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Periodical volume 23. September 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

Meine Herren, wir denken uns, daß wir mit (Der Antrag auf Schluß der Beratung wird 
Leichtigkeit einen Fuhrm ann bekommen werden, angenommen. Die Versammlung beschließt 
wenn wir die eigenen Gebäude fertiggestellt haben. die Zurückverweisung der Vorlage an den 
D as ist meiner Ansicht nach nicht der Fall. Ein Ausschuß.)
Fuhrunternehmer ohne Stallungen ist überhaupt 
kein Fuhrm ann. Ein richtiger, guter Fuhrherr, Wir kommen zu Punkt 10 der Tagesordnung:
der auf seine Pferde etwas gibt, wird sie stets 
unter seiner eigenen Aufsicht, in eigenen Stallungen Borlage betr. Vereinbarung mit dem Verein 
behalten und nicht in die neu erbauten Stallungen Säuglingsheim . — Drucksache 302.
des Magistrats hinein geben. Wir werden also, 
wenn wir S tallungen bauen und nur die Fuhr- Berichterstatter Stadtv. Gredy r Meine 
leistnngen an einen Unternehmer geben, auf den Herren, der Magistrat ersucht S ie  in dieser Vor­
gleichen Standpunkt wie heute mit einem schlechten lage um Bewilligung einer Unterstützung an ein 
Material gelangen. sehr empfehlenswertes und schönes Unternehmen 
Meine Herren, ich möchte noch auf einen im Interesse, der Fürsorge für die Armen. Sie 
Punkt der Vorlage aufmerksam machen, der eben­ werden aus der Vorlage ersehen haben, daß der 
falls von Wichtigkeit ist. Es handelt sich um die Verein Säuglingsheim in Schöneberg sein Asyl 
Straßendammfläche. Es wird gesagt, daß der hierher nach Charlottenburg verlegt hat. Der 
frühere Unternehmer schon 100 000 M  bekommen Verein hat ein großes Haus für seine Zwecke in 
hätte für die Kehrichtabfuhr und daß damals viel Westend gebaut. Er hatte bisher in den M iets­
weniger Straßendamm vorhanden war als heute. räumen, die er in Schoneberg unterhalten hat, 
D as  spielt hier aber keine so große Rolle, weil sehr gute Erfahrungen gemacht, aber die Räume 
wir damals eine große Anzahl von S traßen  hatten, wurden zu klein für die sich ständig ausdehnende 
die Chausseepflaster besaßen. S o  erinnere ich Sie Wirksamkeit des Vereins; er mußte dazu übergehen, 
daran, daß die ganze Berliner S traße vom Tier­ ein eigenes Haus zu bauen. Die Finanzkräfte des 
gartenbahnhof an Chausseepflaster hatte, ebenso Vereins sind leider nicht so groß, daß er aus eigenen 
der Kurfürstendamm, das Charlottenburger Ufer, M itteln die schone Sache fortführen kann.
Salzufer und andere S traßen  mehr. Ich brauche Die Ausgaben, die der Verein für seine Wirk­
niemand zu sagen, daß das Chausseepflaster viel samkeit hat, sind 52 000 M  im Jah r .  Seine Ein­
schwieriger zu reinigen ist, daß da viel mehr Kehricht nahmen betragen 23 400 M .  Er hat also noch 
entsteht. D as  ist meines Erachtens von großer 28 600 M  zu decken. Von dieser Sum m e werden 
Bedeutung. Der damalige Unternehmer hat, durch Mitgliederbeiträge etwa 14 000 M  auf­
soviel ich erfahren konnte, ungefähr bis 27 Wagen gebracht. 8000 M  per J a h r  glaubt der Verein 
täglich stellen müssen, während der heutige Unter­ durch Hauskollekten sichern zu können. Um die 
nehmer noch nicht die Hälfte der Wagen stellt. notige Sum m e voll zu machen, fehlen noch 6600 M .  
