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Periodical volume 22. Januar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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dafür haben, was fü^  die Gesundheit ihrer Kinder — Die Ärzte nicht? D ann aber doch der leitende
nötig ist, und deshalb es nicht für nötig halten, Arzt.
irgendetwas zur Kontrollierung und zur Pflege (Bürgermeister M atting: J a ! )
zu tun. M ein Gott, denken sie, wenn die Zähne Hier ist aber in der Vorlage ausdrücklich vor­
schlecht werden, dann kann man sich ja neue ein­ gesehen, daß der leitende Arzt der Zahnklinik keine 
setzen lassen; das kostet ja höchstens Geld. So ist Nebenbeschäftigung treiben darf. Es ist also ein 
es ja auch mit vielem anderen; wird ein Kind schlaff Vergleich nicht gut möglich.
und müde durch viele Privatstunden usw., na, da Unsere S tellung zu der ganzen Sache ist ja 
kann es ja stärkenden Wein bekommen —  und so in früheren Stadtverordnetensitzungen schon dar­
ähnlich. E s ist eine Tatsache, daß viele sehr wohl­ gelegt worden. Wir stehen prinzipiell auf dem 
habende Leute an erschreckender Unwissenheit und Boden, daß seitens der Gemeinde Zahnkliniken 
Gleichgültigkeit gegenüber der Gesundheitspflege für die Schulkinder eingerichtet werden müssen. 
ihrer Kinder leiden. Bei den Unbemittelten ist D as entspricht auch ganz unserer früheren S tellung 
das ebenfalls der Fall. Aber ich will auch nur zu dieser Frage. Es waren ja auch Angehörige 
sagen: nicht nur bei den Unbemittelten, sondern unserer Fraktion, die hier als die ersten diese Sache 
bei den Bem ittelten ebenfalls. D as ist, wie gesagt, überhaupt in Fluß gebracht haben.
schon in der Gesundheitsdeputation zur Sprache (Widerspruch bei den Liberalen)
gekommen, und es ist da auch angeregt worden, 
dem entgegenzutreten. Die Gesundheitsdeputation — J a ,  es ist wahr, Herr Kollege Otto, es greift sehr 
wird mit der Schuldeputation zusammen die Frage weit zurück; aber es ist so! Neben m ir sitzt mein 
erörtern. Es handelt sich nur noch darum, daß von Kollege Hirsch, der hat diese Forderung zuerst 
verschiedenen Seiten  nun behauptet wird, daß aufgestellt.
doch die Bem ittelten nicht verlangen können, daß (Zuruf des S tadtverordneten Hirsch.)
für ihre Kinder die Pflege unentgeltlich geschieht. Die — Nun, dann ist es Herr Baake gewesen, der zuerst 
Sache ist also in der Behandlung und meiner Ueber­ mit Ih n e n  zusammen (zum S tadtverordneten Hirsch) 
zeugung nach in gründlicherer Behandlung als durch die Angelegenheit hier erörtert hat.
