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Periodical volume 29. Januar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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H erren, w enn im m er davon gesprochen wird, daß weil sie das Geld zu der S te u e r  nicht haben, es 
durch die S te u e r  der Alkoholgenuß verm indert w ürden viele das Geld sich zu verschaffen suchen, 
w erden soll, so m eine ich, daß doch die nächste Folge und sie w ürden es sich verschaffen, entw eder in­
der A bnahm e der W irtschaften nicht ohne w eiteres dem sie noch tiefer, a ls es so schon geschieht, in die 
die ist, daß die Leute w eniger B ier oder Schnaps Abhängigkeit der B rauere ien  sich begeben, oder 
trinken, sondern die, daß sie sich an die übrig indem  sie sich noch m ehr einschränken in der W ohnung 
bleibenden W irtschaften w enden, und dam it w ürde und anderen Bedürfnissen. Und dann  w ürde der 
das eintreffen, w as unserer Überzeugung nach Zustand, den der M agistrat heute beklagt, sich nvch 
durch die S teuerpolitik  nicht gew altsam  verhindert wesentlich verschlimmern.
w erden kann, w as aber noch w eniger durch sie ge­ N un sagt der M agistrat, für die b e st e h  e n ­
fördert w erden darf, nämlich die fortschreitende d e n  G astw irte w ürde die S te u e r  ein V orteil sein. 
Entwicklung zuin G roßbetriebe. G ew iß kommt die Unterdrückung neuer Existenzen 
D an n  hat der H err R eferen t au s  der B e ­ den vorhandenen zu gute; aber die S te u e r  ist ja 
g ründung des M agistra ts m it einer gewissen Zu­ so geplant, daß auch die bestehenden G astw irte u n ­
stim m ung hervorgehoben, daß durch die S te u e r  m itte lbar und m itte lbar von ihr getroffen w erden 
ein B eitrag  zu den Kosten des Stadtausschusses können. Nach der eigenen B erechnungdesM agistrats 
geleistet w erden w ürde. D a  kann ich H errn  Kollegen w ürden von den 675 jährlichen S teu e rträg e rn  
Hirsch n u r Recht gebeu, daß dieses A rgum ent, das 175 solche sein, welche die S te u e r  zu zahlen haben 
u n te r Um ständen eine gewisse Berücksichtigung bei einer V erlegung ihres Geschäftes, also be­
beanspruchen darf, doch keinesfalls die A uferlegung stehende G astw irte. D a s  ist ein sehr großer P ro zen t­
einer S te u e r  rechtfertigt, die ihrer A rt und ihrem  satz u n te r  ihnen, dem  also die Freizügigkeit gem indert 
Umfange nach außer jedem V erhältn is  zu den würde. D azu  käme die Erschwerung der Verkäufe 
Kosten stände, die etw a auf den einzelnen Kou- von W irtschaften durch die S teu e r. Ich  frage mich 
zessionsem pfänger entfallen. u n te r  diesen U m ständen vergebens, wo denn hier 
ein allgem einer V orteil fü r die bestehenden Gast 
F e rn e r ist von dem H errn  R eferen ten  in w irte sein soll. E in T eil von ihnen  w ürde wie ge­
Übereinstim m ung m it der M agistratsvorlage d a r­ sagt Nutzen haben, ein anderer aber unverd ien ten  
auf hingewiesen w orden, daß in einer Reihe von Schaden.
