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Periodical volume 17. Juni 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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Handlung passiert ist. S ie  erinnern  sich an  das S tob t» . Wilk: M eine Herren, für alle B eam ten ­
kleine In term ezzo , das dam als in  bezug auf die kategorien, für die städtischen sowohl wie auch für 
Mechaniker vorkam. Ich  hatte in der Sitzung die staatlichen, sowie auch fü r die A rbeiter der 
darauf hingewiesen, daß in der Feinmechanik keines­ städtischen B etriebe w erden überall T eu eru n g s­
wegs Arbeitslosigkeit herrsche, daß es sehr wohl zulagen gefordert und zum T eil auch bewilligt. 
möglich w äre, den H erren Unterkunft zu ver­ F ü r  die Arbeiter, die in P rivatbetrieben  beschäftigt 
schaffen. M eine H erren, am  T age, der auf die S ta d t­ sind, rü h rt sich absolut keine H and. Wo die gewerk­
verordnetenversam m lung folgte, erhielt ich —  ich schaftlichen O rganisationen versuchen, einzugreifen, 
glaube, frühm orgens oder m ittags —  einen B rief, w erden entw eder diejenigen, die Lohnaufbesserun­
m  welchem etw a stand: „ S ie  haben gestern gesagt, gen in Anbetracht der T euerung  fordern, einfach 
S ie  können M echanikern Arbeit verschaffen. B itte , m it der Polizei bedroht, diejenigen, die die ganze 
wollen S ie  so freundlich se in ! Ich  bin dreiviertel Sache en tfie len , werden gem aßregelt und der­
J a h re  bei Ludwig Loewe beschäftigt gewesen, bin gleichen. S ie  sehen selbst, für diejenigen Arbeiter, 
jetzt unbeschäftigt; bitte, wollen S ie  so freundlich die absolut keinen w eiteren H interhalt h in ter sich 
sein, m ir A rbeit zu verschaffen!“ M it der nächsten haben als die Gewerkschaften, ha t m an  nichts 
Post kam ein ähnlicher B rief, ich dachte eigentlich, übrig, selbst diejenigen nicht, die sich fü r arbeiter- 
es w ürde einige T age so w eiter gehen; aber so weit freundlich erklären, selbst H err Kollege S tad th ag en  
kam es nicht. Ich  habe mich nicht gescheut, nun  nicht. Dieser ha t schon so häufig seine A rbeiter­
einm al den V erm ittle r zu spielen; das ist eigentlich freundlichkeit be ton t; aber heute abend hat er 
nicht m ein B e ru f; trotzdem habe ich den beiden bewiesen, daß er sie im  G runde seines Herzens 
H erren , die sich an  mich gew andt haben, geschrieben: nicht hat.
w enn sie Feinmechaniker w ären, so bäte ich sie, m ir Hier ist vom M agistratstisch erklärt worden, 
ihre P ap ie re  zu schicken; ich w ürde ihnen dann daß bei der R undfrage bei größeren U nterneh­
M itte l und Wege angeben, um  ihnen Arbeit zu ver­ m ungen wie S iem en s und Halske, Ludwig Loewe 
schaffen. Ic h  hatte auch die M itte l und Wege, um  usw. diese gean tw orte t haben, die Arbeitslosigkeit 
ihnen Arbeit zu verschaffen. D ie beiden B rie f­ w äre nicht m ehr in dem M aße vorhanden, wie sie 
schreiber sind aber nicht gekommen. gewesen ist, die K onjunktur w ürde sich w ieder au f­
(R u fe : A h a ! bei den Sozialdem okraten. bessern. Ich  habe die Überzeugung, daß w ir noch 
Heiterkeit.) lange nicht auf dem tiefsten Punkte angekom m en 
Ich  möchte bitten, den A ntrag nicht anzuneh­ sind in dem N iedergang der wirtschaftlichen Kon­
m en, auch au s sonstigen G ründen . W ir pflegen junktur. Noch vor einigen T agen  ging durch die 
doch nicht Sachen, die noch garnicht näher von einer Presse die M itteilung, daß z. B . der große B etrieb 
S e ite  überlegt w orden sind, in einer gemischten von Ludwig Loewe ganz bedeutende B etriebs­
D epu ta tion  zu beraten . Ich  m eine, der erste Weg einschränkungen macht, so daß hier eine E rsparnis 
w äre doch der in  solchen F ragen , den ja  auch die von 16%  eingreift. W ollen S ie  da noch behaupten, 
Sozialdem okraten zuerst seinerzeit haben betreten daß keine Arbeitslosigkeit herrscht? D ie Leute 
wollen, den M agistrat aufzufordern, die F rage arbeiten  noch ganz wenige S tu n d e n ; sie w erden 
näher zu prüfen und nun  eventuell Vorschläge dadurch doch gedrückt, und diejenigen, oic über­
zu machen. W enn m an  einen derartigen A ntrag  flüssig sind, werden auf das S traßenpflaster ge­
ablehnt, m uß m an konsequenterweise auch ab­ w orfen. D as  ist geradezu brutal, und w enn S ie  
lehnen, die Sache in einer gemischten D epu ta tion  ein bißchen Arbeitslosenfürsorge im  Leibe haben, 
zu beraten. Ich  möchte S ie  daher b itten , den dann  sorgen S ie  dafür, daß für die arm en A rbeits­
A ntrag direkt abzulehnen. losen endlich einm al e tw as geschaffen wird.
