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Periodical volume 9. September 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

hat, so kann ich und können m eine F reunde es n u r D as  ist es selbstverständlich, wogegen wir uns wenden, 
bedauern , daß S ie  (zu den Sozialdem okraten) weil dieses Luftschiff eben n u r fü r das M ilitä r 
derartige Aussprüche tun . I c h  m e i n e ,  w i r  verw endet wird. —  H err Kollege O tto  schüttelt 
s o l l t e n  u n s  a l l e  f r e u e n ,  w e n n  m it dem Kopf; er wird aber wissen, daß schon durch 
e s  e i n e m  M a n n e  w i e  Z e p p e l i n  diese Erklärung des G rafen Z eppelin  auch die 
g e l u n g e n  ist ,  u n s  e i n e n  V o r s p r u n g  künftigen Luftschiffe ohne w eiteres dem Reiche 
g e g e n ü b e r  d e m  A u s l a n d e  z u  übergeben w erden sollen, und daß das Reich darau s 
s i c h e r n .  Wi r  w ollen alle den F rieden , und den keine Luftomnibusse machen wird zum Verkehr 
können w ir n u r durch eine starke W ehrkraft erhalten, fü r das Publikum ,
und w enn w ir starke W ehrm ittel in der L uft haben, (S tad tv . M ünch: Selbstverständlich! —  Heiterkeit)
so ist das auch ein M itte l, u n s  den F rieden  zu er­ —  ich glaube es nicht. H err Kollege, S ie  w erden 
halten. E s ist bedauerlich, daß ein S ta d tv e r­ jedenfalls keiner von denjenigen sein, die auf dem 
ordneter in C harlo ttenburg derartige Aussprüche 
tu t, direkt dem  Ausdruck gibt, daß ein V orsprung M ilitärluftschiff w erden m itgenom m en w erden.
des deutschen Volkes vor anderen Völkern auf (H eiterkeit.)
militärischem Gebiete eigentlich von keiner B e­ Jed en fa lls  handelt es sich hier n u r um  eine A us­
deutung sei. Ich  halte das allerdings —  und ich nutzung eines neuen militärischen K am pfm ittels, 
hoffe, m it m ir die große M ehrheit der S ta d tv e r­ und desw egen gerade w urden diese kolossalen 
ordnetenversam m lung —  von außerordentlich S am m lu n g en  veranstaltet, weil es sich darum  
großer B edeutung , und ich hoffe, daß dieses M itte l, handelte, daß w ir einen V orsprung haben w ollten 
das G raf Z eppelin  dem M ilitä r gegeben hat, und haben m üßten  gegenüber den übrigen E rbauern  
w enn es no t tu t, ebenso von gutem  Erfolg sein von Luftschiffen in  E ngland, Frankreich usw., 
wird wie das Werk, das er dem deutschen Volke denen wir diese Erfolge nicht gern gönnen w ollen.
auf dem Gebiete des Verkehrs geleistet hat. I m  übrigen verarge ich es n iem anden, der auf 
S ta b tb . Becker : M eine Herren, die patriotische dem S tandpunk t des H errn  Kollegen Becker steht, 
B ew egung, von der H err S ta d tv . Dr Frentzel in der Z ahlung von B eiträgen  zum Z eppelinfonds 
gesprochen hat, die er in Friedrichshafen beobachtete, eine hohe patriotische Aufgabe zu erfüllen. W er 
habe ich am  5. August in S tu ttg a r t  und Echterdingen ein echter P a tr io t  ist, wird ja  ein besonderes V er­
selbst auch m it erlebt. E s sind die stolzesten E r­ gnügen daran  haben, daß davon ein T eil in den 
innerungen , die ich habe: der T ag , an  dem die Säckel der S teuerzah ler hineinfließt. S ie  haben 
M obilm achung im J a h re  1870 verkündet w urde, gehört, daß das Geld nicht unverkürzt dem G rafen  
und der T ag , den ich erlebt habe in  S tu ttg a r t .  Z eppelin  erhalten  bleibt, sondern daß das Reich 
D asjenige, w as die H erren von der sozialdemo­ trotz der hohen Auffassung von der kolossalen E r­
kratischen P a r te i  ärgert, finderarbeit des G rafen  Z eppelin  vorher kommt 
(Lachen bei den Sozialdem okraten) und die S te u e r  davon einsam m elt. Ich  verarge 
daß sich eine B egünstigung des militärischen G e­ es keinem P a tr io te n ; er könnte ja  die S te u e r  ohne 
dankens in der B ew egung zeigt, ist gerade das­ w eiteres an den S ta a t  abführen, aber soweit dürfte 
jenige, w as mich von Herzen freu t. der P a tr io tism u s  nicht reichen.
