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Periodical volume 22. Januar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

der Untersuchung dieser 23 500 Schulkinder werden Die unentgeltliche Behandlung in der Schul­
wahrhaftig nicht bloß der leitende Arzt und ein zahnklinik kann auch den unter 14 Jah ren  
Assistent, sondern auch ein zweiter Assistent mehr alten Schülern und Schülerinnen höherer 
als genügend zu tun haben. Aus diesem Grunde Lehranstalten zuteil werden.
glaube ich, daß der Beschluß des Ausschusses seine Ich  habe die Begründung des Antrages nicht gehört; 
volle Berechtigung hat, und S ie werden keines­ ich sehe mich also genötigt, mich an den W ortlaut 
wegs darüber zu klagen haben, daß der Leiter und zu halten. Ich muß aber sagen, daß ich mit diesem 
die zwei Assistenten zu wenig Beschäftigung haben W ortlaut nichts Rechtes anfangen kann. Wenn 
werden. gesagt w ird: die Behandlung k a n n  den Schülern 
Was die Gehaltsfrage sonst betrifft, so möchte und Schülerinnen höherer Lehranstalten zuteil 
ich nur darauf Hinweisen, daß der Vergleich mit dem werden, so muß doch auch bestimmt werden: wer 
Oberapotheker aus dem Grunde nicht ganz zutrifft, entscheidet das?  Ich glaube, der Herr Antrag­
weil dem Oberapotheker nach dem E tat an ver­ steller hat zum Ausdruck bringen wollen, den 
schiedenen Stellen Nebenbeschäftigungen zugewiesen Schülern und Schülerinnen höherer Lehranstalten 
sind, welche besonders rem uneriert werden. D as stehe die unentgeltliche Benutzung der Schul­
würde bei dem Leiter der Schulzahnklinik natürlich zahnklinik zu, wenn die Eltern das wünschen. Das 
unangängig sein, der seine Tätigkeit voll ausübt wäre eine präzisere Fassung des Antrages; aber 
und in hohem M aße intensiv ausüben muß. dann ergäbe sich für meine Freunde und für mich 
unter allen Umständen der Standpunkt, diesen 
Nun noch ein Wort zu dem Antrage des Herrn 
Ich Antrag abzulehnen.Kollegen S tadthagen. halte ihn zunächst für (S ehr richtig! bei den Liberalen.)
einen platonischen; denn er wünscht doch wohl, daß 
der M agistrat Erw ägungen darüber anstellen soll, I n  dem Augenblick, wo wir diesen Antrag annehmen, 
wie den Schülern auf den höheren Lehranstalten stellen wir die Vorlage auf eine ganz neue Grund­
eventuell eine gleiche Vergünstigung zuteil werden lage, die der M agistrat nicht gewollt hat, und die 
kann. Ich  glaube aber, daß das schwierig durch­ der M ehrheit der Versammlung auch nicht erwün- 
zuführen sein wird, und wenn auch Herr Dr S ta d t­ wünscht ist.
hagen den Ausdruck gebraucht hat, es ließen sich Ich bin gern bereit, auf den Boden der Resolu­
sehr viele Wege finden, so ist doch der eine Weg, tion des H errn Kollegen S tadthagen zu treten, 
den er als Beispiel angeführt hat, nach meiner indem ich die Resolution so ausfasse, daß dem 
M einung ungangbar. Auch ich würde, wie Herr M agistrat dadurch aufgegeben wird, sich m it der 
Kollege Zietsch, nicht das Odium auf die Freischüler Frage zu beschäftigen, wie in Zukunft eine weitere 
der höheren Lehranstalten legen wollen und auch nicht Ausdehnung der Schulzahnklinik auch aus die 
der Steuerkasse die Befugnis geben, Berechtigungs­ Schüler höherer Lehranstalten in die Wege geleitet 
scheine für den Besuch der Schulzahnklinik aus­ werden könnte. Aber ich kann mich un ter keinen 
zugeben oder gar Empfehlungen für Privatzahn­ Umständen damit einverstanden erklären, daß wir 
ärzte, bei denen sie doch keineswegs Berücksichtigung heute durch einen Antrag das beschließen und den 
zu finden brauchen. Ich möchte auch darauf auf­ M agistrat zwingen wollen, so vorzugehen.
