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Periodical volume 4. November 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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40 Millionen aufgenommen, welche letzteren sondern sie beträgt nach den neuesten, ganz ge­
schon verbraucht sind. nauen Ausstellungen vom 1. April d. I .  rund
(Hört, hört!) 107 353 000 M .
Also, meine Herren, es wird in der Rede gesagt — (Hört, hört!)
nach den Zeitungsberichten — , daß die 1908er Zu dieser Sum m e kommen naturgem äß noch von: 
Anleihe schon verbraucht sei! Sodann führte J u l i  und vom Oktober Beträge hinzu, die aber im 
Herr Zander aus, daß wir nach seiner Ansicht vor­ Verhältnis zur Gesamtsumme von 107 Millionen 
aussichtlich mit einem Defizit von 3 Millionen in nicht sehr erheblich sind. Wenn m an sich ein Bild 
das neue J a h r  hineintreten würden. davon machen will, wofür diese Sum m en aus­
(Heiterkeit.) gegeben worden sind, und ob es tatsächlich im rich­
Nun, meine Herren, wer das Gruseln noch tigen S inne des W ortes reine Schulden sind, so 
nicht kannte, der konnte es im Haus- und G rund­ muß m an darauf eingehen, was für diese 107 M il­
besitzerverein durch die Etatsrede des Herrn Kollegen lionen, oder mögen es auch 112 M illionen jetzt sein, 
Zander lernen.. Wenn ich diesen Tatbestand in geleistet worden ist. D a möchte ich Ih n e n  m it­
Zusammenhang mit dem Gegenstände der Tages­ teilen, daß diese 107 Millionen sich in der H aupt­
ordnung bringe, so mich ich mich doch eigentlich sache auf gewinnbringende Unternehmungen ver­
fragen: wer hat den M ut, 270 000 M  aus Anleihe- teilen. Gasanstalt, Elektrizitätswerk und Wasser­
mitteln zu bewilligen, die bereits verbraucht sind? werke absorbieren davon allein einen Betrag von 
(Heiterkeit.) 428/4 Millionen. Andere Unternehmungen, welche 
M eine Herren, ich will nicht weiter in die die Kosten der Verzinsung und Tilgung selbst auf­
M aterie einsteigen. Ob die Zeitungsberichte nun bringen — das sind Kanalisationswerke, Lade­
richtig oder nicht richtig sind, jedenfalls sind dadurch straßen — absorbieren einen weiteren Betrag von 
Bemerkungen in die Öffentlichkeit gelangt, die uns 10 113 000 M .  Ferner kommt als Schuldner der 
stark berühren, um so mehr berühren, da der schuldige Gesamtschuldenlast der Grundstückserwerbsfonds in 
oder unschuldige Urheber dieser Bemerkungen ein Frage, der, wie S ie wissen, in sich selbst balanzieren 
Kollege von uns ist. Ich richte deshalb an den muß, m it einem Betrage von 13 729 000 M ,  
M agistrat die B itte, hier einmal vor der Öffentlich­ so daß von der gewaltigen Schuldsumme, die vor­
keit die unrichtigen Ziffern richtigzustellen; denn handen sein soll, nämlich 180 M illionen, für die 
wir sind dies, glaube ich, nicht nur der Würde des allgemeine Verwaltung, also für diejenige Ver­
Magistrats, sondern auch der Würde der S tad t­ waltung, bei der die S teuern  zur Verzinsung und 
verordnetenversammlung schuldig. Amortisation der Schulden herangezogen werden 
(S ehr richtig! und B ravo!) müssen, nur rund 37 089 000 M  übrig bleiben.
(Hört, hört!)
