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Periodical volume 29. Januar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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Auffassung nach gibt es n u r eine einzige gerechte S te u e r  erklären, die den gewerblichen und kauf- 
S teu e r, und das sind, soweit die K om m unen in B e ­ ; tnäm üichen M ittelstand belastet, und ich sehe hier 
tracht kommen, d i r e k t e  Z u s c h l ä g e  z u r  i  eine S teu e r, die das gerade tu t, die gerade den 
E i n k o m m e n  st e u e  r. Ich  habe ja  w iederholt I Zweck hat, die Existenzverhältnisse einer großen 
betont, daß ich gar kein Bedenken trage, auch Klasse, einer sehr großen Reihe von B etrieben  
Einkommensteuerzuschlägeu über 100"/, h inaus das ' des gewerblichen S ta n d e s  von neuem  zu belasten. 
W ort zu reden. Ic h  habe das vor etw a y2 J a h r  Ich  m uß sagen, ich persönlich bedauere es außer­
hier betont. E s ist m ir auch bei den W ahlen im ordentlich, daß in dieser Hinsicht der M agistrat 
W ahlkampf von gegnerischer S e ite  vorgehalten einen Schritt auf dem abschüssigen sozialpolitischen 
und darauf hingewiesen w orden: da  seht, w as das Wege gemacht hat, der bei der Rücksichtnahme auf 
für ein Kerl ist; w enn der gew ählt w ird, w erden die hum anen  Bestrebungen des J a h rh u n d e rts  
sofort sämtliche S te u e rn  erhöht! M eine H erren, und bei der Fürsorge für die arbeitnehm ende 
m it solchen R edensarten  kann m an doch wirklich Bevölkerung die selbständige B evölkerung, so­
n u r politische K inder graulich mache,:. W ie ist es weit sie eben wirtschaftlich schwach ist, vollständig 
denn m it den direkten Zuschlägen? N ehm en w ir außer Auge läßt. M eine H erren , w ir müssen uns 
selbst au, w ir erheben einen Steuerzuschlag von doch die F rage  vorlegen: wieso kommt es denn, daß 
10%  m ehr, a ls w ir jetzt haben, also einen Zuschlag eine so außerordentlich große Anzahl von G astw irt­
von 110% , dann  w ürde die Klasse der Bevölkerung, schaften sich nicht allein in C harlo ttenburg , sondern 
die u n te r 900 J t  Einkommen hat, nach wie vor überall e ta b lie r t? — Doch nicht, weil das so ein außer­
keine S te u e rn  zahlen. B ei 1500 M  Einkom m en ordentlich leichtes und schönes G ew erbe ist, von 
w ürde die M ehrbelastung pro J a h r  nur 1,60 M  m orgens früh bis zum  anderen  M orgen  wieder 
ausm achen, bei 3000 M  Einkom m en 5,20 M , und den Gästen zur V erfügung zu stehen, sondern 
erst bei ganz hohen Einkommen w ürde die S te u e r  weil es in der ganzen Entwicklung unserer gew erb­
überhaup t in Erscheinung tre ten , bei 100 000 M  lichen Verhältnisse begründet ist. Und w enn S ie  
m it 400 -M und so fort. D a s  ist eine gerechte S teu e r, sich ins Gedächtnis zurückrufen, daß von 1882, 
aber vor dieser S te u e r  scheuen S ie  leider zurück, der drittletzten G ew erbezählung im  Reiche, bis 
weil S ie  die Besitzenden nicht belasten wollen. zur vorletzten im  J a h re  1895 die Z ah l der H and­
E s ist ja  öfter, m ehr a ls einm al hier in  diesem werks- und industriellen B etriebe außerordentlich 
S a a le  erklärt w orden, daß dann die reichen Leute zurückgegangen ist, daß eine M enge Kleinfabrikanten 
sofort nach B erlin  ziehen und n u r  die A rm en und und H andwerker au s  den B etrieben verdrängt 
der M ittelstand in C harlo ttenburg  bleiben w ürden. w orden sind und daß sich diese durch die groß­
W eil S ie  das nicht wollen, darum  scheuen S ie  vor kapitalistischen Aktien- und sonstigen U nterneh- 
dieser einzigen gerechten S te u e r  zurück, und darum  ; m ungen  gezw ungen gesehen haben, andere E r- 