Auch daraus ist schon zu ersehen, daß die Abfuhr Der Verein hat dem Magistrat vorgeschlagen, ihm 
mit der Einführung der Asphalt- und anderer jährlich für die Dauer von 15 Jahren  diese 6600 M  
glatter S traßen  erheblich leichter geworden ist. zu bewilligen. Er erbietet sich dafür, unserer 
Es ist lange nicht mehr so schwierig, wie es früher städtischen Armenpflege 5000 Verpflegungstage 
ivar. Die Wagen, die den Asphalt besprengen, oder 14 Betten sowie 1200 Verpflegungstage oder 
führen gleichzeitig einen Teil des Kehrichts in die 4 Betten zu gewähren.
Kanalisation. Die Abfuhr ist ganz leicht. Meine Herren, ich würde Ih n en  gern emp­
M eine  Herren, wenn wir also für  die S ta d t  fehlen, diese Magistratsvorlage ohne Ausschuß 
sparen wollen, so können wir der M agistra ts­ zu genehmigen, wenn ich Ih n e n  nicht doch zunächst 
vorlage nicht zustimmten. Ich  habe I h n e n  ja die ein Bedenken unterbreiten wollte, das aber rein 
S u m m e n  genann t;  ich bitte S ie ,  die S u m m e n  formaler Natur ist. Wir sollen uns auf 15 Jah re  
noch einmal nachzuprüfen. Ich  kann mich un te r  binden, eine S um m e von 6600 M  im Jah re  zu 
diesen Umständen, wo die Differenz so gewaltig zahlen. Ich möchte den Herren anheimstellen, 
ist, nicht fü r  eine eigene Regie entschließen, n a m e n t­ ob Sie über diesen Gegenstand noch im engeren 
lich bei der jetzigen F inanzlage unserer S ta d t .  Kreise debattieren wollen, oder ob Sie das für 
Ich  lehne überhaup t diese Regiervorlage ab. überflüssig halten. J e  nachdem würde ich einen 
Antrag stellen. I m  übrigen möchte ich Sie bitten, 
Vorsteher K aufm ann : M eine  Herren, ich im Grundsatz die Vorlage mit möglichster S y m ­
gestatte mir, m itten  in der • Debatte  jetzt einen pathie entgegenzunehmen.
A ntrag einzubringen, der vielleicht am Platze sein 
wird. Die Ansichten in der Versammlung sind Bürgermeister M attin g : Meine Herren, ich 
so verschieden, so ungeklärt, daß ich glaube, eine möchte Ih n e n  die Annahme der Vorlage auch 
Zurückverweisung der Vorlage an den Ausschuß noch aufs wärmste empfehlen. Ich kann wohl 
ist wünschenswert. sagen, es würde dem Verein sicherlich Freude 
(S eh r  richtig!) machen, Vertreter der Stadtverordnetenversamm­lung bzw. des Magistrats bei sich zu sehen und 
W ir werden dann  bei der nächsten Versammlung, ihnen die Anlage zu zeigen; aber ein sachlich 
w enn eine nochmalige Ansschußberatung vo raus­ zwingender Grund, deshalb die Annahme der 
gegangen ist, abgeklärter, selbständiger zu der Vorlage zu verzögern, liegt meiner Ansicht nach 
F ra g e  stehen. Ich  stelle also hiermit den Antrag, nicht vor. Die Vorlage hat leider eine unberechtigte 
die Angelegenheit an den Ausschuß, der dafür Verzögerung erfahren, die nicht in der Sache be­
eingesetzt w ar, zurückzuverweisen. gründet war. Das Haus ist fix und fertig, am 
(S e h r  richtig!) 20. Oktober soll bereits — wenn ich da nicht vor­
Herr Kollege Io len b e rg  beantragt nunm ehr greife — die Einweihung stattfinden. Es liegt 
den Schluß der Debatte. natürlich dem Verein daran, bis dahin fertige
        
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