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Periodical volume 24. Oktober 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

bauung zuzuführen. Alle Opfer, die in dieser sagen wollte: diese V eränderungen  werden zu V er­
Beziehung die Kom m unen bringen und bringen schlechterungen des Verkehrs werden.
müssen, und die wir alle Tage bringen, die auch die lS e h r  richtig!)
Grundstückseigentümer bringen, werden fruchtlos Bei ihrer Deduktion gehen die S traßenbahn-  
fein und ohne jedes Resultat bleiben, weil die gesellschaften davon aus, daß augenblicklich in der 
Straßenbahngesellschaften es stets in  der Hand P o tsd a m e r  S traße , am  B randenburge r  T o r  und in 
haben werden, kraft ihres T ar ifs  die Verbindungen, der Dorotheenstraße unerträglicheZustände herrschen. 
welche erforderlich sind, zu hem m en und zu u n te r ­ D a s  kann bestritten werden: aber ich will zunächst 
binden. Es wird ja geradezu demjenigen, der weitere annehmen, diese Tatsache wäre festgestellt und  läge 
T ouren  zu durchfahren hat, eine S tra fe  auferlegt; vor. D a n n  behaupte ich aber, daß durch die T u n n e l­
und die B ew ohner der Vororte sind doch in erster bauten, welche die S traßenbahn  ausführen  will, 
Linie darauf angewiesen, solche weiteren Touren  in der P o tsd am er  und Leipziger S t ra ß e  eine 
zurückzulegen, fei es, daß sie nach den andern  wesentliche Verbesserung nicht geschaffen werden 
V ororten  herausgelangen oder nach dem Z en trum  wird. Es werden n u r  die Punkte, an  denen heute 
ihre Schritte lenken wollen. die Stockungen des Wagenverkehrs e intreten, e tw as  
W eiter ist es auch ganz unmöglich, w enn auf verlegt werden. Denken S ie  sich, meine Herren ■— 
diese Weise der Verkehr den Straßenbahngesell­ ich kenne aus  der T iesbaudeputation  die P lä n e  
schaften ausgeliefert wird, daß für  die Folge die näher, welche den A nträgen  der S traß en b ah n  zu­
Fortschritte der Technik irgendwie dem Verkehr grunde liegen — , welch ein Fehler dadurch gemacht 
nutzbar gemacht werden. Turch' die S t r a ß e n ­ worden ist, daß nicht n u r  die Linien, die heute die 
bahngesellschaften wird das nicht geschehen, falls Leipziger S tra ß e  passieren, in diesen T u n n e l  
es nicht in ihrem finanziellen Interesse liegt, und hineingezwängt werden sollen, sondern daß der 
gegen den Willen der Straßenbahngesellschaften ganze Verkehr, der durch die innere  S ta d t  läuft, 
wird es sehr schwer sein, neue Projekte durchzu­ durch diese T u n n e ls  geleitet werden soll. Es ist 
führen. M eine Herren, w as  sind 90 J a h re ,  w as ein großer karusselartiger Kreisverkehr vorgesehen 
kann in diesem Zeitraum e geschehen, welche E n t ­ worden; sämtliche Wagen sollen an dem einen 
wickelung kann die Technik n e h m e n ! D avon haben Punkte gesammelt und von dort aus  in die ver­
wir alle keine Ahnung, können es durchaus nicht schiedenen Richtungen hinausgeschickt werden. 