(S tad tv . Hirsch: N a also!) Ich  möchte h ier feststellen, daß die S oz ia l­
Ich  bin stolz darauf, daß unser Volk einheitlich ge­ demokratie oder m eine F reunde weder hier in 
zeigt hat, wie es denkt, daß es bereit ist, die W ehr­ C harlo ttenburg noch in B erlin , w enn sie dagegen 
kraft des Deutschen Reiches zu stärken, wo es sie gesprochen haben, durchaus keiner P a ro le  folgten, 
stärken kann. Und hier handelt es sich wirklich um  die vom Parteivorstande gegeben sei.
eine S tärkung  der W ehrkraft. Ich  verüble es auch durchaus nicht H errn Kol­
(Rufe bei den Sozialdem okraten: D a  haben w ir es!) legen Z ander, w enn er heute auf einem  gegne­
D ie S u m m en , die hier zusammengebracht werden, rischen S tandpunk t steht a ls w ir. S onst, w enn 
hat ja  G raf Zeppelin  dazu bestimmt, daß davon es sich um  irgend eine Sache drehte, steht ja Herr 
Luftschiffe gebaut w erden, die dem Reiche über­ Kollege Z ander im m er zu uns.
wiesen w erden; er selbst will keinen V orteil davon (Heiterkeit.)
haben. E r ist der E rbauer, die N ation  ist der N ur von P rinzip ien  möchte er nichts wissen, und 
Besteller, und das Reich ist der E m pfänger. W as d a  w ir nun P rinz ip ien re ite r sind, müssen w ir heute 
kann es Edleres und Schöneres g eb en ! Und w enn das Tischtuch zwischen u n s und ihm zerschneiden.
nun  die H erren von der sozialdemokratischen P a r te i (Heiterkeit.)
ihre Aufgabe darin finden, uns Wasser hineinzu­ H err Kollege Z ander irrt aber, w enn er ann im m t, 
gießen in den Weilt der patriotischen Begeisterung, daß durch diese A rbeiten des G rafen  Z eppelin  
m eine H erren, dann m ögen sie es tu n ; ich beneide irgendwelcher Erfolg für die Arbeiterschaft en t­
sie nicht um  die Rolle. steht. D a ist H err Z ander kolossal auf dem Holz­
(B ra v o !) wege. An dem B au  von Luftschiffen ist n u r eine 
ganz geringe Z ahl von Fabriken beteilig t; g laubt 
S ta b tb . Z ictsch : M eine H erren, die D is ­ H err Z ander, daß, nachdem diese Luftschiffe be­
kussionsredner, die nach m ir gesprochen haben, zahlt w orden sind, der deutsche Arbeiterstand 
haben ja abgestritten, daß es sich um  eine F örderung  einen großen Aufschwung nehm en w ird ?  Es ist 
militärischer In teressen  handelt. H err Becker hat es ebenso wie bei dem B a u  vonT orpedos, vonKreuzern, 
ohne w eiteres zugegeben, daß das die H auptaufgabe von Schlachtschiffen: erst holt m an den A rbeitern 
der Fortsetzung der E rfinderarbeit des G rafen in F o rm  von indirekten und direkten S teu e rn  das 
Zeppelin  ist, w ährend die anderen Herren n u r auf Geld au s  der Tasche, und dann  gibt m an es ihnen 
dem S tandpunk t stehen, daß das M ilitä r nur auch in F o rm  von A rbeitslöhnen wieder.
dabei profitiert. W enn H err Kollege Dr Frentzel gesagt hat, 
(S tad tv . Becker: D as  sieht jeder von seinem S ta n d ­ in Süddeutschland sei m an  ganz anderer Ansicht 
punkt an, ich von dem m einen!) gewesen, da seien auch Genossen fü r den G rafen
        
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