Path:
Periodical volume 24. Oktober 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

drücken würde, geraten. Meine Herren, er hat zu wenig bestimmte Haltung eingenommen hat. 
recht damit, das zu betonen; ich glaube aber, Der Magistrat hat in der vorigen Beratung erklärt, 
wir haben auch recht, wenn wir jagen: doch daß er diesen Sprung ins Dunkle, in die eigene 
gibt es Grenzen, und m a n  s o l l  n i c h t  d i e  Regie nicht mitmachen werde: er hat in der Aus­
G r e n z e  z w i s c h e n  d e r  i n d i v i d u e l l e n  schußsitzung ersucht, man möge doch einen Beschluß 
u n d  d e r  s o z i a l e n  W i r t s c h a f t s ­ fassen, damit der Magistrat die Stellungnahme der 
f ü h r u n g  v e r w i s c h e n  u n d  d o r t  Stadtverordnetenversammlung kennen lerne. J a ,  
n i c h t  ü b e r g r e i f e n  i n  d i e  i n d i ­ meine Herren, was nützt es uns, wenn wir einen 
v i d u e l l e  W i r t s c h a f t s f ü h r u n g ,  w o  Beschluß fassen, dem der Magistrat doch nicht Folge 
e i n  z w i n g e n d e r  G r u n d  g a r  n i c h t  geben wird, wenn er nicht nach seinem S inn  ge­
v o r l i e g t . faßt ist?
Meine Herren, welcher Grund liegt dafür Meine Herren, die Magistratsvorlage will es 
vor, hier eigene Stallungen zu bauen und aus allen recht machen, sowohl den Anhängern wie 
dem Stadtsäckel über 500 000 M  oder jährlich den Gegnern der eigenen Regie. M ir scheint aber, 
20 000 M  dafür herzugeben? Es ist absolut als ob sie es niemandem recht macht. Wir An­
nicht gesagt, daß die eigene Regie sich eignet; hänger sind mit der Vorlage unzufrieden, weil 
es handelt sich nur um einen Eingriff in die P riva t­ der Magistrat erklärt hat: den Sprung ins Dunkle 
unternehmung auf einem Gebiete, wo wir gar machen wir nicht mit.
keinen wesentlichen Grund dafür haben. I  ch (S tad tra t  Meyer: Zur Zeit!)
m ö c h t e  a n  d e n  M a g i s t r a t  d i e  F r a g e  Unter solchen Umstünden sollen wir 559 000 M  
r i c h t e n ,  o b e r  w o h l  m i t  d i e s e r  B o r ­ für Stallungen ausgeben? Welche Sicherheit 
l a g e  g e k o m m e n  w ä r e ,  w e n n  d i e  besteht denn, daß die Ubelstände, die sich nun einmal 
F r a g e  d e r  e i g e n e n  R e g i e  v o r h e r  herausgestellt haben, durch diese eigenen Stallungen 
n i c h t  a u f  d e m  T a p e t  g e s t a n d e n  beseitigt werden? Der Magistrat sagt, meine 
h ä t t e .  Ich glaube, wenn die Frage der eigenen Herren: durch eigene Stallungen werden wir 
Regie vorher nicht auf dem Tapet gestanden bessere Pferde, besseres Kutschermaterial von dem 
hätte, wenn der Magistrat nicht den Antrag der Unternehmer bekommen, wir werden mehr Unter­
Stadtverordnetenversammlung aus der früheren nehmer finden, die sich um die Sache bewerben. 
