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Periodical volume 23. September 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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wenn der M agistrat über das Gutachten des Herrn steht ja auch in den Akten drin —  für die eigene 
Branddirektors anderer M einung gewesen wäre Regie ist. D as begrüße ich m it großer Freude. 
(S tadtv . Jo lenberg: Gewiß!) W enn dann weiter gesagt ist, der M agistrat wäre 
und diesem Gutachten nicht die Bedeutung bei­ einstimmig für die von ihm vorgeschlagene Lösung 
gemessen hätte, wie Herr S tad tv . Jolenberg es tut. gewesen, so ist das ja ganz interessant für. uns; 
D as ist nun allerdings nicht der Fall gewesen; es aber noch interessanter wäre es, wenn wir wüßten, 
ist für uns lange Zeit hindurch ein sehr wertvolles wieviel M agistratsmitglieder in der Sitzung an­
M aterial gewesen. D ann ist aber eine vollständig wesend gewesen sind. D enn alle sind doch sicher 
neue S ituation  entstanden, indem eben die Frage nicht da gewesen. Es werden doch verschiedene 
des sogenannten gemischten Verfahrens auftrat. auf Urlaub gewesen sein.
Ich  habe schon im Ausschuß darauf hingewiesen, (Heiterkeit.)
daß das Gutachten des Herrn Branddirektors ja S o  ganz bestimmt uns das noch nicht, der ein­
die Frage des gemischten System s überhaupt nicht stimmigen M einung des M agistrats beizutreten. 
behandelt, sondern sich nur über das Unternehm er­ (Zuruf vom Magistratstisch: Wir waren beschluß­
system auf der einen Seite und über die eigene fähig!)
Regie auf der andern Seite erklärt und bei dieser Also daß der M agistrat die eigene Regie will, freut 
Fragestellung zur Befürw ortung der eigenen Regie mich. M an kann darüber ja sehr verschiedener 
gekommen ist. N un ist es aber durchaus nicht Ansicht sein; es sind viele Kollegen hier im Saale, 
unbedingt notwendig, daß der M agistrat, wenn der die meinen: nein, eigene Regie ist falsch, m an soll 
Herr Branddirektor, wie in diesem Falle, der neuen das Unternehmern überlassen. J a ,  dann hätten 
S itua tion  gegenüber seinen ursprünglichen S tan d ­ wir auch die Gasanstalten, das Elektrizitätswerk 
punkt aufgegeben und sich einer andern M einung den Unternehmern überlassen können!
angeschlossen hat, nun auch vorsichtig in die Akten (Zuruf: D as ist ganz was anderes!) 
hineinschreibt: „W ir machen aber darauf auf­ Im m erh in  läßt sich darüber streiten; der eine will, 
merksam: der Branddirektor hat inzwischen sein daß die S ta d t nicht alles macht, und viele Kollegen 
Gutachten oder seine M einung geändert." Ein wollen das Gegenteil. — S tre itp u n k t! Ich  bin 
solches Verfahren als Grundsatz aufgestellt würde nicht unfehlbar, ich will nicht entscheiden, was das 
eine erhebliche Beschwernis der Akten sein. Wenn richtige ist.
eine D eputation über das Gutachten eines Sach­ Aber, meine Herren, - welches sind denn die 
verständigen hinweggeht, so werden S ie auch nicht Hauptgründe, die der M agistrat für die Verschiebung 
eine ausführliche Begründung in die Akten hinein­ anführt?  Die Gebäude können nicht fertig werden. 
schreiben, aus welchen G ründen das Gutachten — Aber sie sollen fertig sein, wenn der Unternehmer 
nicht oder nicht mehr maßgebend ist. Die Akten sie übernim m t!
sind durchaus vollständig und sachgemäß; (Heiterkeit.)