Stadtrat und Kämmerer Schottz: Meine Dann ist ferner gesagt worden, daß diese An­
Herren, im Anschluß an die Worte des Herrn Vor­ leihen in den letzten fünf Jah ren  von 70 M illionen 
redners kann ich auch nam ens des M agistrats er­ auf 180 Millionen angewachsen seien, sich also 
klären, daß wir dem Herrn Vorredner nur dankbar die Anleiheschuld um  11Ö Millionen verstärkt hätte. 
dafür sein können, daß er Gelegenheit genommen Ich habe in der Eile der Zeit von heute nachmittag 
hat, diese Anfrage an den Magistrat zu richten um Y23 Uhr bis jetzt nicht lediglich genau die Zahlen 
und uns damit Gelegenheit gegeben hat, hier in vor 5 Jah ren  feststellen können; aber ich will noch 
der Öffentlichkeit diese Zahlen, die uns auch heute 3 Jah re  zulegen: ich habe die genauesten Zahlen 
ein gewisses Gruseln verursacht haben, richtig zu seit dem Jah re  1900 genommen, gehe also noch 
stellen. viel weiter, als nach den Zeitungsnotizen der be­
Zunächst ist gefragt worden, wie es m it den treffende Herr Redner gegangen sein soll, und da 
M itteln der Anleihe aus dem Jah re  1908 stände. stellt sich heraus, daß seit 1900 ein M ehr an Schulden 
Nach den Zeitungsberichten soll gesagt worden sein, von 68 Millionen entstanden ist, und von diesem 
diese M ittel seien verbraucht. M eine Herren, das M ehr entfallen allein auf diejenigen Unterneh­
ist ein sehr erheblicher I r r tu m . Von dieser Anleihe mungen, die gewinnbringend sind, oder auch solche 
des Jah re s  1908 ist überhaupt nur die erste Hälfte Unternehmungen, welche die Kosten der Verzin­
bisher im Betrage von 20 Millionen begeben sung und Tilgung selbst aufbringen, 46,3 Millionen,
worden, die andere Hälfte ist überhaupt noch nicht (hört, hört!)
begeben worden, und von der ersten Hälfte ist zur­ so daß also ein M ehr nicht von llOM illionen Schulden 
zeit noch ein Betrag von rund 11 Millionen Mark entstanden ist, sondern tatsächlich nur ein 
disponibel. M ehr von Schulden, die die allgemeine Verw altung 
(Hört, hört! und Heiterkeit.) belasten, von ungefähr 22 Millionen.
Die Angabe ist also so falsch, daß tatsächlich gegen­ Es ist aber — ich nehme naturgem äß die 
über dem Nichts, das hier vorhanden sein soll, ein Zeitung zur Unterlage; ich weiß nicht, ob alles 
B etrag von 31 Millionen noch buchmäßig vor­ das richtig ist, was darin steht, aber es soll doch 
handen ist. gesagt sein — dann gesagt worden, daß der Ver­
(Hört, hört!) waltungsüberschuß dieses Jah res  ein M inus von 
Ferner ist auf das Anwachsen der Schulden­ 250 000 J i  ergeben habe. M eine Herren, S ic  haben 
last hingewiesen worden, und nach dem Berichte ja fchmt eine Vorlage in Händen gehabt, wonach 
einer größeren Zeitung soll gesagt worden sein, der Verwaltungsüberschuß dieses Jah re s  1 364 000 
daß die Schuldenlast in einem Zeitraume vou und so und so viel Mark beträgt. Es ist allerdings 
5 Jah ren  von 70 M illionen auf 180 Millionen ge­ gesagt worden — in einer Zeitung habe ich das 
steigert worden sei. Auch hier liegt ein sehr er­ gefunden — , darin stecke eine Million aus dem 
heblicher I r r tu m  vor. Zunächst beträgt die Schul­ Jah re  1906. D as ist ein J rr tu n i. Alle diese Beträge, 
denlast der S tad t Charlottenburg überhaupt nicht die Ih n e n  hier genannt worden sind, stammen 
180 Millionen, selbstverständlich lediglich aus dem Jah re  1907.
«hört, hört!) (Hört, hört!)
        
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