beurteilen. E s kann sein, daß nach 90 J a h re n  die Denken S ie  sich, daß n u r  an einem dieser Punkte  
Elektrizität, heute das modernste B eförderungs­ irgendeine Stockung eintritt, so m uß sie n a tu r ­
mittel, bereits veraltet ist und andere, bessere Kräfte gemäß auf die sämtlichen Linien reflektieren, die 
an ihre S telle  getreten sind. D a n n  erinnere ich irgendwie mit den Tunnellin ien  in Verbindung 
S ie  daran, welche Widerstände die Große B erliner stehen, und das sind fast sämtliche Linien der V or­
S traß en b ah n  jeder Berkehrsverbesserung entgegen­ stadt. Denken S ie  sich irgendeine kleine S tö ru n g  
stellt. Ich  erinnere S ie  an die Prozesse, die sie gegen- im Laufe des T u n n e ls  selbst, so reflektiert diese 
die U ntergrundbahn und gegen die S ta d t  Berlin  wieder auf sämtliche Linien und W agen, welche den 
und deren P lä n e  geführt hat. Vor dem Reichs­ T u nne l  befahren, und es wird dann die Stockung, 
gericht ist allerdings die S traßenbahn  unterlegen. die wir heute am Leipziger Platz und am B ra n d e n ­
W er aber kann wissen, ob in  90 und 100 J a h r e n  noch burger T o r  haben, ebenso eintreten, n u r  wird 
Richter im Reichsgericht sitzen, die ebenso denken sie u m  etw a ein Viertelkilometer weiter h in au s­
wie der S en a t ,  der in dieser F rage  der S ta d t  Berlin  geschoben. S ie  wird aber ebenso arg sein und den 
recht gegeben h a t?  Und von welchem Unter­ Verkehr ebenso hem m en wie jetzt. N u n  stellen 
nehm er können S ie  erwarten , daß er sich das S ie  sich weiter vor, daß die Wagen, welche im 
Recht, sein Unternehmen auszugestalten, im m er T u nne l  verkehren, nachher wieder auf die S t ra ß e  
erst durch einen langwierigen Prozeß, bei dem es h inausgefahren werden müssen. Es wird die 
sich sehr oft um  ungeheure Vermögensobjekte Stockung, die im Straßenverkehr auftritt, wieder, 
handelt, suchen w i rd ? D a n n  wird er eben in andere rückwärts wirkend, den Tunnelverkehr in der ärgsten 
S tä d te  gehen, wo ihm derartige Gefahren nicht Weise beeinträchtigen. J e d e s  Pferd ,  das auf den 
drohen, und so kann es dahin kommen, daß Groß- Gleisen der P o tsd am er  S tra ß e  fällt, kann eine 
Berlin  im Verkehr die rückständigste S ta d t  wird, Stockung des Verkehrs in ganz Berlin  zur Folge 
die existiert. W as für G roß-Berlin  gilt, das gilt haben, und jeder S an d w ag en ,  der am  Sp it te lm ark t  
auch für uns,  Charlottenburg, die wir in erster Reihe ein Rad verliert, kann eine gleiche H em m ung 
durch derartige T arifm aßnahm en  getroffen werden. herbeiführen. D a  vermag ich nicht einzusehen, 
M eine  Herren, das wäre das Wesentlichste wie m an  von einer Besserung der Verkehrsver­
von den Opfern, die I h n e n  zugemutet werden, hältnisse reden kann.
wenn die Anträge der Großen B erliner S t r a ß e n ­ M a n  möchte fast glauben, daß es die S tra ß e n b a h n ­
bahn zur Tatsache sich verdichten sollten. gesellschaft gar nicht so sehr auf eine Verbesserung 
N un  frage ich: w as ist die Entschädigung, die des Verkehrs abgesehen hat, sondern daß ein ganz 
u n s  in dieser Beziehung geboten w i rd ? F ü r  C har­ anderes M otiv bei diesem Projekt un te r läu f t ,  das 
lottenburg zunächst gar keine. I n  den ganzen A n­ auch un te r  Nr. 5 der M agis tra tsm itte ilung eine 
trägen  der Straßenbahngesellschaft finden S ie  von Beleuchtung erfährt. D e r  T u n n e l  ist nämlich, 
einer Verkehrsverbesserung, die Charlottenburg wie I h n e n  bekannt ist, viergleisig angelegt, und es 
betrifft, überhaupt nichts erwähnt. Wir C harlo tten­ findet sich auf den P lä n e n  die A n g ab e : für Schnell­
burger haben un s  n u r  mit den V eränderungen des bahnbetrieb. E s sieht also ganz so aus, als ob im 
Verkehrs zu begnügen, die in Berlin getroffen wesentlichen der T u nne l einem ganz andern  U nter­
werden. Ich  sage: V eränderungen, und sage das ab­ nehmen dienen soll als dem, m it den S t r a ß e n ­
sichtlich: denn ich bin nicht der M einung, daß es schon bahnlinien verknüpft zu werden, daß er einem 
ohne weiteres feststeht, daß diese Veränderungen Schnellbahnbetriebe dienen soll, einem Konkurrenz­
auch wirklich Verbesserungen bedeuten. J a ,  ich unternehm en gegen die bereits bestehende U nter­
würde auch dem nicht Unrecht geben, der vielleicht grundbahn. Dieser Verdacht wird u m  so reger,
        
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