den A n trag ,des Herrn Kollegen Dr Stadthagen. N ur noch ein Wort zum Herrn Kollegen S ta d t­
hagen. M einer Auffassung nach ist ja der treibende 
Stadtv. Zietsch: W enn der Herr V ertreter des S in n  seines Antrages zu begrüßen. Aber worauf 
M agistrats bei dieser Gelegenheit der S tad tver­ wir nicht gern eingehen möchten, das ist die Halb­
ordnetenversammlung etwas zu große Liberalität heit, die in dem Antrage liegt. D er Antrag will 
vorgeworfen hat, so nim m t mich das wunder; etw as schaffen und schafft doch nichts. Eigentlich 
es erweckt schier den Anschein, als wenn der.Magi» geht das Wollen des Herrn Kollegen S tadthagen 
strat sich bemühte, daß er das Lob, das wir ihm in viel weiter, als er in dem Antrag zum Ausdruck 
der vorigen Sitzung ausgesprochen haben, daß er gebracht hat. Es ist meiner Auffassung nach nicht 
teilweise mehr Liberalität besitzt als die M ehrheit gerade glücklich gewählt, wenn m an nur den F rei­
der Stadtverordnetenversammlung, nicht gern auf schülern oder den Kindern der minderbemittelten 
sich sitzen lassen möchte. Jedenfalls sind die Aus­ Klassen, die die höhere Schule hier besuchen können, 
führungen, die der Herr Bürgermeister zu dieser irgendeinen Vorteil durch diesen Antrag sichern 
Angelegenheit gemacht hat, etwas sonderbar. möchte. Ich meine, m an wird ohne weiteres dazu 
Der Herr Bürgermeister steht auf dem S tan d ­ kommen müssen, wenn m an dem Wege des Herrn 
punkt, zwei Assistenzärzte seien zu viel für diese Kollegen S tadthagen konsequent folgen wollte, 
Zahnklinik. Wir dagegen stehen auf dem S tan d ­ daß nicht nur die Freischüler, sondern alle Besucher 
punkt, und teilweise auch im Ausschuß wurde die und Besucherinnen der höheren Lehranstalten die 
Ansicht vertreten, daß zwei Assistenzärzte nicht zu Schulzahnklinik besuchen können. Folgt man dem 
viel, sondern eher zu wenig sind. J a ,  es ist im Aus­ vorliegenden Antrag des Herrn Kollegen S ta d t­
schuß die Auffassung vertreten worden, daß man hagen, so drückt m an den Freischülern und den 
diese Zahnklinik im vornherein m it fünf Aerzten Kindern der minderbemittelten Eltern ein S tigm a 
versehen müsse. auf, das diese Kinder in eine unangenehm e Aus­
Es ist ferner im Ausschuß auch gewünscht nahmestellung zu den anderen Kindern der höheren 
worden, daß einer der beiden Assistenten ein weib­ Schulen drängt. D as aber entspricht nicht dem, 
licher Arzt sein möchte. Ich meine, der Magistrat was wir wollen. Wir stehen auf dem Standpunkt, 
hat es doch in der Hand: wenn er nicht gleich zwei daß es die allgemeine Verpflichtung der Kommune 
Assistenten anstellen, will, hat er einen Ausweg überhaupt ist, die Zahnpflege in  den Schulen — 
offen. Es bedeutet für ihn eine M ilderung, wenn auch in den höheren — zu übernehmen. Und in 
er anstatt des zweiten Assistenten eine Assistentin diesem S inne ist unser Antrag gestellt, den anzu­
anstellt. nehmen ich S ie ersuche. Der Antrag lautet:
Auch bezüglich des Gehaltes der Ärzte kann Die unentgeltliche Behandlung in der 
ich mich den Ausführungen der Herren M agistrats­ Schulzahnklinik kann auch den unter 14 Jah re  
vertreter nicht anschließen, insofern nicht, als schon alten Schülern und Schülerinnen höherer 
im Ausschuß darauf hingewiesen worden ist, daß Lehranstalten zuteil werden.
ein Vergleich m it den Ärzten in den Kranken­ Nun ist es ja nicht unbedingt notwendig, daß 
häusern nicht angebracht erscheint, weil ja hier alle Kinder, welche die höheren Schulen besuchen, 
in der Vorlage ausdrücklich bemerkt ist, daß die zur Schulzahnklinik hinlaufen. W ir nehmen im Gegen­
Ärzte, namentlich der leitende Arzt der Zahnklinik, teil ohne weiteres an, daß der Standpunkt des 
Nebenbeschäftigung nicht treiben dürfen. Es ist noblesse oblige gerade für viele Kinder höherer 
m ir aber gesagt worden, daß gerade die Arzte in Schulen gelten wird, so daß sie nicht in Massen 
den Krankenhäusern häufig eine sehr große Neben­ die Schulzahnklinik besuchen, sondern sie gerade den 
praxis haben. Kindern der Gemeindeschule offen lassen. Aber 
(Zuruf des Bürgermeisters M atting.) ich meine doch, daß m an auf keinen F all die minder-
        
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