Path:
Periodical volume 12. Februar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

Die Bestimmungen über die Einsetzung einer Element sein wird, um  jedes J a h r  in der Lage zu 
D eputation für Kunstzwecke, wie sie in der Vorlage sein, sei es auch nur durch Zuwendungen aus der 
enthalten sind, besagen: Es sollen 5 M agistrats­ Bürgerschaft, über geeignete M ittel zu verfügen. 
mitglieder, 5 Stadtverordnete und 5 Kunstsach­ Ich würde S ie bitten, Ih re  Bedenken möglichst 
verständige oder Künstler als Bürgerdeputierte zurückzustellen und es auch hier bei den Vorschlägen 
gewählt w erden; die letzteren werden auf Vorschlag des M agistrats bewenden zu lassen.
der erste» 10 M itglieder von der S tadtverordneten­ Es heißt schließlich unter 3:
versammlung gewählt. Wir hatten dam als an­ I h r  liegt ob die Abgabe von Gutachten 
geregt, daß die Bürgerdevutierten von denjenigen in allen Kunstangelegenheiten, die seitens 
Herren gewählt werden sollten, die aus den Reihen des M agistrats oder der anderen D eputationen 
der Stadtverordnetenversam m lung in den Aus­ von ihr erfordert werden, oder die sie aus 
schuß hineingeschickt sein würden. Der M agistrat eigenem Antriebe zu erstatten wünscht. 
begründet aber seinen Vorschlag ganz richtig, daß M eine Herren, dieser Vorschlag ist zweifellos ein 
es nach Lage der Gesetzgebung schwierig sein würde, sehr günstiger; er ist ja ganz allgemein gehalten, 
dies durchzuführen, daß vielmehr der Umweg ein­ m an weiß noch gar nicht, was m an daraus machen 
zuschlagen wäre, der uns jedenfalls auch sympathisch soll. S ie  werden aber heute im Laufe der T ages­
ist, daß die 10 Herren die zu wählenden Bürger­ ordnung eine Vorlage finden, wo es sich um  die 
deputierten vorschlagen und dann die S tad tver­ Bewilligung von 50000 M für die Bismarckstraße 
ordnetenversammlung die Wahl vornimmt, ent­ handelt —  es sollen P räm ien ausgeschrieben werden 
weder die betreffenden Herren wählt oder auch — , die direkt in den Rahm en dieser Bestimmung 
andere wählt, was jedoch kaum der F all sein wird. hineinpaßt. Es würde in solchen Fällen die Kunst- 
I m  übrigen ist vorgeschrieben, daß die M itglied­ deputation zu hören sein, und sie würde zu ent­
schaft ungefähr dem entspricht, was die M itglied­ scheiden haben, ob und wie die Verwendung dieser 
schaft bei der Stadtverordnetenversam m lung selbst 50000 M zu erfolgen habe.
