespräch 
Verteuerung der Fernsprechgebühren hervorzu­ bis zum Preise von 10 P f. vergüten zu lassen. 
bringen und, wie ich nachher zeigen werde, auch so Wer aber den Verkehr im Kleinhandel kennt, weiß 
erhebliche M ehreinnahm en zu erlangen, daß sie ganz genau, daß das nicht möglich ist. D er eine 
allerdings für den Staatssäckel sehr bedeutend sein wird es aus Kulanz gratis gestatten, der Nachbar- 
würden. N un könnte vielleicht die F rage aufge­ ist somit gezwungen, es ebenfalls zu tun, und so 
worfen werden, inwieweit das denn den Magistrat würde wohl kaum irgendeiner auf das Telephon, 
besonders interessiert. Um diese Frage abzuschnei­ das ihm selbst notwendig ist und das er auch seiner 
den, möchte ich mich auf § 35 der S tädteordnung Kundschaft zur Verfügung stellen muß, verzichten, 
und auf die bezüglichen Kommentare beziehen, die sodaß eine ganz erhebliche M ehrausgabe, wie ich 
sagen, daß abgesehen von den speziellen Gemeinde­ mir schon erlaubt habe auseinanderzusetzen, auf 
angelegenheiten das Petitionsrecht der Kommune diese 5000 Pauschalgebührteilnehmer in Char­
doch in allen Angelegenheiten zusteht, die auch nur lottenburg entfallen würde.
m ittelbar das Wohl und Wehe der Ortseinge­ Wenn wir uns nun die Verhältnisse ansehen, 
sessenen beeinflussen. An der Sache selbst hätte wie sie in anderen Ländern liegen, so sehen wir, 
ja auch der M agistrat ein Interesse, wenn auch daß in Schweden, Norwegen und^ Dänemark; die 
nur ein kleines, denn für Fernsprechgebühren gibt Teilnehm er sich ganz bedeutend mehr des Tele­
derselbe ca. 13000 M  aus. I n  größerem M aße phons bedienen als bei uns zu Lande. Während 
ist er natürlich für seine Ortseingesessenen interessiert, in Deutschland nur 1677 Gespräche auf den Teil­
von denen unter den 8500 Fernsprechanschlüssen nehmer entfallen, entfallen in Schweden 4200, 
5000 ungefähr in  Frage kommen. Es sind das die in Norwegen 3900, in Dänemark ebenfalls 3900 
Anschlüsse mit Pauschalgebühr, denen jetzt die Gespräche im Jah re  auf den Teilnehmer. Die 
Verteuerung droht. Die zweite Kategorie, die Kosten betragen pro Teilnehmer in Schweden
        
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