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Periodical volume 24. Oktober 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

die F rage  weiter zu prüfen. D a s  ist u n s  ganz klar, kommen. D a s  ist m einer Ansicht nach der Vorteil 
daß wir in absehbarer Zeit zu einer Entscheidung der M agistra tsvorlage , daß sie u n s  heute nicht zu 
werden kommen müssen, ob wir die eigene Regie irgendeiner schwerwiegenden, in finanzieller B e ­
werden einführen müssen oder nicht. Aber das ist ziehung sehr folgereichen Entscheidung zwingt) 
klar, daß ivir heute die Entscheidung nicht treffen (Widerspruch) 
können; wir wollen eben keinen S p ru n g  ins  Dunkle. sondern u n s  R a u m  gibt durch Schaffung eines 
Wir haben in  der Borlage vom J a h r e  1907 Zustandes, bei dem wir gar keinen Schaden leiden, 
-gesagt: wir wollen d i e  F r a g e  p r ü f e n ,  ob die Dinge abzuwarten und zu prüfen, ob sich die 
die eigene Regie eingeführt werden soll. I n  die Angelegenheit in der verhältnismäßig kurzen Zeit 
P rü fu n g  dieser F rage  sind wir sehr eingehend von drei J a h r e n  zu einem befriedigenden Resultat 
eingetreten. S ow ohl in  der D eputa tion  wie im ausgestalten läßt.
Magistrat sind wir dabei zu der Entscheidung ge­ Nun, meine Herren, lassen S ie  un s  schließlich 
kommen, daß wir heute für die eigene Regie uns  noch die F rage  prüfen, wie es ist, w enn  S ie  die 
noch nicht entscheiden können. Wir haben also Magistratsvvrlage ablehnen. D a n n  bleibt der alte 
auch durchaus gehalten, w as wir dam als  ver­ Zustand bestehen. D as  ist vielleicht kein Unglück, 
sprochen haben. meine Herren. Aber die S te l lung  der S ta d t  ist 
Nun, meine Herren, der Antrag des H errn  dabei keine günstige. D enn , meine Herren, die 
S tad tv .  De L an d sb erg er! Ich  bitte um  Verzeihung, Ringbildung, die sich schon bei der vorigen A us­
Herr S a n i tä t s r a t  Landsberger, w enn ich sage: schreibung zeigte, wird sich wieder zeigen. Der 
dieser A ntrag  ist ein V e r l e g e n  h e i t  s a n - Umstand, daß in dem Expos« der Fuhrherreu  diese 
t r a g .  S ie  wissen auch nicht, w as S ie  machen F rage  gestreift ist, und daß dort gesagt worden ist, 
sollen, daß „ u n s e r  V e r e i n  n i e m  a  l s  eine R ing ­
(Heiterkeit) bildung seiner Mitglieder verfolgt hat", —  das 
und kommen n u n  mit einem Antrag, der jo  a u s ­ sagt gar nichts, das trifft nicht den Kern. Wir 
sieht, als w enn er uns  hilft —  und er hilft uns  haben ja nie behauptet, daß der V e r e i n  der 
gar nicht. Zunächst w ar  m ir  nicht klar, w as  das Fuhrhe rreu  eine Ringbildung verfolgt hat. Aber 
-heißen soll, „es soll m it Friese verhandelt werden". wir wissen aus zuverlässiger Quelle, daß eine 
W orüber soll mit Fricke verhandelt w erd en ?  S ie  Ringbildung stattgefunden hat —  zum Schaden der 
haben nachträglich erklärt: darüber, ob Fricke S ta d t ,  im finanziellen Interesse der Ringbildner: 
bereit ist, seinen Vertrag  m it un s  zu lösen. D a s  das ist ja im m er der Zweck solcher Ringbildungen. 
