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Periodical volume 16. Dezember 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

Dieser Teil des Ausschußbeschlusses ist einstimmig sei, nur eine zufällige gewesen sei. M eine Herren, 
gefaßt worden. das stimmt nicht. Nach meinen Erfahrungen 
Die große M ehrheit des Ausschusses war aber verhält es sich so, daß der damalige Ausschuß 
weiter der Ansicht, daß es sich doch empfehle, aus sozialpolitisch fortgegeschrittenen M itgliedern 
seitens der Versammlung auszusprecheu, daß m an der Versammlung zusammengesetzt und der 
an sich einer Herabsetzung der Arbeitszeit, wenn sie Beschluß wohl überlegt war.
sich technisch und finanziell ermöglichen lasse, sym­ (Unruhe.)
pathisch gegenüberstehe, Dieser Beschluß ist nicht ein­
stimmig, sondern gegen eine Minderheit von einigen Vorsteher Kaufmann (unterbrechend): M eine 
S tim m en gefaßt worden. Ich möchte Ih n e n  aber Herren, ich möchte S ie  bitten, die allzu lebhaften 
dringend empfehlen, meine Herren, daß S ie diese Zwiegespräche etwas einzuschränken und dem 
Sympathiekundgebung hier möglichst einstimmig Redner aufmerksam zuzuhören.
beschließen. Ich möchte S ie  darauf aufmerksam 
machen, daß in den Jah ren , die seit der ersten Stabtb. Hirsch (fortfahrend): Wäre nicht der 
Beratung dieser Angelegenheit verflossen sind, neue Ausschuß, dem der Antrag zur nochmaligen 
die Einführung einer kürzeren Arbeitszeit in be­ Erörterung überwiesen wurde, in  einer Weise er­
hördlichen Betrieben anderw ärts Fortschritte ge­ gänzt worden, daß m an von vornherein sagen 
macht hat, daß auch die Haltung unseres M agistrats konnte: die Herren, die hinzugewählt sind, sind 
entschieden freundlicher geworden ist, wie daraus Gegner des Neunstundentages, daun wäre 
hervorgeht, daß er sich mit den M agistraten der sicher auch von dem neuen Ausschuß unser Antrag 
Nachbargemcinden wegen der Regelung dieser angenommen worden.
Frage in  Verbindung gesetzt hat. Ich möchte Wir können um so eher die neunstündige 
weiter darauf aufmerksam machen, daß auch in Arbeitszeit einführen, als die dadurch entstehenden 
einem früheren S tadium , als die Frage au den Aus­ Mehrkosten für die S tad t tatsächlich gering sind: 
schuß zurückverwiesen wurde, von den W ortführern S ie ersehen aus dem Berichte des Ausschusses, 
der M ehrheit dem Ausdruck gegeben wurde, daß daß das M ehr sich auf etwa 135 000 Mark 
sie an sich der Frage durchaus wohlwollend gegen­ belaufen wird. Dabei ist allerdings angenommen, 
überstünden. Ich glaube, daß es nach dem S tande daß die Herabsetzung der Arbeitszeit von 10 auf 
der Angelegenheit, nach den Fortschritten, welche 9 S tunden  auch eine entsprechende Verringerung 
die Entwicklung des Gedankens einer Verkürzung der Produktion zur Folge haben wird. M eine 
der Arbeitszeit an so vielen Orten gemacht hat, Herren, S ie  haben nicht berücksichtigt, daß eine 
der Charlottenburger Stadtverordnetenversam m ­ ganze Reihe von Erfahrungen vorliegt, wonach 
lung wohl ansteht, auch ihrerseits eine Sym pathie in Betrieben, die die Arbeitszeit verkürzt haben, 
mit diesem Gedanken zum Ausdruck zu bringen. trotz der verkürzten Arbeitszeit das gleiche, ja 
Ich empfehle Ih n e n  somit die Annahme des Aus« noch mehr geleistet worden ist als früher. Wenn 
' schußbeschlusses. wir das berücksichtigen, dann wird sich zweifellos 
ein noch günstigeres Resultat ergeben, dann wird 
Stabtb. Hirsch: M eine Herren, meine die Sum m e von 135 000 M  bei weitem nicht er­
Freunde werden dem Antrage des Ausschusses reicht werden. Wir werden ja bei der E ta ts­
zustimmen. Ich  hoffe auch, daß die große M ehr­ beratung näher darauf zurückkommen.