merksam machen, daß Freischüler an den höheren Wenn ich also den Antrag Zietsch richtig in ter­
Lehranstalten nicht immer Kinder nur unbem ittelter pretiert habe — und ich glaube das aus dem Kopf­
Eltern sind, sondern zum Teil auch solche, die von nicken des H errn Kollegen Zietsch entnehmen zu 
einer größeren Geschwisterzahl desselben Hauses können — , dann bitte ich S ie, ihn abzulehnen.
herstammen. Ich glaube also, das würde ein 
schwieriger Weg sein; und einen anderen hat Stadtv. Zietsch: Ich  komme dem Wunsche 
Herr Kollege Stadthagen nicht genannt. Ich des Herrn Kollegen Otto gern nach und präzisiere 
glaube, daß sein Antrag keine große Substantiierung den Antrag dahin: es sollte damit ausgedrückt 
hat, und ich möchte, um der Vorlage nicht von vorn­ werden, daß den Besuchern und Besucherinnen 
herein zu viel Ausbreitungsmöglichkeiten zuzuweisen, höherer Lehranstalten, die unter 14 Ja h re  alt sind, 
mich g e g e n  den Antrag aussprechön. die Inanspruchnahm e der Schulzahnklinik zusteht. 
Wenn m an aus dem Antrage herauslesen kann, 
daß eventuell wegen des Wörtchens „kann" noch 
Stadtv. Dr Frentzel: Meine Herren, ganz eine besondere Instanz vorausgesetzt werden müßte, 
wenige W orte! Ich möchte S ie  nicht bitten, dem die über den Besuch der Schulzahnklinik durch jene 
Wege zu folgen, den der Herr Oberbürgermeister Kinder zu entscheiden hat, so mögen ja verschiedene 
für das Gehalt des Chefs der Klinik angegeben hat. Kollegen diese Auffassung teilen. M ir aber hat jede 
Eine derartige Regelung ist, glaube ich, in Charlotten­ Ahnung davon, daß eine solche Auslegung des 
burg noch nie befolgt worden, daß man ein Gehalt W ortes „kann" möglich sein konnte, selbstverständ­
nicht fest norm iert, sondern sagt: es kann schwanken lich fern gelegen, aus dem Grunde schon, weil ja 
zwischen 4500 M  und 6000 M.  D as würde beinahe tatsächlich dieser Antrag in erster Linie hervor­
darauf hinauskommen, daß die S telle betn Mindest» gewachsen ist aus dem Antrage S tadthagen, nur 
fordernden zu übertragen wäre. D as hat natürlich daß er viel weiter geht als dieser. Aber im großen 
der Herr Oberbürgermeister nicht gemeint; das ganzen wird der genaueste W ortlaut meines An­
könnte man aber leicht daraus herauslesen. Ich trages an dem Resultat nichts ändern. Ob „kann" 
glaube, bei der Gepflogenheit, Gehälter definitiv darin steht, oder ob es heißt „steht zu", S ie  werden 
festzusetzen und dann auch bei der einmal erfolgten ja beit Antrag unter allen Umständen ablehnen.
Festsetzung zu bleiben, werden wir wohl festhalten Und noch eins: S ie  werfen uns so häufig ein­
müssen. seitige Jnteressenwahrnehm ung vor. Aber hier 
gehen wir über den besonderen Kreis der Gemeinde­
Stadtv. Otto: Meine Herren, m ir liegt hier schüler — „unserer" Interessen — hinaus, hier 
die Fassung des Antrages des Herrn Kollegen wollen wir auch den Kreis der Schüler und Schüle­
Zietsch vor: rinnen höherer Lehranstalten in den Genuß einer
        
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