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Periodical volume 9. September 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

hurrapatriotischen Mache, die gegenwärtig gangbar hier in Charlottenburg irgendeine Linderung ver­
geworden ist. schaffen, nach der er sehnsüchtig verlangt. Sie 
M an unterstützt andere Erfindungen ja nicht haben ja auch ke.ine Gelder und M ittel zur Ge­
so viel, andere ingeniöse Meister müssen verkümmern, währung freier Lernmittel an Kinder arm er Leute, 
kommen nicht fort, weil das Reich und der S ta a t S ie  haben auch keine M ittel, um arm en Kindern 
nicht die M ittel dazu haben, und jetzt will m an dem warmes oder kaltes Frühstück in der Schule geben 
Grafen Zeppelin noch weiter Geld hinschicken, wo zu können, S ie  haben auch keine M ittel und kein 
vier M illionen Mark dem Grafen Zeppelin aus der Verständnis gezeigt im  Magistrat und in der S ta d t­
sogenannten Nationalspende zugegangen sind und verordnetenversammlung, um seitens der Kom­
Graf Zeppelin selber erklärt hat, daß das vom Reich mune etwas für die Schule zu tun. Da sind Ehren­
ihm zur Verfügung gestellte Geld genüge, um pflichten in Hülle und Fülle. Ich bitte Sie, ergreifen 
sein Luftschiff weiter auszubauen! S ie die Gelegenheit, hier Ehrenpflichten d e r 'S ta d t 
Es heißt nun hier in dem magistratlichen Be- zu erfüllen!
gründungsschrciben:
D er Graf Zeppelin hat in einer öffentlichen S tad tv . Dr. F ren tze l: M eine Freunde, für
Erklärung die Spende ausdrücklich für den die ich hier sprechen will, teilen durchaus nicht die 
B au  neuer Luftschiffe bestimmt und um Ein­ Ansichten des Herrn Kollegen Zietsch, sondern 
zahlung derselben an die „Allgemeine Renten» stellen sich ganz und gar auf denBoden der M agistrats­
anstellt in S tu ttgart"  gebeten. vorlage; sie glauben auch sicher zu sein, die M einung 
Dieser Satz der Begründung läßt fast darauf zu teilen, die die überwiegende Anzahl unserer 
schließen, als hätte Zeppelin an und für sich die Charlottenburger M itbürger, die der größte Teil 
Nationalspende erbeten oder selbst sie veranlaßt. des deutschen Volkes in  einer so unzweideutigen 
Ich glaube, demgegenüber nur richtigstellen zu Weise zu erkennen gegeben hat, wie es selten sonst 
dürfen, was ich vorhin schon sagte, daß Zeppelin geschehen ist.
von Anfang an jede von privater Seite kommenden Herrn Kollegen Zietsch möchte ich erwidern, 
Gelder zurückgewiesen hat und sich bereit erklärt daß wir u n |  vollkommen klar sind, daß wir eine 
hat, m it den vom Reiche kommenden M itteln  aus­ ganze Reihe anderer Pflichten, Ehrenpflichten und 
kommen zu können. Es ist nicht, gut anzunehmen, soziale, zu erfüllen haben, und meine Freunde 
das hier herauslesen zu dürfen — ich nehme es werden, trotzdem sie für diese 6000 M  stimmen, 
auch nicht an und wünsche nur eine Erklärung bereit sein, solche Pflichten zu erfüllen, wo es Not 
darüber vom M agistrat — , daß Zeppelin hier tut, und wo sie es für richtig halte«.
darum  gebeten hat. (S tad tv . Zietsch: D as ist der Haken!)
