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Periodical volume 4. November 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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wäre. Aber das können w ir mit Sicherheit be­ Der Grund, der uns zu diesen Abänderungs­
haupten, daß eine Entwicklung zur Großstadt, wie vorschlägen bewogen hat, ist hauptsächlich folgender. 
sie unser Charlottenburg in kaum einem Menschen­ Wir haben die Fritsche-Stiftung für die angestellten 
alter durchgemacht hat, nicht eingetreten wäre, Beamten und deren Hinterbliebene; der Betrag 
wenn die staatliche Bureaukratie die Leitung der ist gegenwärtig 100 000 M ; wenn dieser nun eine 
städtischen Angelegenheiten gehabt hätte. zweite Stiftung für die Ehrenbeamten und ihre 
(Sehr richtig!) Hinterbliebenen an die Seite gestellt werden soll, 
Diese Entwicklung ist nur möglich geworden durch so muß man doch berücksichtigen, daß die Zahl der 
die tatkräftige, umsichtige, rastlos vorwärtsstrebende Ehrenbeamten außerordentlich groß ist, und daß es 
Selbstverwaltung. Charlottenburg gehört zu den deshalb ratsam ist, von vornherein gleich eine 
Städten, die auf den verschiedensten Gebieten der größere Summe zu wählen, die dem Bedürfnis 
Verwaltung in der Durchführung neuer Ideen, in auch entspricht. Dazu kommt ein zweites Moment. 
der Lösung neuer Aufgaben glänzende Beweise Es ist ja mittlerweile bekannt geworden, daß die 
für die Leistungsfähigkeit der Selbstverwaltung Stadt Berlin die Forckenbeck Stiftung, die für 
liefern und die außerordentliche Fruchtbarkeit des Angestellte und Ehrenbeamte gedacht ist und die 
großen Gedankens zeigen, der der Städteordnung eine Ausstattung von 500 000 M hat, um eben so 
zugrunde liegt. viel, um eine halbe M illion  erhöht hat. Wenn w ir 
Der Magistrat hat Vorschläge gemacht, die nun angesichts dieser Erhöhung von Berlin unf eine 
Feier am 19. November möglichst würdig zu halbe M illion bei einer doch ganz ähnlichen Stiftung 
gestalten. Ich darf wohl zunächst annehmen, daß m it 50 000 M kommen, so entspricht das nicht mehr 
es allgemeine Billigung gefunden hat, daß von den Verhältnissen,
einem offiziellen Festessen oder von einem Fest­ (Sehr richtig!) 
trunk Abstand genommen worden ist. in denen w ir solche Bewilligungen neben Berlin machen müssen. I n  früheren Jahren verhielt sich 
(Bravo!) einmal die Einwohnerzahl von Charlottenburg zu 
Der Tag soll einzig und allein geistigen Genüssen Berlin wie 1: 10. Das ist aber längst anders ge­
und den Pflichten der Dankbarkeit gewidmet sein. worden. Charlottenburg ist viel schneller als Berlin 
Der Magistrat schlägt eine Festfeier in einem gewachsen, und so würde das Verhältnis von 1: 10 
Rathaussaale vor, ferner die Errichtung einer nicht mehr stimmen. Wenn w ir solche Stiftungen 
Stiftung für gewesene Ehrenbeamte und -Be­ machen, so müssen wir, wenn w ir auf Berlin über­
amtinnen und deren Hinterbliebene mit dem haupt und auf das Verhältnis der Einwohnerzahlen 
Namen einer „Freiherr vom Stein-Stiftung", Rücksicht nehmen wollen, doch höhere Summen 
ferner die Aufstellung eines Kunstwerkes zur Er­ wählen, um nicht klein und kärglich in unsern 
innerung an den Schöpfer der Städteordnung als Bewilligungen zu erscheinen.
