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Periodical volume 2. Dezember 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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(D ie B era tung  wird geschlossen. D ie V er-i S ta d tv . Gebert (fo rtfah rend): Ich  werde
sam m lung beschließt nach dem  A ntrage des P e titio n s­ dann die „B eraubung" zurücknehmen und sagen: 
ausschusses, die P e titio n  I  dem M agistrat als m an sucht den A rbeitern  das Recht, das K oalitions­
M ateria l zu überw eisen.) recht auszuüben, zu beschneiden. D as  ist ja  im  
G runde genom m en dasselbe.
Vorsteher K aufm ann: (Heiterkeit.)
I I N un, m eine H erren, w ir haben beispielsweise 
I I .  P e t i t i o n  d e s  d e m o k r a t i s c h e n  V erbindungen m it dem H errn U nternehm er Göhrke, 
V  e r e i n s  b e t r .  V e r g e b u n g  Christstraße, welcher die F uhren  fü r die K anali­
s t ä d t i s c h e r  L i e f e r u n g e n .  —  sationsdeputation  auszuführen hat. Dieser H err 
Drucksache 447. U nternehm er hat vor gar nicht allzu langer Zeit 
Berichterstatter S tabtb . Klick: M eine Herren, einen A rbeiter au s  seinem B etriebe entlassen, und 
der demokratische V erein von C harlo ttenburg  bittet da dieser A rbeiter selbstverständlich leben will, 
die S tad tverorductcn-V ersam m lung , zu beschließen: m ußte er sich um  andere Arbeit beküm m ern. H err 
städtische L ieferungen und A rbeiten n u r an Göhrke w ar so freundlich, nach dem neuen A rbeit­
solche L ieferan ten  und A rbeitgeber zu vergeben, geber herüberzugehen und dem neuen A rbeitgeber 
die ihren  Angestellten und A rbeitern  volle zu sagen: „D er betreffende A rbeiter ist im V erbände, 
Koalitionsfreiheit g cw äh m t und eine en t­ ist organisiert, den dürfen S ie  nicht m ehr beschäftigen."
sprechende Bestim m ung in  alle L ieferungs­ (Z u ru f: Frechheit!)
und A rbeitsbedingungen aufzunehm en. Nebenbei will ich bemerke», daß dieser neue A rbeit­
D e r P e titio n  ist keine B egründung beigefügt. geber seine S ta llu n g en  in den R äum en  des H errn 
I h r e  Veranlassung dürfte wohl das V orgehen der­ Göhrke hat, und H err Göhrke sagte: „W enn dieser 
jenigen U nternehm er gegeben haben, die gerade A rbeiter nicht entlassen wird, dann  dürfen S ie  I h r e  
jetzt in  der wirtschaftlich ungünstigen K onjunktur P ferd e  nicht.m ehr in m einen S ta llu n g en  zu stehen 
versuchen, ihren Angestellten und A rbeitern oas haben." W ir sehen also, wie auf diese Weise das 
ihnen gesetzlich zugesicherte Koalitivnsrecht durch Koalitionsrecht der A rbeiter beschnitten wird.
allerlei Schikanen zu verleiden. E in solcher Passus, D an n  haben w ir hier die große F irm a  
wie der vom demokratischen V erein  verlangte, G ebauer, welche ja vor gar nicht allzu langer Z eit 
dürfte  wohl noch bei keiner Kom m une und staatlichen in einen P rozeß verwickelt w ar, in dem der V ertre ter 
B ehörde in die B estim m ungen über das V er­ dieser F irm a  G ebauer auch vor Gericht ganz u n ­
dingungsw esen aufgenom m en w orden sein. Bei verblüm t ausgesagt h a t: „W ir dulden organisierte 
der .-Debatte, die w ir im  J a h re  1906 bei der M it­ A rbeiter prinzipiell in unserm  B etriebe nicht." 
te ilung  des M agistra ts über das V erdingungsw esen W ir haben auch bei der M üllabfuhr dasselbe V er­
h atten , w urde auch von allen S e iten  anerkannt, h ä ltn is; w enn dort A rbeiter eingestellt werden, 
daß die von uns erlassenen B edingungen nicht dann heißt es: „W ir können S ie  nicht einstellen, 
m ustergültig seien. A us diesem G runde beschloß S ie  w erden nicht eingestellt."