w ird der M agistrat auch erm utig t, zu einem  so ; werbszw eige zu suchen: den K leinhandel, den 
ungerechten S teuervorschlag zu greisen. G astw irtsbetrieb, so w erden S ie  sehen, daß im 
M eine H erren , außer den direkten Zuschlägen G astw irtsbetriebe sehr viele Existenzen sind, die 
zur Einkom m ensteuer haben S ie  noch eine S teu e r, au s  dem industriellen B etriebe durch das G roß­
die recht viel einbringt, eine S teu e r, der in dem  kapital verdrängt w orden sind und, da sie doch 
W ahlkampf wenigstens von allen S e iten  das W ort F ra u  und Kinder und sich selbst e rnähren  müssen, 
geredet w orden ist: die W e r  t z u w a ch s st e u e r. eben dazu greifen, wozu sie greifen können, also 
J a ,  w arum  un te rb re ite t denn der M agistrat der m it Lebensbedürfnissen, m it Z igarren , m it S p ir itu s  
V ersam m lung nicht eine solche V o rlag e?  D er und m it dergleichen D ingen  zu handeln  und auch 
M agistrat wird doch gewiß auch Z eitungen  lesen, das G astw irtsgew erbe zu ergreifen und sich darin  
er wird doch wissen, daß sich sämtliche K andidaten ehrlich zu ernähren . E s zeigt sich ja denn auch, 
gleichviel welcher P a r te i, in dem W ahlkam pf für daß tatsächlich seit dem J a h re  1882 bis 1895 eine 
die E inführung  einer W ertzuwachssteuer ins Zeug ganz ungeheure V erm ehrung der G astw irts­
gelegt haben. D ie S te u e r  w ürde also ohne D ebatte  betriebe stattgefunden hat. W ä h re n d . die H and­
angenom m en w e rd e n ! A ber davon will der werks- und industriellen B etriebe in  diesem Z eit­
M agistrat anscheinend nichts wissen. raum e um  5 P ro zen t abgenom m en haben, sind 
V on dem H errn  R eferen ten  ist die Über­ die G astw irtsbetriebe um  40 P ro zen t die Klein­
weisung der V orlage an  einen Ausschuß bean trag t handelsbetriebe um  50 P ro zen t gestiegen. Ich  
w orden. O ffen gestanden hätte  ich Lust, gegen glaube, es bedarf doch bloß des Hinweises, daß 
diesen A ntrag auf A usschußberatung zu stimmen, diejenigen, die einen R ettungsanker in der im m er 
denn die V orlage verdient es nicht, daß w ir uns fortschreitenden großkapitalistischen B ew egung 
erst noch in einem  Ausschuß m it ihr befassen. D as  suchen, die im m er n u r  den H andwerker und den 
Beste w äre es, w enn w ir sie gleich im  P len u m  K leinfabrikanten ausschaltet, doch nun  nicht von 
ablehnten. ! neuem  in ihrem  E rw erbe gestört und ganz u n ­
(S e h r rich tig !) verhältn ism äßig  belastet w erden sollen. —  M eine 
W ir w erden ja  aber leider nichts daran  ändern H erren, w enn ich heute eine V orlage lese, wonach 
können, die H erren w erden einen Ausschuß ein­ ein B etrieb , der zur Gewerbesteuerklasse 4 gehört, 
setzen, und sie werden sich auch im  Ausschuß M ühe also im  besten F a lle  e tw as über 1500 M ark Nutzen 
geben, au s  der V orlage etw as B rauchbares zu abw irft, m it einer E rlaubnissteuer von 800 M ark 
machen. Ich  darf vielleicht m einerseits die Hoff­ belegt w erden soll,
nung  aussprechen, daß im Ausschuß die V orlage (Z u ru f: E in m a l!)
eine solche G estaltung erfährt, daß sie bei der zw eiten —  e in m a l! —  so m uß ich sagen, daß das eine ganz 
Lesung im  P len u m  einstimmig abgelehnt w ird. abnorm e S u m m e ist, und daß m an  sich w ohl in 
(B rav o ! bei den Sozialdem okraten.) den Kreisen, die diese S te u e r  vorgeschlagen haben, 
von den kleinen Verhältnissen, in denen da gear­
S ta d tv . L ifsauer: M eine H erren, ich für beitet w ird, keine Vorstellung macht.
meine Person werde mich stets gegen j e d e (S e h r  richtig!)
        
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