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Periodical volume 29. Januar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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N un kommt aber noch etw as hinzu. W as ist ständigen und der Unselbständigen, von neuem  
denn das eigentlich fü r eine S te u e r, die vorge­ zu belasten.
schlagen w ird ?  D as  ist ja eine großartige S teu e r, (S e h r  richtig! bei den Sozialdem okraten.)
sie soll 480 000 M ark e in b rin g en ! D azu  m eint Ich  glaube, daß w ir u n s auf einer schiefen Ebene 
aber der M agistrat selbst: es ist n u r zu erw arten , in sozialpolitischer Hinsicht bew egen, w enn  wir 
daß sie etw a die Hälfte, 240 000 M ark, bringen die Hand dazu reichen, daß w ir einen solchen ab ­
w ird. S o  viel ich mich erkundigt habe in  W ilm ers­ schüssigen W eg betreten . D aher stimme ich m it 
dorf und überall, zuckt m an die Achseln und sagt: dem H errn  V orredner darin  vollständig überein, 
m it der S te u e r  ist absolut nichts zu machen, die es w äre peinlich, in  dem Ausschusse, w enn er 
E rträge  sind ganz gering, und w enn w ir e tw as niedergesetzt w ird, prinzipiell gegen alle Vorschlüge 
haben wollen, ist überall nichts zu holen. und A bänderungsvorschläge stimmen zu müssen: 
(Heiterkeit.) das Einfachste, G latteste und Korrekteste ist m einer 
Und eine solche S te u e r  wird vorgeschlagen, weil Ansicht nach die einfache A blehnung der V o rla g e !
ein G eldbedürfnis fü r die S ta d t vorhanden ist! (B rav o ! bei den Sozialdem okraten.)
J a ,  m eine H erren, ich kann, offen gestanden, hier­
nach dys Praktische des Vorschlags davon nicht S tad tv . M eyer: M eine H erren, n am ens
einsehen. D a  ist love‘s lab o u r lost! V erlorene einer großen Anzahl m einer F reunde  habe ich zu 
L iebesm üh ', Geld in den Stadtsäckel zu bekommen erklären, daß w ir aus wirtschaftlichen und politischen 
auf solche Weise, wo w ir u n s von vornherein G ründen  der vorgeschlagenen S te u e r  ablehnend 
sagen müssen, daß das Geld schließlich nicht h e rau s­ gegenüberstehen.
zuholen ist. E s ist von vornherein  eine ganz faule (B rav o ! bei den Sozialdem okraten.)
S te u e r, bei der wenig herauszuschlagen ist, und W as zunächst die B egründung des M agistrats 
die F reunde des kaufmännisch-gewerblichen M itte l­ an lang t, so kann ich mich in vielen Punk ten  den 
standes, welcher Fraktion  sie auch angehören, A usführungen  des H errn  Kollegen Hirsch an ­
müssen schon au s  diesem G runde die Steuer- schließen. H err Kollege Hirsch hat bereits ausge­
einfach rundw eg ablehnen. führt, wie verfehlt es ist, hier von einer Besteuerung 
(S e h r richtig! bei den Sozialdem okraten.) eines unverd ien ten  W ertzuwachses zu sprechen, 
W enn S ie  nun  fragen, m eine H erren : w om it und hat dabei das Hauptgew icht darauf gelegt, 
kann m an  dem G eldbedürfnis abhelfen? —  so daß es sich nicht um  etw as U n v e r d i e n t e s  
hat ja der H err V orredner schon ausgeführt, wie handelt, sondern daß der G ew inn, der sich ergeben 
m an  es machen kann. E r hat allerdings hinzu­ könnte, im wesentlichen gewöhnlich begründet 
gefügt, w enn 110%  Zuschlag zur E inkom m en­ sein w ird in  der persönlichen Q ualifikation und den 
steuer genom m en w erden, daß dann  die B esorgnis Leistungen des G astw irts. Ich  möchte noch hinzu­
vorhanden ist, es w ürden eine Anzahl von M it­ fügen, daß es auch k e i n  W e r t z u w a c h s  im 
