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Periodical volume 22. Januar 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

M eine Herren, S ie werden vielleicht sagen: erlauben.' Es ist im M agistrat auch die Rede davon 
der zweite Teil des Antrages ist ein S prung  ins gewesen, ob nicht die Freischüler der höheren Lehr­
Dunkle, das ist ein Antrag, der sich sehr schön anhört, anstalten m it in die kostenlose Behandlung in der 
für den aber doch keine Grundlagen da sind. Meine Schulzahnklinik eingeschlossen werden sollten. Wir 
Herren, ein Novum ist es, das gebe ich sofort zu, haben aber schließlich davon abgesehen, einen dies­
und ich würde unrecht tun, wenn ich den Antrag bezüglichen Satz mit in die Vorlage aufzunehmen, 
heute vorlegen würde und sagen: ich weiß selber weil wir es für zweckmäßig hielten, zunächst langsam 
keine Wege, es gibt auch keine. Nein, meine Herren, zu marschieren; und da es sich um  eine verhältnis­
es gibt Wege, es gibt viele Wege. Bei der vorgerück­ mäßig neue Einrichtung handelt, über die auch in 
ten Zeit will ich ganz kurz hinweisen, daß z. B. ein Weg anderen S täd ten  noch wenig Erfahrungen vor­
der wäre, daß den Eltern der Kinder, die höhere liegen, so wird es um so nötiger sein. Es wird sich 
Schulen besuchen, anheimgestellt wird, ihrerseits auch empfehlen, daß wir unsern ersten Versuch 
sich eine Legitimation bei dem M agistrat zu besorgen, nicht allzu sehr belasten. Es ist eine wesentlich 
daß entsprechend ihrer Steuerleistung die Behand­ schwierigere Arbeit für den Leiter der Schulzahn­
lung etwa in der Zahnklinik zu dem und dem Satze klinik, wenn er gleich im ersten Jah re  seiner T ätig­
erfolgeil kann— oder bei einem P rivatarz t; denn keit auf die Schüler der Gemeindeschulen sowohl 
ich würde auch gar nichts dagegen haben, daß die als auf die der höheren Schulen Rücksicht nehmen 
Kinder bei Privatzahnärzten behandelt würden; soll. Es wird wahrscheinlich noch einige Zeit ver­
irgend eine Befürchtung, daß die Zahnärzte durch gehen, bis die geeigneten Persönlichkeiten gefunden 
solche M aßnahm en in ihren Einnahmen geschmälert sind, und dann müssen sie sich erst einarbeiten. D as 
werden, teile ich nicht. M eine Herren, nehmen wir ist auch ein Grund gewesen — ich schließe mich da 
einen Assistenten, der 3000 ,M Gehalt hat, der ein dem, was der Herr Bürgermeister gesagt hat, voll­
Kind auf eine höhere Schicke schickt; er ist nicht in ständig an — , weshalb wir auch im ersten Jah re  
der Lage, die höheren Kosten auszugeben, die eine zunächst mit nur einem Assistenzärzte rechneten. 
ärztliche, und auch nicht die, die eine zahnärztliche Nach meiner persönlichen Ansicht wird es nur 
Behandlung unter Umständen erfordert. Wir konsequent sein, wenn wir erwägen, ob die W ohltat 
müssen diesen Klassen auch entgegenkommen. M eine der zahnärztlichen Behandlung nicht auch den­
Herren, es gibt auch noch mehr Wege; ich will auch jenigen Schülern der höheren Lehranstalten zuteil 
heute nicht diesen Weg als den allein richtigen hin­ werden soll, die bisher unter den gleichen Verhält­
stellen; ich habe nur erwähnen wollen, daß es nissen gelebt haben wie unsere jetzigen Gemeinde­
immerhin beschreitbare Wege gibt. Wir wollen schüler, die aus der Gemeindeschule nur deshalb 
nur dem Magistrat zur Erwägung geben, gerade herausgekommen sind, weil sie Hervorragendes 
aus diesem Gebiete zu versuchen, dem sozialen B e­ leisteten, deren Eltern nicht große Geldopfer für 
dürfnis Entsprechendes zu finden. sie zu bringen vermögen. S ie sollen doch nicht 
Nun kann ich auch die Bedenken meiner Freunde dadurch einen Nachteil erleiden, daß sie besonders 
nicht verhehlen, die wir g e g e n  d i e  E r h ö ­ Tüchtiges geleistet haben und fleißig und brav 
h u n g  d e r  M a g i s t r a t s v o r l a g e  gehabt gewesen sind. Ich glaube wohl, daß im M agistrat 
haben. Ich habe im Ausschuß mich bemüht, dem­ bezüglich der Freischüler keine Bedenken erhoben 
gegenüber die Vorlage des M agistrats durchzu­ werden dürften.
