Path:
Periodical volume 9. September 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

nicht. Warum nicht? Bei Herrn Fricke ist Rotz! ! S tadt». G ebert: Ich kann im Namen meiner 
Und was das für eine Krankheit ist, das wissen Sie Freunde erklären, daß wir von jeher für die Über­
wohl; es ist eine furchtbare Krankheit, denn sie nahme der eigenen Regie gewesen sind, und daß 
überträgt sich auch auf die Leute. Ich habe einmal es uns ebenfalls erregt hat, daß der Magistrat hier 
bei einer Batterie gestanden, wo Rotz war; das ist eine Vorlage bringt, die die eigene Regie wieder 
eine furchtbare Arbeit, Tag und Nacht muß man aus Jahre  hinaus, sagen wir einmal, in die Fremde 
im Stall sein.. schickt. Wenn wir uns die Vorberatungen ansehen, 
Die Pferde sind nicht gut. Wer keinen Blick so dürften wir wohl annehmen, daß im Jah re  1907 
dafür hat, der darf darüber nicht reden; wer aber mindestens die nötigen Arbeiten für die Vor­
überhaupt einen Blick für körperliche Schönheit, bereitung der eigenen Regie hätten in Angriff ge­
für körperliche Form hat, der sieht, was das für nommen werden sollen. Das scheint aber nicht der 
kodderige Gäule sind Fall gewesen zu sein.
(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) Nun zu der Vorlage selbst! Wenn Herr 
— anders kann ich mich nicht ausdrücken. Es ist ein­ Kollege Jolenberg gesagt hat, daß er unter Um­
fach furchtbar; wir haben darüber ja schon geredet. ständen für eine geteilte Regie ist, daß man dem 
Jungens unter 16 Jahren sollen nicht bei den Unternehmer die Gebäude liefert und er Pferde 
Waschmaschinen, bei den Pferden sein; na, ich habe und Kutscher liefern soll,
heute Jungens gesehen — zwar nicht den Tauf­ (Widerspruch des Stadtv. Jolenberg) 
schein, aber es waren Jungens! so meine ich, daß wir vom Regen in die Traufe 
Was die Vorlage über den Ankauf sagt, das ist kommen und unter keinen Umständen besser gestellt 
wohl sehr übertrieben. Die Gebäude will ja der sein würden.
Magistrat überhaupt bauen lassen; da sollen wir Sie wissen, daß heute vor unseren Spreng­
doch lieber gleich unsere eigenen Pferde hineinsetzen wagen ein jammervolles Pferdematerial ist; wissen 
und nicht fremde, die uns Rotz hineinbringen und Sie auch, wo dieses Pferdematerial herkommt? 
uns unsere Ställe verschweinigeln. Gehen Sie einmal nach der chemischen Fabrik 
(Heiterkeit.) Schering hin und fragen Sie dort, wo die Pferde bleiben, von denen das Serum  gewonnen w ird! 
Es handelt sich um Tausende, um Gesundheit von Da werden Sie erfahren, daß diese Pferde auch 
Pferden und Personal, das später in diese Ställe einmal auf den Straßen Charlottenburgs herum­
hineinkommt. gehen. Unsere Genossen erklären uns häufig: „Seht 
Wie gesagt, die einzige Erklärung der Vor­ euch mal die Pferde an, mit diesen Pferden sollen 
lage ist, daß der frühere Dezernent nicht mehr im wir fahren!" Fricke ist gezwungen, junge Leute 
Amt ist. Von der Straßenreinigungs- und Feuer­ anzunehmen; denn anständige Leute kriegt er nicht 
löschdeputation ist außer mir noch nur der Kollege mehr.
