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Periodical volume 29. Januar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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Die G astw irte w erden gezwungen fein, schließlich, der Alkoholismus zu Hause. Also, m eine H erren, 
dazu überzugehen, dem  Publikum  schlechtere W are w i r  s i n d  b e r e i t ,  m i t  I h n e n  d e n  
anzubieten. E s wird statt des B ieres w ieder der K a m p f  g e g e n  d e n  A l k o h o l i s m u s  
Schnapsgenuß überhand nehm en, und zw ar der z u  f ü h r e n .
S chnapsgenuß in seiner allerschädlichsten F o rm . (B ra v o !)
D ie Leute w erden statt der gu ten  W are, die sie bisher Aber nicht in der Weise, wie S ie  es wollen, 
bekommen haben, schlechte W are geliefert erhalten. durch S trangu lierungssteuern , sondern indem  w ir 
E in G rund , den der M agistrat anführt, ist Aufklärung in der Arbeiterklasse verbreiten, und 
scheinbar stichhaltig, nämlich der H inw eis auf den indem  w ir dafür sorgen, daß die s o z i a l e n  
A ufw and an  Arbeit fü r die P rü fu n g  der Kon­ V e r h ä l t n i s s e  v o n  G r u n d  a u s  g e ­
zessionsgesuche. J a ,  m eine H erren, gewiß erfordert b e s s e r t  w e r d e n .
das A rbeit; aber ich weiß nicht, ob diese Arbeit D ie V orlage, in  der sich ja überhaup t der 
so groß ist, daß sie m it %  M illion  jährlich bezahlt M agistrat von einer ganz neuen S e ite  produziert, 
w erden m uß. S o llte  das der F a ll sein, so wünschte von der ich ihn bisher noch nicht kennen gelernt 
ich m ir nichts sehnlicher, a ls n u r ein einziges J a h r  habe, nämlich als eine A rt Zahlenjongleur, die 
lang alle Konzessionsgesuche zu p rü fen . Ich  V orlage rechnet sogar heraus, daß die G astwirte 
w ürde mich dann zur Ruhe fetzen können. | von der S te u e r  noch V orteile haben w erden.
(Heiterkeit.) (S e h r  richtig!)
Auf die allgem einen W irkungen der S te u e r D as  ist m ir ganz neu. Ich  habe bisher noch 
in sittlicher Hinsicht will ich hier nicht eingehen. nicht gefunden, daß jem and bei einer S te u e r  noch 
D as  wird von einem  m einer F reunde nachgetragen etw as verdient, außer denjenigen, die die S te u e r 
w erden. Ich  möchte n u r kurz darauf hinweisen, erheben; daß diejenigen, die die S te u e r zahlen, 
daß das, w as der H err B erichterstatter angeführt davon noch V orteile haben, ist m ir e tw as ganz 
hat, nämlich die angebliche Bekäm pfung des Al­ N eues, und ich bin sehr begierig darauf, wie der 
koholismus, durch die S te u e r  nicht erreicht wird. M agistrat diese B ehaup tung  begründen wird.
D er H err R eferen t hat auf die P erhand lungen  des W enn dann  der M agistrat darauf hinweist, 
Essener P a rte ita g e s  hingewiesen. Ob er sie au s­ wie sittlich gefährdet die Kinder der Gastw irte 
führlich gelesen hat, weiß ich nicht: nach dem, w as dadurch sind, daß es an den nötigen R äum en fehlt, 
er hier angeführt hat, möchte ich daran  zweifeln. daß sie sich in der Wirschaft aufhalten  müssen und 
M eine H erren, in dem R efera t auf dem  Essener dergl., ja, dann sollte er nicht vergessen, daß gerade 
P a rte ita g  über Alkoholismus hat der R eferen t den durch diese S te u e r  die kleinen G astw irte gezw ungen 
S tan d p u n k t eingenom m en, den m eine P a r te i­ w erden, sich in ihren W ohnungsverhältnissen noch 
freunde von jeher eingenom m en haben. W ir haben m ehr einzuschränken. D a s  Übel also, das er be­
nämlich im m er die Wechselwirkung zwischen Alko­ kämpfen will, wird in w eit höherem  M aße noch 
holism us und N ot betont. W ir stehen nicht auf dem grassieren als jetzt.