heit der Versammlung die Haltung des Aus­ Ich möchte bei dieser Gelegenheit gleich be­
schusses billigen wird. Aber ich möchte Sie merken, daß wir bei der Etatsberatung nicht nur 
dringend bitten, es nicht bei der Sym pathiekund­ m it der Forderung des neunstündigen Arbeits­
gebung bewenden zu lassen, sondern auch dafür tages hervortreten, sondern daß wir uns auch der 
zu sorgen, daß die Forderungen, die der Ausschuß, übrigen Forderungen der städtischen Arbeiter an ­
vorläufig allerdings nur theoretisch, aufgestellt nehmen werden. Diese haben schon vor länger 
hat, in die P rax is übertragen wird. Wenn als Jahresfrist wiederholt Eingaben dem Magistrat 
wir uns mit dem Antrage des Ausschusses be­ übersandt und eine Reihe von Forderungen auf­
gnügen, so geschieht das aus dem Grunde, gestellt, bisher aber noch nicht einmal eine Ant­
weil wir eingesehen haben, daß einstweilen wort darauf bekommen. S ie  haben erst neulich 
bei der Geschäftslage — der Ausschuß mußte wieder in einer Resolution, die, soviel ich weiß, 
ja seine Arbeiten bis Ende des Jah res  voll­ der Stadtverordnetenversam mlung übersandt wor­
enden —  nicht mehr zu erreichen war. Wir den ist oder übersandt werden soll, ihre Forde­
sind aber fest entschlossen, jede Gelegenheit bei der rungen zusammengefaßt. Ich hoffe, daß der 
E tatsberatung zu benutzen, um  unsere prinzipielle M agistrat endlich einmal auf die Forderungen der 
Forderung durchzusetzen. Die prinzipielle F or­ städtischen Arbeiter eingehen wird.
derung ist die Erreichung einer achtstündigen Ich möchte dann noch an den M agistrat eine 
Arbeitszeit. Wir sind aber zufrieden, wenn wir Anfrage richten. S ie  sehen aus dem Protokoll 
vorläufig als E tappe auf dem Wege zu diesem des Ausschusses, daß der Herr Bürgermeister in 
Ziele wenigstens den Neunstundentag erreichen. der ersten Sitzung des Ausschusses mitgeteilt hat, 
D er Herr Referent hat die Geschichte unseres der M agistrat habe beschlossen, über die Frage der 
Antrages Ih n e n  in so ausführlicher Weise ge­ Einführung der neunstündigen Arbeitszeit m it den 
schildert, daß es sich für mich erübrigt, darauf ein­ Gemeinden G roß-Berlins in Verbindung zu treten, 
zugehen. N ur eine einzige Bemerkung des Herrn und daß von B erlin eine grundsätzlich zustimmende 
Referenten möchte ich doch zurückweisen. Der Antwort eingegangen sei —  allerdings grund­
Herr Referent führte aus, daß bereits vor Jah ren  sätzlich zustimmend nicht in dem S inne, daß Berlin 
sich der Ausschuß, dem unser Antrag überwiesen sich etw a für die neunstündige Arbeitszeit au s­
war, für die Einführung der neunstündigen Ar­ gesprochen hat, sondern daß es dabei ist, diese 
beitszeit ausgesprochen hätte, und er fügte hinzu, F rage zu behandeln. I n  einer zweiten Sitzung 
daß die M ehrheit, die da zustande gekommen am 23. Oktober dieses Jah res  ist dann mitgeteilt
        
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