W enn es sich aber um  eine Ehrenpflicht handelt, M eine Herren, wir wußten ja, daß der Antrag 
dann glauben meine Freunde und ich, uns auf den des M agistrats von sozialdemokratischer Seite 
Standpunkt stellen zu müssen, daß es für die S tad t Widerspruch erfahren würde, wie dies ja auch in 
ganz andere Aufgaben gibt, als jetzt 6000«Ä in einen der S ta d t B erlin und in anderen S täd ten  bereits 
Fonds zu geben, der schon lange zum Überlaufen geschehen ist. D as war uns klar, seitdem die 
voll ist. Wir erinnern daran, daß diese 6000 M  im Leitung der sozialdemokratischen P artei ihre Parole 
In n e rn  der S tad t ganz anders angewendet werden in der Zeppelinfrage ausgegeben hat.
können — auch im S inne des G rafen Zeppelin, (Widerspruch bei den Sozialdemokraten.)
der durchaus nicht der ist, zu dem m an ihn jetzt Herr Kollege Zietsch wird aber wissen und sich 
allgemein in der hurrapatriotischen S tim m ung vielleicht daran erinnern, daß eine große Reihe 
machen möchte. Es liegt vielmehr im S inne des gleich ihm politisch denkender Leute, namentlich 
Grafen Zeppelin, daß jetzt, wo er Gelder genug in Süddeutschland, durchaus in  entgegengesetzten 
in der Kasse hat, wo ihm die Fortführung seiner S inne gehandelt haben und auch entsprechend sich 
technischen Bestrebungen gesichert ist, das Geld geäußert haben. Diese süddeutschen Genossen, 
zu andern Zwecken verwendet werden sollte. Und wenn ich sie so nennen darf, w aren bereit, auch 
wenn eine S tad t, namentlich wenn Charlottenburg diesen Etat, den sich das ganze deutsche Volk selber 
in Verlegenheit sein sollte, was es mit dem Gelde aufgestellt hat, zu bewilligen;
machen sollte, wir könnten dem Magistrat und der (hört, hört, bei den Liberalen) 
Stadtverordnetenversam mlung Vorschläge in Hülle sie haben vielleicht nachher nicht so darauf ge­
und Fülle machen, daß diese 6000 M  anders an­ drungen, ihre M einung durchzusetzen, nachdem die 
gewendet werden könnten, daß S ie durch diese Parole von Berlin anders gelautet hatte.
6000 M  andere Ehrenpflichten der S tad t zu er­ Herr Kollege Zietsch hat sich über die Be­
füllen vermögen. Ich erinnere daran, daß in den wegung und den H urrapatriotism us verbreitet, 
letzten Tagen der Bericht der Armenverwaltung zu dem sie ausgeartet wäre. Gestatten S ie mir, 
herausgekommen ist, und lese auf den ersten Seiten, daß ich Ih n e n  ein persönliches Erlebnis erzähle. 
daß die Unterstützungen der Armen in Charlotten­ Ich w ar gerade an jenem denkwürdigen 5. August 
burg in ganz ungeheurem M aße gegenüber dem durch einen Zufall — eigentlich gegen meinen 
Vorjahre angeschwollen sind, und daß die Armen­ Willen, aber durch einen Zufall, dem ich nachher 
verwaltung nach Möglichkeit auf Sparsamkeit bei sehr dankbar gewesen bin — am Bodensee, gerade 
der Bewilligung solcher Armenunterstützungen hin­ in jenen S tunden, als jeden Augenblick die Nachricht 
weist u n d . den Armenkommissionen Anweisung erw artet wurde, daß G raf Zeppelin sich wieder dem 
gibt, in Anbetracht der beschränkten M ittel Bodcnsee näherte, als alles nach dem Horizont 
mit Unterstützungen seitens der S tad t recht spähte in großer Spannung, als m an glaubte, das 
vorsichtig zu sein. Gewähren S ie doch da die 6000 M ,  Luftschiff würde jeden Augenblick am Bodensee 
wenn S ie wollen, daß die S tad t Ehrenpflichten wieder erscheinen. Es ist unbeschreiblich — 
einlöst! D er Graf Zeppelin braucht die 6000 M  wenigstens ist es m ir unmöglich zu beschreiben —, 
nicht, um  seine Verpflichtungen einlösen zu können: von welchem Eindruck die Kunde von der Zerstörung 
mit 6000 M  aber können S ie  manchem Armen' des Luftschiffes auf die Volksmenge, die damals
        
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