Wenig hier, kein anderer ist hier, der mich unter­ Ich brauche ja nicht so weit auszuholen; ich will 
stützen könnte; der Kollege Scharnberg ist leider nur auf folgendes hinweisen. Wenn wir uns die 
nicht mehr Stadtverordneter, der uns in dieser 
Beziehung sehr unterstützt hat; Kollege Rackwitz, Zahlen näher anschauen, die in der Vorlage gegeben 
der in bezug auf Stallungen und Pferde ein vor­ sind, so sind die Sum men für die Pferde zu hoch be­
züglicher Sachkenner ist, fehlt leider auch. Der messen. Wenn dort für ein starkes Pferd 1500 M 
Stadtrat Seydel hatte das Dezernat übernommen: eingesetzt sind, und wir gebrauchen 160 Pferde, so ist diese Summe ungemein hoch bemessen. So 
er hat sich überarbeitet und ist krank geworden; ist es aber auch mit den kleinen russischen Pferden. 
der Stadtrat Voll hat dann das Dezernat über­ Ich muß meinem Vorredner vollständig bei­
nommen: er hat sich noch nicht eingearbeitet; da stimmen, wenn er uns warnt und sagt: wir müssen, 
kann man ihm keinen Vorwurf machen. wenn wir einmal etwas tun wollen, das Ganze 
Nmt ist gesagt worden: die Feuerlösch­ übernehmen.
deputation ist gehört worden. Das mag ja sein, Nun heißt es in der Vorlage weiter: geschulte 
ist aber anderthalb Jahre her. I m  Ju li bin ich Kutscher müssen vorhanden sein, eingefahrene 
verreist gewesen; da ist einmal eine Karte ab­ Pferde usw. Wie ist es denn heute? Haben wir 
gegeben worden, die hat aber meine Kassiererin nicht genug geschulte Kutscher in Charlottenburg, 
nicht angenommen; das mag ja vielleicht eine Ein­
ladung zur Sitzung der Feuerlöschdeputation ge­ die fahren können, die die Straßen und die S tadt­teile genau kennen, die genau wissen, wie die Ver­
wesen sein. Der Kollege Wenig weiß auch nicht, hältnisse in Charlottenburg liegen? Da brauchen 
daß eine Sitzung einberufen worden ist. Wenn wir gar nicht nach geschulten Kutschern herum­
das aber die Sitzung vom vorigen Jahre  gewesen zusuchen; aus diesem Grunde braucht die eigene 
ist, dann war es eben die Sitzung, wo die Feuerlösch- 
deputatlon einstimmig für eigene Regie war, und Regie nicht wieder auf Jahre  hinaus verschoben zu 
zwar für den 1. April 1910. Daß das mit den werden.
Pferden zu leisten ist, darüber ist gar kein Zweifel. Ich will noch auf folgendes hinweisen. Wenn 
Daß Kollege Rackwitz nicht hier ist, bedaure ich das Ja h r 1913 herankommt, dann wird es heißen: 
sehr, auch, daß Kollege Heise nicht mehr hier ist; nun können wir die eigene Regie auch nicht über­
die haben sehr dafür gearbeitet, und es ist bedauer­ nehmen, nun warten wir, bis auch die Müll­
lich, daß alle diese Arbeit umsonst gewesen ist. verwertung übernommen w ird! Wir haben dann wieder Jahre  gewartet, und es ist dann sehr fraglich, 
Daß die Vorlage in einen Ausschuß geht, ob die eigene Regie überhaupt kommt.
ist natürlich; da wird die Sache weiter besprochen I n  der Ausschußberatung können wir noch 
werden. Ich habe heute noch den stenographischen näher auf die einzelnen Positionen eingehen. Ich 
Bericht gelesen von der Sitzung, ich glaube, vom möchte Sie bitten, den Ausschußantrag anzunehmen.
vorigen Ju n i; daß nach den damaligen Verhand­
lungen heute noch eine solche Vorlage kommen Stadtrat V o ll : Meine Herren, noch ein paar 
würde, das ist mir unbegreiflich. Worte. Herr Stadtv. Stein hat in sehr tempera-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.