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Periodical volume 2. Dezember 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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ist Herr Lemm ausgeschieden. Es wird dafür Herr Ich möchte wissen, ob dieser Vorwurf zurückge­
Kollege Bollmann in Vorschlag gebracht. Wenn nommen worden ist.
ich keinen Widerspruch höre, hat die Versammlung 
so bestimmt. Vorsteher Kaufmann: Diese Ausführungen 
Meine Herren, seit unserer letzten Sitzung haben waren wohl nicht zur Geschäftsordnung, sondern 
w ir Kenntnis von dem furchtbaren Unglück bekommen, eine Anfrage betreffs der Ordnung dieser Angelegen­
das sich in der Nacht vom 13. zum 14. November heit. Ich bin nicht befugt, Mitteilungen über diesen 
auf der Zeche Radbod ereignet hat. Weit über die Gegenstand heute zu machen. Ich werde aber nicht 
Grenzen unseres Vaterlandes ist allgemeine T e il­ ermangeln, in der nächsten Stadtverordneten­
nahme diesem Unglücksfalle bezeigt worden. Ich sitzung nähere Mitteilungen zu machen, wenn die 
bin überzeugt, mich m it der Versammlung in voller beteiligten Herren, die sich protokollarisch m it­
Übereinstimmung zu befinden, einander ausgesprochen, m ir aber die Verpflichtung 
(bic Versammlung erhebt sich > auferlegt haben, das Protokoll sekret zu behandeln, 
wenn ich von dieser Stelle aus dem tiefen mensch­ mich von der ihnen zugesagten Diskretion entbunden 
lichen Mitgefühl für die Verunglückten und ihre haben werden.
Hinterbliebenen Ausdruck verleihe. Ich knüpfe (Stadtv. Becker: Ich bitte ums W ort!)
daran die Hoffnung, daß es der allgemeinen Teil­ Die Angelegenheit ist damit heute erledigt.
nahme gelingen wird, die M itte l aufzubringen, 
um die Hinterbliebenen für ihre Zukunft sicherzu­ Stadtv. Becker (zur Geschäftsordnung): Es
stellen. Ich knüpfe ferner daran die Hoffnung, ist m ir mitgeteilt worden, daß der Stadtv. Hirsch 
daß die betreffenden Instanzen darauf Bedacht den Vorwurf gegen den Stadtv. Zander zurückge­
nehmen werden, die Schutzmaßregeln im  Berg­ nommen hat. Ich konstatiere das hier vor der 
baubetriebe weiter auszubauen, um ähnlichen Öffentlichkeit.
Unglücksfällen nach Möglichkeit vorzubeugen.
Ich bitte um die Erlaubnis, meine Herren, Vorsteher Kaufmann: Nun bin ich allerdings 
ausnahmsweise den Punkt 12 der Tagesordnung genötigt, meine Herren, aus der Reserve heraus­
jetzt schon zu behandeln: zutreten. Die M itteilung kann nur von einem der 
Beteiligten erfolgt sein. Dieser Beteiligte hat also 
Antrag der Stabtb. Kaufmann und Gen. betr. die zugesicherte Diskretion, die er selbst gewünscht 
Unterstützung der Hinterbliebenen der aus Zeche hatte, nicht gehalten.
Radbod Verunglückten sowie Vorlage in gleicher (Lebhafte Rufe: Hört, hört!)
Angelegenheit. — Drucksachen 449, 450. Sie sind nicht in der Lage, Herr Kollege Becker, 
etwas zu konstatieren, was Ihnen nicht bekannt ist, 
Unter dem frischen Eindrücke des Unglücks Ich habe das Protokoll zur Hand und kann kon­
haben am 17. November die Vorsitzenden aller statieren — ich glaube, daß ich auch die Zustimmung 
Fraktionen in Gemeinschaft m it m ir beim Magistrat der Versammlung finden werde, wenn ich trotz 
beantragt, für die Hinterbliebenen der Verunglückten der vereinbarten Diskretion nunmehr davon abgehe, 
den Betrag von 3 000 M  zu bewilligen. Der das Protokoll vertraulich zu behandeln — : es ist 
Magistrat beantragt in seiner Vorlage vom 24. v. M., in diesem Protokoll festgelegt worden, daß Herr 
diese 3 000 Jt aus dem Dispositionsfonds zu ent­ Kollege Zander zugegeben hat, m it irrtümlichen 
nehmen. — Ich konstatiere, wenn ich keinen Wider­ Zahlen operiert zu haben,
spruch höre, daß die Versammlung der Magistrats­ (hört, hört!)
vorlage zustimmt. und Herr Kollege Hirsch hat seinerseits die Äußerung, 
(Nufe: Einstimmig!) soweit eine Beleidigung darin enthalten war, in 
Widerspruch ist nicht erfolgt. — Ich konstatiere formeller Beziehung zurückgenommen. Das ist der 
ferner, daß die Herren sich zur Ehrung der verun­ Inh a lt dieses Protokolls. Die Angelegenheit ist 
glückten Bergleute und zum Ausdruck der Teil­ damit wohl erledigt.
nahme für die Hinterbliebenen von den Sitzen 
erhoben haben. Ich danke Ihnen dafür, meine Stadtv.Zander (zur Geschäftsordnung): Nach­
Herren. dem der Herr Vorsteher das Protokoll teilweise 
Auf Wunsch des Herrn Stadtv. Zander teile mitgeteilt hat, muß ich darum bitten, es jetzt ganz 
ich der Versammlung mit, daß er von der Ver­ mitzuteilen, es wörtlich vorzulesen. Der Herr 
sendung der von ihm angekündigten Broschüre Vorsteher hat etwas aus dem Protokoll heraus­
Abstand genommen hat, nachdem diese Angelegen­ genommen, was den Tatsachen im Zusammen­
heit durch Aussprache ihre Erledigung gefunden hat. hange nicht entspricht.
Stadtv. Becker (zur Geschäftsordnung): Es Vorsteher Kaufmann: Ich stehe nicht an,
ist uns eben von dem Herrn Vorsteher mitgeteilt dieses Protokoll nunmehr zur Verlesung zu bringen.
worden, daß die Angelegenheit Zander durch Aus­
sprache ihre Erledigung gefunden habe. Man kann Stadtv. Holz: Meine Herren, ich bin dem
sich natürlich nur darüber freuen, wenn ein so Herrn Vorsteher sehr dankbar, daß er, wie ich 
schweres Vorkommnis, wie es dieses gewesen ist, glaube fast wortgetreu — ich bin selbst daran 
durch eine Aussprache seine Erledigung findet. beteiligt gewesen —, den wesentlichen In h a lt des 
Aber, meine Herren, es interessiert mich und es Protokolls mitgeteilt hat, nachdem er dazu provo­
interessiert auch wohl die Öffentlichkeit, zu erfahren, ziert worden war. Ich bin aber der Meinung, daß 
in welcher Weise dieser Fall erledigt worden ist. nach dem, was die beteiligten Herren, vor allen 
Es ist dem Stadtv. Zander hier in  öffentlicher Dingen Herr Zander selbst damals gewünscht und 
Sitzung ein sehr schwerer Vorwurf gemacht worden; festgelegt haben, der Herr Vorsteher heute nicht 
es ist ihm gesagt worden, er habe die Stadt bei die Befugnis hat, falls nicht darüber abgestimmt 
einem Grundstücksverkauf übers Ohr gehauen. wird, das Protokoll zur Verlesung zu bringen.
        
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