bedeutet: 6 Jah re  m it entsprechender Auslosung. Meine Herren, wenn wir alles das zusammen­
W as die Zuständigkeit angeht, so finden wir in fassen, was wir an Kritik zu dieser Vorlage zu sagen 
der Vorlage unter a und b folgende Vorschriften: haben, so werden wir, wie ich bereits angedeutet 
a) die Sorge für die Ausstattung der städtischen habe, m it Recht sagen können, daß die Sache gut 
Gebäude und Am tsräum e, der städtischen ist und auch damit der Zweck erreicht werden kann, 
S traßen  und Plätze durch Anschaffung von die Verschönerung unserer S tad t herbeizuführen, 
Werken der Bildhauerkunst oder M alerei oder unserer S tad t den Namen zu geben, den sie wirklich 
des Kunstgewerbes, und verdient, daß sie insbesondere dazu beitragen wird, 
b) die Pflege dieser Künste und des Kunstge­ erzieherisch zu wirken auf alle reichen Elemente 
werbes außerhalb des Rahm ens der Kunst­ unserer S tad t, um das zu tun, was bisher nicht 
gewerbeschulen. getan worden ist, um  aus freien Stücken Zuwen­
M eine Herren, S ie  sehen aus diesen beiden dungen zu machen, damit wir nicht noch einmal 
Punkten schon, daß darin sehr viel enthalten ist. F ü r das beschämende Schauspiel erleben, das uns vor 
manche meiner Freunde, für mich selbst auch, ist 5 Jah ren  geärgert hat, ich meine den beabsichtigten 
es vielleicht noch zu wenig, der Rahm en ist viel­ Jubiläum sbrunnen. Der heilige M aecenas möge 
leicht noch zu eng gespannt, aber es läßt sich hören, mich entschuldigen, daß ich S ie daran erinnere; 
was der Magistrat zur Begründung sagt. Es soll es ist ein Skandal, daß damals, glaube ich, im ganze» 
ja erst m al der Anfang gemacht werden, und wir 30 000 M zusammengekommen sind und die Sache 
haben es ja immer in der Hand, den Rahm en schließlich stecken geblieben ist. Wenn wir eine Kunst­
weiter auszudehnen auf Grund der Erfahrungen, deputation haben, so wird sie fördernd wirken, sie 
die wir sammeln werden. Ich würde bitten, meine wird nicht bloß so auf das Publikum wirken, daß 
Herren, sich dem Vorschlage des M agistrats an­ es für die Kunst angeregt wird, sondern auch auf 
zuschließen und in dieser Beziehung Abänderungs­ die reichen Leute, daß sie sich für das Erhabene der 
vorschläge nicht zu machen. Kunst interessieren. Die Hauptsache ist, daß die 
Es heißt dann unter 2 der Bestimmungen: Kunstdeputation erst da ist; wenn sie erst im S atte l 
F ü r diese Zwecke wird ihr die Verfügung sitzt, dann wird sie auch reiten können. W enn sie 
über diejenigen M ittel übertragen, welche da ist, wird sie imstande sein, mit Vorschlägen an uns 
im E tat oder durch besondere Bewilligung heranzutreten, die alles das, was wir dam als ge­
für die Zwecke zu 1 bereitgestellt sind. wünscht haben und was wir heute wünschen, ins 
D as ist eine Frage, die im Schoße meiner Werk setzen werden. Meine Herren, die Kunst, 
Freunde zu großen Bedenken Veranlassung gegeben sagt Fiesko, ist die rechte Hand der N atu r; diese 
hat. Es wurde gesagt, es wäre doch denkbar, daß hat nur Geschöpfe, jene hat Menschen gemacht. 
einmal die Stadtverordnetenversam mlung, sei es Ich  glaube, durch Annahme dieser Vorlage werden 
aus Gründen der schlechten Finanzlage, sei es aus wir so erzieherisch wirken, so vorbildlich, wir werden 
anderen Gründen, überhaupt der Kunstdeputation so viel Schönheit und Harmonie in das Volk hinein­
nichts zu Verfügung stellen würde. D ann würden tragen, daß wir voll und ganz dafür belohnt sein 
wir eine Kunstdeputation haben, die aber nicht werden, daß wir die Anregung gegeben und die 
in der Lage wäre, etw as zu tun, weil die M ittel Vorlage angenommen haben. Ich  bitte S ie  um 
fehlen. Ich  glaube aber, meine Herren, wir können die Annahme der Vorlage.
zu dem M agistrat namentlich mit Rücksicht auf (B ra v o !)
die Art und Weise, wie unser Antrag begrüßt 
worden ist und wie die Vorlage sich ausdrückt, das Oberbürgermeister Schustehrus: M eine Her­
V ertrauen haben, daß er selbst immer anregend ren, der Herr Referent hat ein so ausführliches und 
wirken wird, wie ja auch die Deputation selbst, klares Referat erstattet, daß ich dem nichts mehr 
in die hoffentlich eine Reihe von hervorragenden hinzuzufügen habe. Ich möchte hier nur um  die 
Künstlern hineingewählt werden, schon ein aktives Erlaubnis bitten, noch auf zwei Fragen, die der
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.