bringen ; es ist m ir aber nicht gelungen; ich habe nur 
wenig Unterstützung gefunden. M eine Herren, wir Gegen den zweiten Teil des Antrages S ta d t­
sind vollkommen gleicher Ansicht wie der M agistrat, hagen aber liegen mancherlei Bedenken vor. Es 
daß m an auf diesem Gebiete doch erst einmal klein wird beispielsweise auch geprüft werden müssen, 
anfangen soll, und daß es richtiger gewesen wäre, ob wir den berechtigten Interessen der hiesigen 
bei den Sätzen zu bleiben, die der Magistrat vor­ Zahnärzte nicht zu nahe kommen. Diese Frage 
geschlagen hat, wegen des Vergleichs mit dem zu beantworten, wird jedenfalls schwer sein. Wir 
Krankenhause, wegen des Vergleichs mit anderen haben es sehr angenehm empfunden, und es ver­
Beamten. Bezüglich der Assistenten ist es ja voll­ dient anerkannt zu werden, daß die hiesigen Zahn­
ständig gleichgültig, ob S ie  im ersten Jah re  2700 M  ärzte während der mehr als zwei Jah re  dauernden 
und im zweiten 3000 M  geben oder in beiden Vorverhandlungen dem M agistrate gegenüber nie­
Jah ren  3000 M ;  die Kräfte, die wir bekommen, m als ihre Privatinteressen in den Vordergrund 
werden natürlich in beiden Fällen die gleichen sein; gestellt haben — vielleicht mit einer einzigen Aus­
es sind das naturgem äß nur Durchgangsstellen. nahme. Zunächst ist der M agistrat noch nicht in 
Ebenso glaube ich, daß ein wesentlicher Unterschied der Lage, darüber irgendeine Auskunft bezüglich 
in der Erwerbung der leitenden Kraft nicht hervor­ seiner Stellungnahm e zu geben.
gerufen wird durch die Erhöhung von 4500 M  auf 
6000 M, da die wirklich berühmten Zahnärzte, Stadtv. Dr Frcntzel: M eine Herren, die An­
die Einnahmen von vielleicht 20 000 M  im Jah re  regung des Kollegen S tad thagen  muß wohl in 
haben, in dem einen und in dem anderen Falle die ihrem Prinzip als etw as Dankenswertes bezeichnet 
S tellen nicht annehmen werden. werden, obgleich ich im Augenblick doch noch nicht 
Trotz aller Bedenken werden wir der Vorlage, recht weiß, wie die Ausführung dieses P lanes, 
wie sie aus dem Ausschuß herausgekommen ist, wenigstens in  der vollkommenen Ausdehnung, wie 
zustimmen. Wir würden allerdings, wenn von er es hier skiziert hat, vor sich gehen soll.
anderer Seite ein Antrag auf teilweise Wiederher­
stellung der M agistratsvorlage gestellt würde, also Ich  habe mich aber hauptsächlich zum Wort 
auf Herabsetzung der Zahl der Assistenten, des Ge­ gemeldet, um doch den M agistrat zu bitten, der 
haltes usw., einem solchen Antrag zustimmen. Forderung des Ausschusses etwas freundlicher gegenüberzutreten, wenigstens in zwei Punkten. 
Diese beiden Punkte beziehen sich erstens auf das 
Stadtschulrat Dr Neufert: Zu dem Antrage Gehalt des Dirigenten und zweitens auf die Zahl 
des Herrn Vorredners möchte ich m ir einige Worte der Assistenzärzte.
        
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