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Periodical volume 12. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

S o llten  S ie  sich aber, m eine H erren, m it einer kämpfen w ir nach wie vor. W ir fordern nach wie 
V erm ehrung der Z ahl der S tad tvero rdne ten  nicht vor den Ersatz d e s  D r e i k l a s s e n w a h l ­
einverstanden erklären, dann, m eine ich, kommen s y s t e m s  d u r c h  d a s  a l l g e m e i n e ,  
S ie  um  die zweite F orderung , die ich in m einem  g l e i c h e ,  d i r e k t e  u n d g e h e i m e  W a h l ­
A ntrag stelle, nämlich um  eine g e r e c h t e  E i n ­ r e c h t .  W enn ich die F o rderung  im  Augenblick 
t e i l u n g  d e r  W a h l b e z i r k e ,  auf keinen zurückstelle, so lediglich au s taktischen G ründen , 
F a ll herum . D ie letzte E in teilung  der Wahlbezirke da ja die Aussicht, daß die M ehrheit der S ta d tv e r­
stam m t au s dem  J a h re  1901. D am als  betrug in ordnetenversam m lung sich auf diese F o rderung  ver­
der dritten  A bteilung die W ählerzahl —  ich führe einigt, n u r sehr gering ist. Es ist den H erren bekannt, 
runde Z ahlen an  —  27 500. D er Durchschnitt der daß, a ls w ir vor 4 oder 5 J a h re n  einen A ntrag  
W ähler in jedem  Bezirk betrug, da 8 Bezirke in stellten, der den M agistrat ersuchte, gemeinsam m it 
F rag e  kamen, 3500. D ie einzelnen Bezirke w aren  anderen S tä d te n  beim Landtag um  E inführung 
so eingeteilt, daß der Durchschnitt n u r wenig über­ des allgem einen, gleichen, direkten und geheimen 
schritten w urde von einem  Bezirk, w ährend der W ahlrechts für die S tad tvero rdnetenw ah len  zu 
andere Bezirk n u r wenig h in ter dem Durchschnitt petition ieren , die M ehrheit der S tad tvero rdne ten ­
zurückblieb. Inzw ischen haben sich die Verhältnisse versam m lung diesen A ntrag  rundw eg abgelehnt 
wesentlich geändert. Es ist innerhalb der einzelnen hat. Ich  möchte nicht, daß w ir u n s jetzt wieder eine 
Bezirke eine ganz kolossale Verschiebung der B e­ solche Absage zuziehen, ich w ill mich auf das E r­
völkerung eingetreten. S o  hat sich z. B . der zweite reichbare beschränken. D esw egen habe ich den 
Bezirk seit 1901 m ehr a ls verdoppelt. W ir haben A ntrag gestellt, der eine V erm ehrung der Zahl 
daneben einen anderen Bezirk, der seit 1901 um  der M andate  und eine gerechtere E inteilung der 
ganze 21 E inw ohner zugenom m en hat. Wie ver­ Wahlbezirke bezweckt.
schieden die Zahlen sind, das w erden S ie  ersehen, Ich  kann ja nicht verlangen, daß S ie  ohne 
w enn ich Ih n e n  sage, daß der achte Bezirk der w eiteres hier im  P len u m  einem  solchen A ntrage 
d ritten  Abteilung bei der letzten W ahl 3395 W ähler zustimmen w erden. Aber der H offnung gebe ich 
aufw ies, der zweite Bezirk dagegen m ehr als nochmal mich hin, daß S ie  wenigstens prinzipiell I h r  E in ­
so viel, nämlich 7440. Und nicht n u r in der d ritten  verständnis dam it kundtun und m it m ir fü r die Über­
Abteilung, sondern auch in  der zw eiten, ja teilweise weisung des A ntrags an  einen Ausschuß stimmen 
sogar in der ersten A bteilung hat sich die Be- w erden.
vötkerungszahl inzwischenverschoben. I n d e r  zweiten 
A bteilung hatten  w ir im J a h re  1901 in jedem Bezirk S ta b tb .  H olz: M eine H erren, ich freue mich, 
durchschnittlich etw a 900 W ähler. Inzw ischen ist daß der H err Kollege Hirsch, m it dessen A usführun­
im  vierten Bezirk die Z ahl der W ähler der zw eiten gen ich sonst nicht übereinstim m e, zum  Schluß den 
A bteilung von 919 auf 870 zurückgegangen. I m  A ntrag  gestellt hat, die Sache einem  Ausschuß zu 
dritten  Bezirk dagegen hat sie sich fast ver­ überw eisen: denn zweifellos sind die Rechtsfragen, 
doppelt, nämlich von 934 auf 1840. S ie  haben welche uns bei diesem A ntrag beschäftigen, doch so 
also auch in der zw eiten W ählerabteilung Bezirke, erheblich, daß w ir sie heute, insbesondere m it Rück­
von denen einer m ehr als doppelt so groß ist als sicht darauf, daß w ir noch sehr wichtige Sachen zu 
der andere. I n  der ersten W ählerabteilung machen beraten haben, nicht kurzer Hand erledigen können. 