Zeit gehabt hätte, so würde es ihm gar nicht ein­ Meine Herren, Ih n en  allen ist heute das Expose 
gefallen sein, uns mit einer Vorlage zu kommen, der Charlottenburger Fuhrherren zugegangen; die 
hier Stallungen zu bauen, sondern er hätte die Herren sagen: ein erfahrener Fuhrherr, der seine 
Sache auf sich beruhen lassen, und er wäre viel­ eigenen Stallungen hat, bleibt in ihnen und wird 
leicht später einmal aus eigener In itia tive  dazu sich nicht um Arbeiten bewerben, bei denen er ge­
gekommen, uns vorzuschlagen, die eigene Regie zwungen ist, mit seinen Pferden in neu erbauten 
einzuführen. Diese Frage brauchen wir aber heute fremden Stallungen Unterkunft zu nehmen. Die 
nicht zu erörtern: das steht ja nicht zur Debatte. Fuhrherren sagen also das Gegenteil von dem, 
Nun, meine Herren, möchte ich Sie dringend auf was der Magistrat rechnet. I m  übrigen ist noch 
warnen, auf diesem Gebiete diesen Weg zu be­ nicht erwiesen, daß durch die eigenen Stallungen 
schreiten. Wenn wir diesen Weg beschreiten, bessere Unternehmer gefunden werden. I  ch 
dann lassen wir dem Privatunternehmertum gar b e h a u p t e :  d i e  U b e l s t ä n d e ,  d i e  s i ch 
keine Freiheit, wo keine gewichtigen zwingenden h e r a u s g e s t e l l t  h a b e n ,  s i n d  l e d i g ­
sozialen Gründe, wo keine wichtigen Verkehrs­ l i ch d u r c h  d i e  e i g e n e  R e g i e  z u b e ­
gründe, wo keine bedeutenden finanziellen Gründe s e i t i g e n .  Das ist sicher. Da können wir Pferde 
vorliegen. Wir haben in den letzten Tagen ja und Kutscher einstellen, die wir wollen. Wie wir 
davon gelesen, daß in andern Städten eigene bei eigenen Stallungen mit fremden Kutschern 
Regie eingeführt ist, und daß finanzielle Vorteile und mit fremden Pferden fahren, können wir 
dabei herausgesprungen sind. J a ,  meine Herren, heute nicht beurteilen
das mag ja in manchen Städten der Fall sein. Was sagen nun die Gegner der eigenen Regie? 
Der Magistrat selbst steht auf dem Standpunkt, Hinter den eigenen Stallungen droht noch immer 
daß das bei uns nicht der Fall sein würde, daß das Gespenst der eigenen Regie, also möchten wir 
es bei uns wesentlich teurer sein würde. auch die eigenen Stallungen nicht haben! Also ich 
Ich möchte aber doch auf die Frage der sage: sowohl die Gegner- wie die Anhänger der 
eigenen Regie nicht zu weit eingehen; ich möchte eigenen Regie sind mit der Vorlage, können mit 
vor allen Dingen nur darauf hinweisen, baß es der Magistratsvorlage nicht einverstanden sein.
sich gar nicht um diese Frage handelt, sondern Ich behaupte, daß der Magistrat durch seine 
wesentlich um den Bau von Stallungen aus unbestimmte Haltung in dieser Frage eigentlich die 
ziemlich unwesentlichen Gründen, aus Gründen, die herrschende Verwirrung angerichtet hat. Meine 
wir bei einer abwartenden Stellung noch werden Herren, was will der M agistrat? will er nun eigene 
prüfen können. Wir würden dann bis zum Jah re  Regie, oder will er sie nicht? Darüber äußert er 
1915 immer noch in der Lage sein, die Einführung sich nicht. Er will abwarten. J a ,  meine Herren, 
der eigenen Regie zu besprechen. wenn der Magistrat abwarten will, dann darf 
Ich möchte Sie also bitten, die Vorlage er sich doch durch eigene Stallungen, die 559 000.tr 
rundweg abzulehnen, und ich hoffe, daß auch kosten, nicht festlegen. Dadurch würde er sehr leicht 
der Magistrat sich mit einer derartigen Lösung auf einen Standpunkt kommen, den er gar nicht 
abfinden wird, namentlich wenn ein derartiger einnehmen will. Ich meine, wir müssen erst eine 
Antrag, wie der des Herrn Kollegen Landsberger, prinzipielle Entscheidung herbeiführen, ob die 
angenommen wird. eigene Regie gewünscht wird oder nicht; sobald wir 
diese prinzipielle Entscheidung herbeigeführt haben, 
S tad tv . J o lc n b e rg : Meine Herren, ich bin erst dann sind wir in der Lage, uns weiter zu 
der Ansicht, daß der Magistrat in dieser Frage eine entschließen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.