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Periodical volume 11. November 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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geläuterten  Kunstgeschmack in C harlo ttenburg M eine H erren, zur Sache ist der Ausschuß bei 
Rechnung tragen  zu können. seinen eingehenden B era tu n g en  zu der Überzeugung 
(B ra v o !) gekommen, daß die W ertzuwachssteuer an  sich 
eine gerechte S te u e r  ist. D er Ausschuß hält es 
(Die B era tu n g  wird geschlossen. D ie V er­ fü r gerecht, den G ew inn  zu besteuern, der au s  dem 
sam m lung beschließt nach dem A ntrage des A us­ M ehrertrage  von G rund und B oden erzielt wird, 
schusses, und zw ar zu a  einstim m ig: deshalb, weil zu dem M ehrertrage neben andern 
A us A nlaß der H undertjahrfeier der S tä d te ­ U m ständen in  der Regel erheblich die Entwicklung 
ordnung w erden bew illigt: des G em einw esens beiträgt, die in häufigen, vielleicht 
a) 100 000 M  zur Errichtung einer S tiftu n g  in  den meisten F ä llen  durch A ufw endung all­
zur Unterstützung von Personen, die im  gem einer M itte l gefördert ist. D ie A llgem einheit 
Ehrendienst der S ta d t  tä tig  gewesen sind, hat einen begründeten Anspruch darauf, daß ein sol­
und ihrer H interbliebenen m it dem N am en cher G ew inn  fü r sie nutzbar gemacht wird.
„F re iherr vom S te in -S tif tu n g " . V o n  dieser Überzeugung führt n u r ein kleiner 
50 000 M  w erden sofort au s  dem S chritt zu dem Wunsche, eine W ertzuwachssteuer 
D ispositionsfonds bereitgestellt, w eitere auch in  C harlo ttenburg  einzuführen. Je d e  S ta d t  
50 000 M  sind durch ratenw eise Einstellung hat das Bestreben, möglichst hohe E innahm en 
in die E ta ts  der nächsten fünf J a h re  zu zu haben. J e  höhere E innahm en  sie hat, desto 
decken. besser kann sie ihre A ufgaben verwirklichen. Und 
b) 50 000 M  fü r die Errichtung eines künst­ w enn w ir auch die F inanzlage unserer S ta d t nicht 
lerisch ausgestalteten B ru n n e n s  auf dem in düsteren B ildern  zu m alen  brauchen, so ist sie 
S teinplatz zum Gedächtnis des F re ih e rrn  doch jedenfalls so, daß wir jede brauchbare E in ­
vom S te in . Diese 50 000 M  sind zu ver­ nahm equelle gern fü r sie erschließen werden. Aber, 
teilen auf die E ta t ja h r e  1909 und 1910. m eine H erren, so klein der S chritt ist, der von der 
Z u r V erw endung gelangt fü r diesen Ü berzeugung, die w ir gew onnen haben, zu dem 
Zweck außerdem  das K apital der vor­ Wunsche leitet, die W ertzuwachssteuer einzuführen, 
handenen S tiftu n g  zur Errichtung eines so weit ist er von dem Wunsche der E inführung  
Ju b ilä u m sb ru n n e n s  (S v n d ere ta t N r. 6) zu dessen Verwirklichung. D en n  als w ir im  A us­
in Höhe von etw a 20 000 J i . ) schüsse dazu übergingen, die E inzelfragen der 
W ertzuwachssteuer zu verhandeln, da ergab sich, 
Vorsteher K aufm ann: D aß die Beschluß­ daß über diese ganz entgegengesetzte Ansichten 
fassung über den M ag istra tsan trag  zu c vertagt herrschen.