S tandpunk t —  und die E rfahrung  gibt u n s darin  N un , m eine H erren, haben ja  auch —  nicht 
Recht — , daß unbedingt im m er der Alkoholismus die V orlage und auch nicht der H err R eferen t, 
das P rim ä re  und die wirtschaftliche N ot das S e ­ aber doch in Privatgesprächen —  verschiedene 
kundäre ist, sondern vielfach trifft gerade das unserer H erren Kollegen es so dargestellt, a ls ob der 
Umgekehrte zu: vielfach tre ib t erst die wirtschaftliche Alkoholismus eigentlich eine Krankheit ist, die sich 
N ot die Leute in die K neipen, nam entlich die hauptsächlich oder ausschließlich in der A rbeiter­
W ohnungsnot. D er Umstand, daß die Leute, w enn schaft findet. I n  Wirklichkeit ist das nicht der F all. 
sie nach Hause kommen, keine vernünftige W ohnung Ich  brauche Ih n e n  das nicht näher auszuführen. 
haben, tre ib t sie dazu, den Abend außerhalb ihres Es gibt keine Klasse der Bevölkerung, die davon 
Heim s zu verbringen. Auch die U nterernährung  : verschont ist, und w er sich frei fühlt, der möge den 
spielt eine ganz gew altige Rolle in der F rage  des ersten S te in  w erfen.
Alkoholismus. E s spielen hier tausend M om ente (Heiterkeit.)
m it, auf die ich natürlich nicht alle eingehen kann. J a ,  m eine H erren, es soll sogar sehr ehrsame 
W enn m an wirklich dem Alkoholismus zu Leibe S ta d tv ä te r  geben, die sich als ganz trinkfeste H erren 
gehen will, dann  soll m an es nicht durch derartige erwiesen haben.
Prohibitivsteuern  tun , P rohibitivsteuern , die be­ (E rneute  Heiterkeit.)
kanntlich sich dadurch auszeichnen, daß sie niem als D er M agistrat hat allerdings in  letzter Z eit in 
prohibitiv wirken, sondern dann  soll m an die dieser Hinsicht viel zu wünschen übrig gelassen.
s o z i a l e n  V e r h ä l t n i s s e  b e s s e r n ,  (G roße Heiterkeit.)
dann  soll m an  dafür sorgen, daß die A r b e i t e r ­ Ich  w ill die G ründe nicht näher untersuchen. 
k l a s s e  s i ch a n s t ä n d i g  e r n ä h r e n  kann, W enn m an aber diese V orlage sich ansieht und die 
dann  sorge m an dafür, daß die A r b e i t e r ­ i  sonstigen Verhältnisse berücksichtigt, dann  könnte 
k l a s s e  v e r n ü n f t i g  w o h n t ,  dann ver­ m an, w enn m an boshaft sein w ollte, w as ich n a tü r 
breite m an  vor allen D ingen A u f k l ä r u n g  lich nicht bin, zu dem Ausspruch kom m en: hinc 
i n  d e r  A r b e i t e r k l a s s e .  E in wie w ich tiges( illae lacrimae!
M om ent gerade die Aufklärung im  Kam pfe gegen (G roße Heiterkeit.)
den Alkoholismus bildet, das bedarf keines B e­ M eine H erren, der springende P unk t der ganzen 
weises w eiter. S ie  brauchen nur einm al einen V orlage ist der, daß der M agistrat Geld braucht. 
Vergleich anzustellen zwischen dem Alkoholkonsum D a s  fühle ich ihm  nach. Aber w enn m an  Geld braucht, 
in S tä d te n  m it einer kräftigen, organisierten dann  soll m an  doch nicht zu derartigen M itte ln  
Arbeiterschaft und in den S tä d te n , wo die A rbeiter greifen und eine S ondersteuer für eine bestimmte 
noch nicht sich organisiert haben, in den Gegenden, Klasse der Bevölkerung erlassen, sondern da soll 
wo die A rbeiter für nichts In teresse  haben, wo sie m an sämtliche Kreise der Bevölkerung gerecht in 
ü berhaup t keiner F rag e  des öffentlichen Lebens gleicher Weise besteuern. Aber davon will der 
irgendwelches In teresse  entgegenbringen. D a is t ! M agistrat anscheinend nichts wissen. M einer
        
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