d ie ,'S tad tverordneten-B ersam m lung , von der M it­ W ir haben ja auch vor gar nicht allzu langer 
te ilung  K enntnis zu nehm en m it dem Zusatz, daß Zeit —  w enn ich nicht irre, w ar es im vergangenen 
der M agistrat Ende 1908 der S tad tv ero rd n e ten - J a h re  —  erlebt, daß e tw as Ähnliches sich in unsern 
V ersam m lung m itteilen  solle, wie sich nicht n u r eigenen B etrieben , in den sogenannten S ta d t­
unsere, sondern auch die Subm issionsbedingungen betrieben abgespielt hat. Ich  erinnere S ie  an  wie 
anderer K om m unen bew ährt haben. G asanstalt, wo m an  den A rbeitern gewissermaßen 
Wie S ie  aus dem Schlußsatz des Berichts gesagt h a t: „ I h r  dürft auch nicht einm al zu V er­
ersehen, hat der M agistrat die ihm zugegangene sam m lungen gehen." S o  wird gewissermaßen 
gleiche P e titio n  dem M ate ria l hinzugefügt, das spstematisch den A rbeitern  ein Recht beschnitten, 
er fü r die bereits in Angriff genom m ene N achprüfung welches durch das Gesetz gewährleistet ist. Diese 
der V erdingüngsvorschriften gesam m elt hat. D er Beschneidung geschieht schon bezüglich der gewerk­
Petitionsausschuß konnte sich auf keinen andern schaftlichen O rganisation. S ie  wird aber auch oft 
S tan d p u n k t stellen. Ic h  em pfehle Ih n e n  nam ens auf die politischen O rganisationen ausgedehnt: 
des Ausschusses daher, die P e titio n  dem M agistrat dort dürfen die A rbeiter u n te r keinen Umständen 
a ls M a te ria l zu überweisen. ihre politischen Anschauungen in irgendeiner Weise 
zum besten geben. Ich  will noch darauf hinweisen, 
S tad tv . G eb ert : M eine H erren, eigentlich daß erst kürzlich —  es sind ein p aa r M onate  her —- 
m üßte es uns doch befrem den, daß diese Angelegen­ unser H err O berbürgerm eister sagte, daß Personen, 
heit erst auf G rund  einer P e titio n  beraten  bzw. die in diesen B etrieben nichts zu suchen haben, 
a ls M ate ria l dem M agistrat überw iesen werden gewissermaßen als A ufw iegler und Hetzer betrachtet 
m uß. J e d e  S ta d t, m üßte m an  m einen, m üßte bei w erden. Aber w enn in die B etriebe, wo den 
V ergebung von A rbeiten dies a ls die erste B e­ A rbeitern das Koalitionsrecht gew ährt w ird, der 
dingung aufstellen, u n te r welcher die H erten  A rbeit­ V ertre ter dieser O rganisationen kommt, so kann er 
geber verpflichtet w erden, die Arbeit in Angriff nicht m ehr als A ufwiegler und Hetzer betrachtet 
zu nehm en. D aß w ir hier speziell in C harlottenburg, werden, sondern dann  ist derB etreffende B eau ftrag te r 
sagen w ir m a l: über B eraubung  des K oalitions­ der O rganisation, und das eine steht doch einm al 
rechtes von seiten der U nternehm er zu klagen haben, fest: daß die B eau ftrag ten  der O rganisationen stets 
kann ich Ih n e n  aus folgenden Vorkommnissen und ständig zum Besten der A llgem einheit gewirkt 
beweisen. haben.
(Glocke des V orstehers.) (S e h r  richtig! bei den S ozialdem okraten .)
Aus diesem einfachen G runde heraus ist es fü r 
Vorsteher K aufm ann (unterbrechend): Ich unsere S ta d t äußerst notw endig, daß bei V ergebung 
kann den Ausdruck „B erau b u n g  des Koalitionsrechts von A rbeiten stets und ständig den U nternehm ern 
durch die U nternehm er" nicht zulassen. gesagt w ird : das Koalitionsrecht m üßt ihr u n te r
        
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