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Periodical volume 16. Dezember 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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V erneinung dieser F rage  kommen, dann  müssen sagen, daß die B ehaup tung  des H errn  S tad tv . 
wir auch zugeben, daß jede S ta d t verpflichtet ist, Hirsch, bei den N otstandsarbeiten  im engeren S in n e  
für N otstandsarbeiten  im  engeren S in n e  einen —  ganz gleich, ob er von der S ta d t  C harlo ttenburg 
Lohn zu zahlen, der einigerm aßen dem o rts­ gesprochen hat oder nicht —  handle es sich um  eine 
üblichen Tagelohn entspricht. M eine H erren, Ausnutzung der N ot des A rbeiters, so verkehrt ist 
tatsächlich hat unsere S ta d t C harlo ttenburg  nicht wie n u r irgend möglich.
im m er den Lohn gezahlt, der dem ortsüblichen (B ra v o ! —  Widerspruch und Z urufe  bei den 
Tagelohn entspricht. W ir haben ja  selbst einen Sozialdem okraten .)
Bericht des M agistrats bekommen, wonach bei den W enn bei den verschobenen oder verfrühten A rbeiten 
Arbeiten auf dem Steinplatz beim  Steineklopfen diese geringeren Löhne gezahlt w ürden, dann 
in 8 1 /2  S tu n d en  e tw as über 2 M  verdient worden könnte m an  vielleicht davon sprechen, denn diese 
sind —  also ein Verdienst, der sich auf 25 H  pro A rbeiten müssen zu irgendeiner Z eit gemacht 
S tu n d e  beläuft. D as halte ich nicht fü r einen w erden. E s ist aber H errn  S tad tv . W ill gegenüber 
auskömmlichen Verdienst. von H errn  S ta d tra t Dr Jastro w  ausdrücklich hervor­
H err Kollege W öllm er hat die Ä ußerungen gehoben worden, daß bei diesen Arbeiten die von 
m eines F reundes Zietsch vollkommen falsch ver­ ihm bem ängelten Löhne nicht gezahlt w erden. 
standen. E r sagt, Kollege Zietsch hätte  angeführt, Bei den eigentlichen N otstandsarbeiten dagegen 
der größte Teil bei' Arbeitslosen bestehe aus organi­ tu t die S ta d t e tw as zum mindesten n u r bedingt 
sierten A rbeitern. D as stimmt gar nicht. Herr- W ünschenswertes, vielleicht nicht ganz überflüssiges, 
Kollege Zietsch hat von qualifizierten A rbeitern lediglich im  In teresse der A rbeiter. Und ich sollte 
gesprochen. D an n  m einte H err Kollege W öllmer, m einen, gerade fü r diese Fürsorge verdiente sie 
es müsse Aufgabe der O rganisationen sein, für die Dank.
Arbeitslosen zu sorgen. H err Kollege W öllm er (S e h r richtig!)
sollte doch wissen, daß die A rbeiterorganisationen 
ja  schon den öffentlichen Körperschaften, dem D as G egenteil ist der F all. M eine H erren, ich bin 
S ta a t ,  dem  Reich, den G em einden, den größten fest davon überzeugt, daß sowohl I h r  soziales 
T eil ih rer Verpflichtungen abgenom m en haben. E m pfinden  wie das des M agistrats viel zu sehr 
(Z u ru f: A bgenom m en?) gefestet ist, um  sich durch derartige Angriffe irr i­
D ie S u m m en , die die Gewerkschaften, und zw ar tieren  zu lassen.
nicht n u r die freien Gewerkschaften, sondern auch (B ra v o !)
die Hirsch-Dunckerschen, die christlichen Gewerk­ W er allerdings in der sozialen Arbeit auf Dank 
schaften rechnet, der soll lieber die F inger davon lassen.
(Z u ru f: D ie gelben!) (S eh r richtig!)