sich ja  solche starken Verschiebungen nicht bemerkbar, Ic h  will S ie  m it den R echtsfragen nicht w eiter be­
weil die Z ahl der W ähler, die da in B etracht kommt, helligen, w ill n u r vorweg bemerken, daß ich grund­
überhaup t sehr gering ist. Im m e rh in  ist es charakte­ sätzlich de lege lata, d. H. an  Hand der gegenw ärtigen 
ristisch, daß selbst in dieser Klasse ein Bezirk n u r Gesetzgebung anderer M einung  bin als der Kollege 
120 W ähler ausweist und der andere m ehr a ls das Hirsch, daß ich insbesondere der M einung bin, daß 
D oppelte, nämlich 260. der Zeitpunkt für den ersten T eil des A ntrags jetzt 
Ich  glaube, daß diese w enigen Z ahlen  Ih n e n  nicht gegeben ist, weil ja  der M agistrat die V er­
zur G enüge dargetan haben w erden, daß eine andere m ehrung der S tad tv ero rd n e ten  und h ierm it die 
E inteilung der Wahlbezirke entsprechend der ver­ N euw ahlen  gelegentlich der regelm äßigen E r­
änderten  Bevölkerungszahl innerhalb der Bezirke gänzungsw ahlen erst in  B etracht ziehen kann. D er 
eine F o rderung  der Gerechtigkeit ist. Es handelt M agistrat w ürde also, w enn er heute einen Beschluß 
sich hier nicht e tw a um  eine bestimmte P a r te i­ fassen w ollte, einen Beschluß p ro  nihilo fassen, der 
forderung, sondern ich glaube, alle P a rte ie n , die u n s nicht w eiter bringen w ürde. Hierzu kommt, 
hier in  der V ersam m lung v ertre ten  sind, haben das daß nach dem I n h a l t  des Gesetzes eine derartige 
gleiche In teresse daran , daß die E inteilung der Beschlußfassung des M agistrats bedeutende Kon­
Wahlbezirke in gerechter Weise vor sich geht. Zudem  sequenzen hat, über die sich die Rechtsprechung, 
brauche ich ja  n u r d aran  zu erinnern , daß es eigent­ wie ich konstatieren möchte, noch nicht ganz klar ist. 
lich gar keine F o rderung  m einer P a r te i  ist, die ich I n  der Entscheidung des O berverw altungsgerichts 
hier vertre ten  habe, sondern eine liberale F orderung , B and  17, die sich dam it befaßt, heißt es über diese 
die sonst die L iberalen im  Reich und im  S ta a t  er­ F rage  auf S e ite  104: I n  m aterie ller B eziehung 
heben. Ic h  m eine, w enn m an  im  Reich und S ta a t  kaun zugegeben w erden, daß es in der S tä d te ­
fü r eine bestimmte F o rderung  e in tritt, dann hat ordnung für den vorliegenden F a ll, bei welchem es 
m an  die Pflicht, auch in  der G em einde die gleiche sich um  eine tiefgreifende Um gestaltung usw. 
F o rderung  zu befürw orten. handelte, bestimmte Vorschriften nicht gibt usw. S o  
M eine H erren, ich möchte mich von vornherein lau te t die S te lle  ungefähr. D er K om m entar von 
gegen die Auffassung verw ahren, als ob ich etw a L ederm ann sagt ganz recht das, w as ich bereits 
dam it, daß ich m einen A ntrag vor Ih n e n  begründe, hervorgehoben habe: D a s  Gesetz besagt, daß in 
mich m it dem Dreiklassenwahlsystem für die S ta d t­ diesem F a lle  eine statutarische A nordnung getroffen 
verordnetenversam m lung einverstanden erkläre. w erden m uß, durch welche die K orporation , welche 
Dieses Wahlsystem oder besser gesagt diese dann  e in tritt —  also w enn w ir 78 S tad tv e ro rd n e te  
K a r i k a t u r  e i n e s  W a h l s y s t e m s  be­ haben — , eine ganz andere K orporation  w ird als
        
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