also meinen S ie ;  dann  würde ich I h n e n  dankbar W enn wir die Sache so lassen, wie sie heute ist, 
sein, w enn S ie  das in dem Antrage zum Ausdruck d. H. solange der Kreis der in Betracht kommenden 
bringen würden. F e rn e r  sollen wir ausschreiben. Unternehmer, die so große S ta l lungen  vorhalten 
J a ,  meine verehrten Herren, der Vertrag  mit können, für 160 Pferde, wie wir sie brauchen, 
Fricke läuft bis zum 1. April 1910. D a s  sind noch heute wie vor drei J a h r e n  sehr klein ist, so ist die 
anderthalb J a h re .  W enn wir jetzt ausschreiben, Gefahr der Ringbildung sehr groß, und den Schaden 
was glauben Sie , w as  wir für Offerten bekommen? wird die S ta d t  zu tragen haben. D a s  ist, wie ge­
K ann irgend jemand eine Offerte machen, wenn sagt, eine Rechnung, die nicht angreifbar ist. Wir 
er noch nicht weiß, wie es nach anderthalb J a h re n  kommen in eine mißliche Lage —  die durch Geld 
aussieht mit Löhnen, Preisen für F u t te rm it te l  usw. ? zu überwinden ist, zweifellos; aber es wird un s  
Eine solche Ausschreibung wird kein brauchbares sehr viel Geld kosten, während der Vorschlag des 
Resultat bringen. Und nun  dazu noch die Äußerung M agistrats das G ute  an sich hat, daß er u n s  nicht 
des Herrn S tad tv .  Landsberger in öffentlicher Geld kostet; denn wir werden die Zinsen für das 
Sitzung, die m orgen in  allen Zeitungen steht, daß Kapital, das für die S ta l lungen  notwendig ist, 
die Ausschreibung u n s  zu nichts verpflichtet! dadurch decken, daß wir weit billigere Angebote er­
Nein, meine Herren, ein solcher Vorschlag hat gar halten werden, nachdem der Kreis der U nternehmer 
keinen praktischen Zweck. ein sehr viel erweiterter geworden sein wird. Wenn 
D er Magistrat will die schwerwiegende end­ S ie  heute ablehnen, dann sind wir gewissermaßen 
gültige Entscheidung, ob eigene Regie oder nicht, vogelfrei gegenüber den ringlustigen Unternehmern, 
heute nicht treffen, weil heute nicht der geeignete und das ist doch eine e tw as heikle S itua t ion , in der 
M om en t ist; er will diese Entscheidung auf eine ich die S ta d t  nicht gern sehen möchte.
gewisse Zeit vertagen. D er  Ausschuß schlägt vor: Nun noch eins zum Schluß: meine Herren, 
auf drei J a h r e .  Schön, nehm en wir u n s  nach ich höre soeben in der heutigen Sitzung, daß die 
drei J a h r e n  noch einmal die Sache vor, um  sie S t a d t  Berlin  auf demselben Wege vorgeht, den 
wieder von neuem  zu besprechen! wir I h n e n  vorgeschlagen haben, ohne daß wir 
(S tad tv .  Zietsch: Keine V ertagung!  —  S tad tv .  davon w ußten; ich höre, daß Berlin  aus  eigenen 
Hirsch: D a s  steht nicht drin ; nach drei J a h r e n  M itte ln  große D epo ts  baut, ohne eine eigene 
sollen S ie  die Regie einführen!) Regie einzuführen. Ich  bin nicht in der Lage 
— S ie  werden gestatten,daß wir imM agistrat während gewesen, mich näher zu informieren. Aber das 
der drei J a h r e  auch unserseits unsere Überlegungen können S ie  aus jener Mitteilung ersehen, daß auch 
anstellen und unsere Entschließungen danach andere V erw altungen  auf die I d e e  gekommen 
treffen. Dieser Ausschußautrag verpflichtet den find, auf die der M agistrat gekommen ist, und daß 
Magistrat zu nichts. D er  M agistrat wird in  den deshalb der eingeschlagene Weg auch wohl ein 
drei J a h r e n  nicht die Schlafmütze über den Kopf praktischer Weg sein muß.
ziehen und nichts in der Sache tun, sondern er Ich  bitte S ie  also, lehnen S ie  den M agistrats­
wird prüfen — er wird das, w as Herr S tad tv .  L ands­ an trag  nicht ab! Nehm en S ie  den ganzen A us­
berger will, tu n :  er wird p r ü f e n o b  wir nicht schußantrag an —  ich habe nichts dagegen, daß 
eine wesentliche W andlung in dieser Zeit schaffen S ie  auch den Punkt II annehm en; denn es ent­
können, die u n s  befriedigt. Und wir hoffen, daß es spricht durchaus dem Willen des M agistrats, in 
uns  gelingen wird, zu einem guten Resultat zu eine P rü fu n g  der F rage  innerhalb der drei J a h re
        
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