wird, darüber ist wohl die S tad tv ero rd n e ten v er­ Vielleicht die wichtigste der E inzelfragen, 
sam m lung einig. —  W enn ich keinen Widerspruch in  denen die Ansichten weit auseinandergehen, 
höre, ist so beschlossen. W ir verlassen den Gegenstand. ist die, ob es möglich ist, in C harlo ttenburg  die W ert­
D a s  Protokoll der heutigen Sitzung bitte ich zuwachssteuer einzuführen, ohne daß sie zu gleicher 
die H erren S tad v . Holz, Kern und K lau zu vollziehen. Z eit auch in  den übrigen westlichen V ororten  zur 
E inführung gelangt. W ir sind u n s  wohl in  der 
W ir kommen zu Punkt 7 der T ag eso rd n u n g : M ehrheit oder sogar einm ütig  darüber klar, daß 
auch die gerechteste S te u e r  abzulehnen ist, w enn 
Bericht des Ausschusses über den A ntrag der sie zur Folge hat, daß das Gem einwesen dadurch 
Stad tv . Dr. Borchardt und Genossen betreffend  einen Nachteil erleidet, und w ir sind uns auch 
Wertzuwachssteuer. —  Drucksachen 195, 428. darüber klar, daß es einen Schaden bedeuten w ürde, 
r w enn die B auspekulation durch die W ertzuw achs­
Berichterstatter S tad tv . M eh er : M eine steuer aus C harlo ttenburg m it seinem zahlreichen 
H erren, zwischen der E inbringung des A ntrages unbebau ten  G elände vertrieben würde in die 
und der B erichterstattung des Ausschusses liegt ein andern  westlichen V ororte. Ob die G efahr besteht, 
ungewöhnlich langer Z e itraum . Diese Tatsache m eine H erren, das un terlieg t der P rü fu n g . 
ha t Anlaß dazu gegeben, daß —  nicht von liberaler D a g e g e n ,  daß sie besteht, scheint zu sprechen, daß 
S e ite  —  V orw ürfe lau t gew orden sind, die auf gegenw ärtig  eine von so vorsichtigen K aufleuten 
eine Verschleppung der ganzen Angelegenheit geleitete S ta d t, wie H am burg, zur E inführung 
hinzielten. D em gegenüber glaube ich von vorn­ der W ertzuwachssteuer schreitet, obwohl gerade 
herein feststellen zu sollen, daß eine Verschleppung H am burg von preußischem Gebiete um geben ist, 
nicht stattgefunden hat. D ie V erhandlung des in  welchem die W ertzuwachssteuer nicht eingeführt 
A ntrages der H erren Kollegen Dr Borchardt und ist Indessen, wie m an  das auch ansehen m ag, 
Genossen ist einm al, wie vielleicht einem  Teile von darin  wird m an  jedenfalls übereinstim m en, daß 
Ih n e n  erinnerlich sein w ird, verschoben worden, es von großer, vorteilhafter B edeutung  fü r C har­
wegen V erhinderung des H errn  Kollegen Dr B o r­ lo ttenburg w äre, w enn hier die andern  westlichen 
chardt selbst, und nachher ist der Ausschuß, den V ororte gleichzeitig m it C harlo ttenburg  vorgingen. 
S ie  gew ählt haben, erst Ende S ep tem b er von W ir bedauern, daß die A nregungen unseres 
seinem Vorsitzenden, dem H errn  Kollegen Hirsch, M agistrats bei den übrigen G em einden einen 
einberufen w orden, weil die dazwischen liegenden Erfolg bisher nicht gehabt haben, und können 
F erien  eine frühere E inberufung untunlich erscheinen n u r  wünschen, daß die A nregungen m it möglichster 
ließen. Ic h  will nicht sittliche E ntrüstung dam it Entschiedenheit w iederholt werden.
verschwenden, daß ich gerade die H erren Kollegen E ine vielleicht ebenso wichtige F rage  wie die, 
B orchardt und Hirsch in  diesem F alle  vor dem ob w ir die W ertzuwachssteuer gesondert von den 
V orw urf der Verschleppung schütze, aber ich habe andern  westlichen V ororten  einzuführen in  der 
festzustellen, daß gegen andere M itglieder dieser Lage sind, ist die F rage, ob im  F a lle  der E infüh­
V ersam m lung der V orw urf der Verschleppung rung  der W ertzuwachssteuer die Umsatzsteuer bei­
hier überhaup t nicht in  F raae  kommen kann. zubehalten ist, oder welche V eränderungen  die
        
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