bürgern den C harlo ttenburger S a n d  von ihren eigentlichen S in n e  ist, der m it dieser S te u e r  ge­
Füssen schütteln und wo anders hinziehen. troffen w erden w ürde, und darin  unterscheidet sich 
(S ta d tv . Hirsch: I c h  fürchte es nicht!) diese S te u e r  gerade von der W ertzuwachssteuer. D ie W ertzuwachssteuer saßt die positive S te ig e ­
Ic h  lenke aber die Aufmerksamkeit auf eine ganz rung  in s  Auge, die von einem  Besitzerwerb zum 
andere Sache. I s t  denn eine Progression beispiels­ anderen in  dem  W erte eines Grundstückes wirk­
weise in der allgem einen G ew erbesteuer vor­ lich erzielt w ird: sie richtet sich nach der Höhe des 
h an d en ?  D ie G ew erbesteuer fängt an  m it 2/ 3 %  tatsächlich erlangten G ew inns. D ie Schankkon- 
bei einem  Einkom m en von 1500 M ark und endet zessioussteuer aber, m eine H erren, soll erhoben 
bei 1%  bei einem  Einkom m en von 50,000 M ark w erden ohne Rücksicht auf die Höhe des G ew inns, 
au fw ärts  bis einer halben M illion  und d a rü b e r ! ohne Rücksicht darauf, ob der .Konzessionsempfänger 
I s t  denn das eine Progression? Und w enn S ie  einen G ew inn ü b erhaup t wird erzielen können, 
sich heute die Verhältnisse ansehen, wie beispiels­ ja ohne Rücksicht darauf, ob nicht sogar Verluste 
weise die E innahm en au s der Gew erbesteuer e in tre ten  w erden.
gestiegen sind, vom J a h re  1900 bis 1905 sage um  W eiter w ird in der M agistratsvorlage ein 
hunderttausend M ark —  ein B ew eis, daß fast H auptgew icht auf die . Beschränkung der Kon­
das ganze Anwachsen von H andel, G ew erbe und kurrenz und die entsprechende S te ig eru n g  des 
In d u strie  der Gewerbesteuerklasse 1 zugefallen E rtrag es"  gelegt. A us zwei Gesichtspunkten her­
ist — , dann w erden S ie  m ir doch einräum en, au s  halte ich diese B egründung  fü r grundsätzlich 
daß gerade diese Klasse ganz gut 2 %  von der verfehlt. W enn die Beschränkung der Konkurrenz 
Gew erbesteuer m ehr geben kann. P a ra g ra p h  31 gewünscht w ird, so v e rtritt hier der M agistrat einen 
des Gewerbesteuergesetzes gibt dem M agistrat künstlerischen Gedanken, den m eines Erachtens 
vollständig das Recht, einen nach den Klassen u n te r  keinen Umständen liberale M än n e r au f­
verschiedenen Prozentsatz zu bemessen. nehm en können.
W as die A bw anderung betrifft, so m uß ich (B ra v o !)
sagen : B erlin  hat doch eine höhere Gew erbesteuer, D ie Beschränkung der Konkurrenz ist ja für das 
a ls 100%  der staatlichen V eranlagung, und ich W irtsgew erbe bereits, wie der M agistrat richtig 
habe noch nicht gehört, daß desw egen G ew erbe­ hervorhebt, im  gewissem M aße durch die Kon­
treibende von B erlin  nach C harlo ttenburg ab­ zessionspflicht vorhanden. W ir sollten das aber 
gew andert sind, weil sie in C harlo ttenburg eine nicht dadurch verstärken, daß w ir eine S te u e r  der­
geringere G ew erbesteuer zu zahlen haben. N e in ! a rt, wie sie der M agistrat vorschlägt, hinzufügen, 
Als P rin z ip  m uß, glaube ich, d a ran  festgehalten eine S te u e r, welche —  und das ist der zweite 
w erden, daß, w enn ein G eldbedürfnis vorhanden hier in B etracht kommende Gesichtspunkt —  da­
ist, heute die allerschlechteste Z eit ist, um  gerade zu führen w ürde, die G roßbetriebe zum Nachteile 
die 90%  der wirtschaftlich Schwachen, der S e lb ­ der m ittleren  und kleinen zu fördern. D enn , m eine
        
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