(S tadtv . Jo lenberg: Geben aber ein falsches B ild !) Also dieser Grund scheidet eigentlich aus. Daß 
daß sich der M agistrat dem Gutachten nicht an­ 160 Pferde nicht gekauft werden können, — ja, 
geschlossen hat, ist ausdrücklich in dem Ausschuß­ es ist sehr schwer, dabei ernst zu bleiben. 160 Pferde 
bericht festgestellt worden. können wir kaufen, sagt der M agistrat, aber aus 
D ann hat meiner Ansicht nach der Herr Refe­ aller Welt. Ach nein, aus Berlin, aus der aller­
rent mit der Erklärung, die Herr Bauinspektor nächsten Umgebung bekommen wir 160 Pferde, 
Winterstein abgegeben hat, doch zum mindesten die auch ziehen können, meine Herren.
nicht sehr im S inne des M agistrats operiert. Er (Z uruf:  Schnupfen!)
sagt, der Herr Bauinspektor habe gesagt: er werde Na, mit dem Schnupfen scheint es m ir  doch nicht 
mit aller Not ja vielleicht fertig werden, aber die ganz 'ernsthaft gemeint zu sein, und Krankheiten 
S tälle seien dann für die eigenen Pferde unge­ kommen überall vor.
eignet, für die fremden Pferde seien sie allerdings I m  Ausschuß wurde aber noch gesagt: wir 
gut genug. S o  ist natürlich die Sache nicht ge­ wollen doch nicht die P ferde; es wäre selbstver­
wesen. Es ist ausdrücklich erörtert worden, aus ständlich, daß wir nachher nur Automobile be­
welchen Gründen vielleicht im Notfälle eine solche nutzen. Na, meine Herren, der Herr Branddirektor 
Unterscheidung gemacht werden könne. Wir müssen hat uns gesagt: das wird dann wohl noch 15 bis 
junges und fremdes, hier noch nicht akklimatisiertes 20 Jah re  dauern. D as ist auch anzunehmen: 
Pferdem aterial wer weiß woher einführen, während denn dieser M ordsport wird wohl noch so viel 
der Unternehmer m it eingearbeitetem und wider­ tausend Menschen totfahren, daß wir nachher 
standsfähigerem M aterial den Betrieb übernimmt, darauf verzichten, alles mit Automobilen zu machen.
wobei es noch nicht einmal feststeht, ob er überhaupt D ann ist eine Sache noch nicht erw ähnt: die 
unbedingt auf diese S tälle angewiesen sein wird, Hauptschäden des jetzigen System s bestehen meiner 
ob er nicht eine Zeit hindurch m it seinen eigenen Ansicht nach in der Disziplinlosigkeit des Personals. 
S tä llen  den Betrieb führen wird, um  erst abzu­ Ich bitte, diesen Umstand nicht gering zu schätzen.
warten, bis die S tälle, die die S tad t ihm zur Ver­ (S tadtv . Gebert: Ausbeutung des Personals!) 
fügung stellt, trocken sind. D as ist eine ganz andere Ich  habe die Ehre, schon längere Zeit M itglied der 
Begründung und viel sachgemäßer, als der Herr D eputation zu sein, die sich mit dieser Frage be­
Referent sie gegeben hat. faßt, und es sind dort manchmal Fälle zu unserer 
Ich  meine, daß es notwendig war, das fest­ Kenntnis gekommen, daß die F ahrer ihren Vor­
zustellen, um die Gründe, die der M agistrat im gesetzten den Gehorsam verweigern und einfach 
Ausschuß vorgetragen hat, doch einigermaßen in vom Bock springen und sagen: ist nicht mehr!
ein richtiges Licht zu stellen. (Heiterkeit.)
D as ist mehrfach vorgekommen. Bei der S traßen­
Stadtv. S te in : Herr S tad tra t Boll hat, reinigung ist das noch nicht so gefährlich; aber ich 
wenn ich ihn richtig verstanden habe, hier gesagt, mache darauf aufmerksam, daß bei der Feuerwehr 
daß der M agistrat im großen und ganzen — das die Sache doch anders liegt. D as ist auch der Grund,
        
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