—  nein, die gelben nicht! —  fü r A rbeiterunter­ N ur w enn m an  darauf von vornherein verzichtet, 
stützungen zahlen, gehen in die M illionen. Allein dann kann m an  sachgemäß und sicher Sozialpolitik 
im  J a h re  1907 haben die drei von m ir genannten treiben. Ich  hoffe, in  diesem S in n e  w erden wir 
gewerkschaftlichen O rganisationen zusam m en 7%  w eiter in  unserer V erw altung  arbeiten.
M illionen fü r Arbeitslosenunterstützung ausgegeben. (Lebhafter B eifall.)
Diese S u m m e erscheint erst im  rechten Lichte, 
w enn S ie  bedenken, daß sie pfennigweise von den (D ie B era tu n g  wird geschlossen. D er F ra g e ­
A rbeitern aufgebracht wird. H ier sehen S ie  also, steller S ta d tv . Zietsch verzichtet auf das Schluß­
daß die A rbeiter tatsächlich jahrelang gespart haben, w ort.)
um  in  Z eiten  der N ot durch ihre Gewerkschaften 
unterstützt zu werden. D as  sollte auch fü r die­ Vorsteher K au fm an n : W ir verlassen den
jenigen, die sich so oft ein V ergnügen darau s Gegenstand der A nfrage und kommen zur Ab­
machen, gegen die Gewerkschaften loszuziehen, stimmung über die M agistratsvorlage N r. 20.
eine Lehre sein, daß sie den erzieherischen Charakter 
der Gewerkschaften doch etw as m ehr w ürdigen. (D ie V ersam m lung beschließt nach dem A ntrage 
N un  m einte H err Kollege W öllm er —  das des M agistrats, wie folgt:
ha t mich am  meisten gew undert — , w enn die D ie E ta tsn u m m er O rd. K apitel X  Abschn. 10 
G em einden den Gewerkschaften einen Zuschuß N r. 3 wird um  3 361,91 M  au s  dem D is­
zur Arbeitslosenunterstützung gew ährten, so w äre positionsfonds verstärkt.)
das eine V erbindung von Versicherung und U nter­
stützung. J a ,  m eine H erren, w er allerdings auf M eine H erren, ich bitte S ie , noch e tw as G eduld 
dem S tandpunk t steht, daß eine kom m unale A rbeits­ zu haben und —  hoffentlich in  sehr kurzer Z eit — 
losenversicherung, daß Zuschüsse zu den gewerk­ den Fragebogen zu erledigen, dam it w ir keine neue 
schaftlichen Arbeitslosenversicherungen nichts w eiter Sitzung m ehr anzuberaum en brauchen.
sind als eine Unterstützung, daß darau s eine V er­
bindung von Versicherung und Unterstützung resul­ P unk t 22 der T ageso rdnung :
tiert, der h a t das Wesen der kom m unalen A rbeits­
losenversicherung überhaup t nicht begriffen. Ich  M itteilung des Vorstandes betr. Kontrolle über 
hoffe, daß in dieser Beziehung die E rörterungen  die A usführung der Beschlüsse der S tad tverord ­
in  der gemischten D epu ta tion  auch fü r H errn  neten»» erfa m m lung . —  Drucksache 480.
Kollegen W öllm er recht lehrreich sein werden.
D eu F ragebogen w erden wir, wie es im m er 
Bürgerm eister M a ilin g : M eine H erren, ich Brauch w ar, behandeln. Ich  lese die N um m er 
habe zw ar selbst gebeten, sich heute nicht allzu weit j der F rage  vor und werde annehm en, w enn sich 
auf theoretische E rö rte rungen  einzulassen. Ich  i n iem and zum W orte m eldet, daß S ie  m it der E n t­
m uß trotzdem auf die theoretischen E rö rte rungen  scheidung, die I h r  Vorstand getroffen hat, e in ­
des H errn  S tad tv . Hirsch das W ort ergreifen und I verstanden sind.
        
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