(B rav o ! bei der F re ien  V ereinigung.)
S tab t» . Otto: M eine H erren, m eine F reunde 
stehen auf dem S tandpunk t, den ich in  m einer S tob t» . Zanber: Ich  kann mich dem H errn  
Erklärung am  8. J a n u a r  dieses J a h re s  gekenn­ V orredner n u r anschließen. D ie Arbeitslosigkeit in  C harlo ttenburg  ist m om entan  sehr groß. Auch 
zeichnet habe. Ich  habe dam als zum Ausdruck ge­
bracht, erstens, daß w ir die F rage  der Arbeitslosen­ in dem B etrieb  von S iem en s und Halske —  ich 
fürsorge für außerordentlich wichtig halten, zw eitens, habe in  der letzten Z eit gerade G elegenheit gehabt, 
daß w ir es für w ünschenswert erachten, u n s  auch mich darum  zu küm m ern —  wird höchstens 32 S tu n ­
darü b er schlüssig zu werden, abgesehen von der den gearbeitet, und den A rbeitern, m it denen m an  
aktuellen F rage, die dam als vorlag, fü r die Zukunft es sehr gu t m eint, gibt m an einen geheim en Wink, 
Vorkehr zu treffen, um  unerfreulichen Erscheinungen krank zu w erden.
auf diesem Gebiete entgegenzutreten, und drittens, (S e h r richtig! bei den Sozialdem okraten.) 
daß w ir diese F rage  speziell u n te r dem Gesichtspunkt S o w e it es möglich ist, wird dieser Wink von den 
betrachten, daß w ir ohne B erlin  und die anderen M eistern gegeben, weil es ihnen wehe tu t, ihre 
V ororte  in dieser Beziehung nichts Tüchtiges Leute entlassen zu müssen. D a die A rbeiter nicht 
schaffen können. W enn wir auf diesem S tandpunk t durchsetzen können, wie sie es wünschen, so spielen 
heu te  noch stehen, so erkennen w ir dazu in dem dieselben krank. W as ich hier sage, kann ich ver­
A ntrage , den die H erren Kollegen von der sozial­ tre ten . Ic h  glaube, daß es jetzt an  der Z eit ist, daß 
demokratischen Fraktion heute eingebracht haben — die S ta d t  der F rage  der Arbeitslosigkeit näher tr itt. 
u n d  ich nehm e an, daß die abgeänderte F o rm  Ich  habe in der früheren Sitzung —  ich gehöre der 
G eltung  behalten soll — Kommission an —  dagegen gestim m t; ich habe gesagt, diese Arbeitslosigkeit ist nicht vorhanden; 
(Zustim m ung bei den Sozialdem okraten) m om entan  ist sie vorhanden und nicht n u r in den 
einen Weg, um  in unserem  S in n e  die F rag e  zu größten B etrieben, sondern in  den meisten B etrieben  
studieren und eventuell zu einem  Ergebnis zu C harlo ttenburgs.
kommen. D eshalb w erden w ir dem A ntrage zu­
stimmen. (T ie  B e ra tu n g  wird geschlossen.)
        
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