S tä d te n  diese S te u e r  eingeführt w orden ist. N un, M eine H erren, sprechen diese einzelnen G ründe 
m eine H erren, das sind im großen Preußischen schon gegen die V orlage, so sind von noch schwer­
S ta a te  glücklich 10 S tä d te . D ie M agistratsvorlage w iegenderer A rt die prinzipiellen M om ente, die 
erw ähn t noch, daß w eiter in  ganzen 2 S tä d te n  ja auch schon teilweise in der D ebatte  angedeutet 
eine solche S te u e r  sich in  V orbereitung  befinde. w orden sind. W ir L iberalen  haben im m er da­
W enn m an  da auch n u r  ganz ungefähr sich ver­ gegen S te llu n g  genom m en, daß eine agrarische 
gegenw ärtig t, welche Unzahl von S tä d te n  die R egierung, eine agrarische R eichstagsm ajoritä t die 
S te u e r  nicht hat, und w enn uns der M agistrat der A llgem einheit zugute kom m enden Lasten 
vielleicht noch gesagt hätte, wo die S te u e r  zw ar überw iegend auf die B erufsstände von Handel 
geplant, aber nicht zur E inführung  gelangt ist, wo und In d u s tr ie  verteilt, und daß sie au s  Handel 
sie g la tt abgelehnt w orden ist, dann w ürde das und In d u str ie  w iederum  einzelne G ew erbe her­
das Bild doch wohl so verändern , daß w ir zu dem 
R esultate kämen: n u r  sehr w enige, relativ  und auszusuchen beliebt, um  sie ganz besonders zu be­lasten. Ich  glaube nicht, daß die S tä d te  gut tun , 
absolut sehr w enige G em einden sind bisher m it w enn sie diesem Beispiele folgen; ich glaube am 
dieser S te u e r  beglückt w orden, und w ir haben allerwenigsten, daß die S tä d te  recht handeln, 
ganz sicherlich in C harlo ttenburg  keinen G rund, gerade dasjenige G ew erbe herauszugreifen , das 
grade diesen A usnahm en  nachzueifern. jetzt schon ganz unverhältn ism äßig  stark belastet 
S o  viel über die B egründung  des M agistrates, ist, welches u n te r einer großen Reihe von S o n d e r­
nachdem in dieser B eziehung schon H err Kollege lasten leidet, die m an  erleichtern, aber u n te r keinen 
Hirsch manches vorw eggenom m en hat. Um ständen verm ehren sollte.
Ich  komme n u n  zu den tatsächlichen Folgen, W enn nun  der M agistra t und der H err R eferent 
die m einer Überzeugung nach die S te u e r  haben betont haben, daß hier im Kam pfe gegen den Al­
w ürde. D a  ist zunächst, w as ja auch die M agistrats- koholismus ein S chritt vo rw ärts  gemacht w erden soll 
Vorlage zugibt, die Erschwerung neuer Existenzen. —  m eine H erren, von vornherein bin ich im m er 
M eine H erren, es m ag ja zutreffen, daß es nicht sehr skeptisch, so oft m an  S teu e rp län e  m it der­
wünschensw ert ist, daß in allzu großem  Um fange artigen  moralischen M otiven  verb räm t — aber ich 
sich L eute ohne die genügende Q ualifikation dem t glaube auch nicht, daß praktisch dieser Effekt auf 
G astw irtsgew erbe zuw enden. Aber auf der anderen diesem Wege erreicht w erden kann. Ic h  glaube 
S e ite  w äre es doch sehr verfehlt, den W eg einfach nicht, daß der Alkoholismus dadurch beschränkt 
zu versperren und jungen Existenzen, die von w erden w ürde. Ich  w ürde aber, selbst gesetzt es 
Hause aus unbem itte lt sind, es durch eine derartige, w äre der Fall, nicht der M einung  sein, daß eine 
ich möchte sagen plutokratischc S te u e r  unmöglich zu ungerecht wirkende S te u e r  a ls M itte l im  Kam pfe 
machen, ü b erhaup t diesem B erufe  nachzugehen, gegen den Alkoholismus statthaft ist, sondern ich 
in dem sie doch u n te r Um ständen durchaus E r­ stimme ganz dem H errn  Kollegen Hirsch zu, daß 
sprießliches leisten und es zu e tw as bringen können. dazu die Volksaufklärung und die Volksbildung 
W enn aber w eiterhin der M agistrat beklagt, daß und die soziale Hebung des Volkes dienen müssen. 
bereits u n te r den vorhandenen W irten  vielfach ein W enn H err Kollege Hirsch dam it geschlossen hat, 
Notstand herrscht, der zu unerquicklichen V erhält­ er hoffe, dieser E n tw urf werde im  Ausschusse eine 
nissen führt, so m eine ich, daß jene Verhältnisse solche Gestalt finden, daß das P l e n u m  ein ­
durch die M ehrbelastung künftig sich n u r verschärfen stimmig dagegen stimmen w ird, so erw arte  i ch 
w ürden. E s w ürden  nicht alle, welche die Absicht zuversichtlich, daß der A u s s c h u ß  schon dazu ge­
haben, G astw irt zu w erden, diesen P la n  aufgeben, langen wird, die S te u e r  abzulehnen, und daß w ir
        
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