Schmuck der Stadt Und zuletzt die Errichtung einer Natürlich kann man sagen: w ir brauchen uns 
Ehrentafel im Rathaus zum Gedächtnis der Ehrenbe­ an das Beispiel Berlins gar nicht zu kehren, w ir 
amten, die sich um die Stadt verdient gemacht können tun und lassen, was w ir wollen. Das ist 
haben. vollständig richtig, meine Herren; aber w ir müssen 
Daß das Andenken an den Urheber der Städte­ doch dabei anderseits bedenken, welchen Eindruck 
ordnung besonders geehrt wird, entspricht gewiß eine solche — ich w ill sagen: verhältnismäßig 
einem 'allgemein gehegten Wunsche; auch ist der niedrige Bewilligung von 50 000 M für diesen 
Gedanke wohl sehr richtig und trefflich, daß gerade Zweck gerade in d e n Kreisen machen würde, die 
Ehrenbeamte, in deren Tätigkeit der Gedanke das nächste Interesse daran haben. Es ist unsere 
der Selbstverwaltung am deutlichsten zum Aus­ ausgesprochene Absicht, den Ehrenbeamten bei 
druck kommt, und auf deren bereitwillige Unter­ Gelegenheit der Hundertjahrfeier der Städte­
stützung w ir in  allen Zweigen der Verwaltung ordnung eine dankbare Anerkennung darzubringen. 
fortwährend angewiesen sind, bei diesem Anlaß Es ist die ausgesprochene Absicht, daß die Freiherr 
eine besondere Anerkennung und Dankbarkeit er­ vom Stein-Stiftung eine Wohltat für diese Männer 
wiesen wird. und Frauen sein soll, die in selbstloser Weise an dem 
Die Grundgedanken der Vorlage des M a­ Wohle der Stadt mitarbeiten. Wenn diese Ehren­
gistrats — das nehme ich an — werden allgemeine beamten nun die Vergleichung ziehen von einer 
Billigung finden; aber die Ausführung im ein­ Bewilligung von 50 000 M  hier und einer halben 
zelnen hat zum Teil einige Bedenken veranlaßt M illion in  Berlin, so müssen sie doch zu der nicht 
Auch der Seniorenkonvent hat diese Angelegenheit sehr angenehmen Überzeugung kommen, daß die 
beraten und ist zu Ergebnissen gelangt, die von der Stadt Charlottenburg ihre Ehrenbeamten und 
Magistratsvorlage etwas abweichen. Der Senioren­ deren Tätigkeit niedriger einschätzt als die Reichs­
konvent schlägt vor, die Freiherr vom Stein-Stiftung hauptstadt.' Und das wollen w ir doch nicht. Darum 
nicht m iMt ,50 000 M auszustatten, sondern mit ist es empfehlenswert, die Zahl zu verdoppeln und 100 000 100 000 Ji  zu bewilligen.
(Bravo!) Es bleibt noch der Punkt c, der die Ehientafel 
dann aber, um nicht über die ganze Summe, die für verdiente Personen, die im Ehrendienste der 
in der Vorlage genannt ist, hinauszugehen, die Stadt gestanden haben, betrifft. Der Senioren­
50 000 M, die im Punkte b gefordert sind, zu konvent war zunächst der Ansicht, zu empfehlen, 
streichen und uns zu beschränken auf die Aufstellung diesen Punkt c unverändert anzunehmen. Es sind 
einer Büste im Rathause zum Gedächtnis des Frei­ aber doch von verschiedenen Seiten so viele Be­
herrn vom Stein, vielleicht in dem einen der beiden denken geltend gemacht worden, daß offenbar die 
Festsäle oder in dem Raum zwischen den Festsälen, Neigung vorhanden ist, diesen Punkt einer Aus­
oder wo es auch sein mag. schußberatung zu unterziehen. Ich möchte auf 
(Bravo! Zuruf: Sitzungssaal der Stadtverordneten­ einige Bedenken gleich selbst Hinweisen. Der 
versammlung!) Magistrat sagt: es soll der Name von verdienten
        
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