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Periodical volume 17. Juni 1908

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1908

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günstige Zustände deshalb, weil die Stadt ein : der Stadtverordnetenversammlung seine Erledigung 
eigenes Begräbnisinstitut unterhält, das in Kon­ ' gefunden hat.
kurrenz m it den bestehenden Privatinstituten zu Ich stelle den Antrag und möchte die Ver­
treten hat. I n  Dresden und ebenso in den übrigen sammlung bitten, meinem Antrage beizustimmen: 
sächsischen Städten besteht also keinerlei Monopol M it Rücksicht auf den Gemeindebeschluß vom 
für das Begräbniswesen, sondern die Stadt hat neben 5. Jun i 1907 beantragen wir, zu beschließen: 
den bestehenden Privatinstituten selbst ein eigenes der Magistrat wolle die Frage prüfen, ob 
derartiges, sagen w ir mal, Geschäft eingerichtet, sich gleichzeitig mit der Einführung eines 
durch das die Preise für das Publikum naturgemäß städtischen Fuhrparkes die Einrichtung einer 
überhaupt geregelt werden. Ich habe bei einer städtischen Beerdigungsanstalt nach Dres­
anderen Gelegenheit daruf hingewiesen, daß die dener Muster empfiehlt.
Stadt Dresden hierbei gar kein so schlechtes Geschäft 
macht. Die Stadt Dresden hat einen eigenen Bürgermeister M atting : Meine Herren, wenn 
Fuhrpark und gleichzeitig eine eigene Bestattungsan­ Sie diesem Antrage zustimmen würden, so würden 
stalt. Ich habe feststellen können, daß die Stadt Dres­ Sie allerdings ja weder sich noch den Magistrat 
den im Jahre 1897 aus diesem Geschäfte 133000 M  vinkulieren, wenigstens nicht in verbindlicher Weise. 
Einnahme gezogen hat, daß sie in diesem Jahre Im m erhin scheint es m ir doch notwendig, die Aus­
106 000 M  Ausgaben hatte, daß also ein Gewinn führungen des Herrn Stadtv. Jolenberg hinsichtlich 
von 27 000 M  erzielt worden ist, d. H. vom Buchwert der Dresdener Verhältnisse zu ergänzen, weil er es 
des Inventars 35 °/0. Im  Jahre 1899 hat sich das für zweckmäßig erachtet hat, sich auf diese ganz be­
Verhältnis noch günstiger gestellt: es sind 36 °/0 sonders zu beziehen.
vom Inventar verdient worden, und im Jahre 1901 Meine Herren, ich habe m ir die Tarife für das 
immer noch 24,72 % ; es ist also immer noch ein Dresdener Beerdigungsinstitut angesehen und habe 
ganz annehmbarer Prozentsatz herausgeschlagen. daraus festgestellt, daß in diesen Tarifen, wenn ich 
Eine spätere Statistik habe ich leider nicht auftreiben nicht irre, mindestens 22 Klassen gebildet sind, und 
können. zwar 4 sogenannte Luxusklassen und dann 18 ge­
Nun ist seinerzeit, als bei einer anderen Ge­ wöhnliche Klassen, die m it einem Tarifsatze, wenn 
legenheit die Rede davon gewesen ist, seitens des ich nicht irre, von 1000 M  anfangen und bis zu 20 JL 
Magistrates behauptet worden, daß die Stadt­ heruntergehen. Ob das gerade ein sehr nachahmens­
gemeinde bei Einrichtung eines eigenen Fuhrparkes wertes Beispiel ist, das möchte ich mindestens für 
in Charlottenburg ganz ungeheure Summen zu­ sehr zweifelhaft halten, und deshalb halte ich den 
legen würde. Der Magistrat war aber nicht in der Hinweis gerade auf die Dresdener Einrichtung 
Lage, aus den m ir vorgelegten Akten dies zu be­ nicht für glücklich. Es ist ja auch nicht nötig, daß w ir 
weisen, sondern es war eine Behauptung, die ab­ die Dresdener Einrichtungen besonders hervorheben; 
solut beweislos geblieben ist; aus den Akten, die mir Sie können das, was Herr Stadtv. Jolenberg will, 
vorlagen, geht vielmehr hervor, daß sich in Char­ ebenso gut erreichen, wenn Sie das Dresdener 
lottenburg nach den Voranschlägen — es sind Beispiel wegfallen lassen.
mehrere in den Akten — die Sache ungefähr balan- Im  allgemeinen möchte ich aber doch noch 
zieren oder vielleicht m it einem kleinen Verlust bemerken, daß es m ir zunächst scheint, als ob tat­
abschließen wird. Ich bin also der Meinung, daß sächlich die Angelegenheit nicht geschädigt worden 
das Geschäft nicht so schlecht sein kann, wie es uns ist durch die den Wünschen des Herrn Jolenberg 
damals hingestellt worden ist. nicht genügende Erledigung, die der Magistrat ihr 
Nun ist Ihnen bekannt, meine Herren, daß ein hat zuteil werden lassen. Denn der Herr Stadtv. 
Beschluß vorliegt, zu prüfen, ob das Fuhrwesen der Jolenberg stellt ja seine Anträge auch wieder auf 
Stadt Charlottenburg 1910 in eigne Regie der S ta l* Konditionen: für den Fall, daß eine städtische Regie 
zu nehmen ist. Der Magistrat hat dazu seinerzeit für das Fuhrwesen eingeführt wird, soll erwogen 
einen wohlwollenden Standpunkt eingenommen, werden, ob sich gleichzeitig vielleicht auch ihre Aus­
und ich bin der Meinung, daß sich die Einrichtung dehnung auf das Bestattungswesen empfiehlt. Nun 
vielleicht auch auf das Bestattungswesen erstrecken hat zwar die Stadtverordnetenversammlung einen 
könnte. Ich werde am Schluß meines Vortrages derartigen grundsätzlichen Beschluß gefaßt, der die 
einen derartigen Antrag stellen. Schaffung eines städtischen Fuhrparkes anregt, und 
Was den zweiten Teil des Beschlusses vom der Magistrat ist in lebhafter Prüfung der Angelegen­
Dezember 1906 betrifft, so ist der Magistrat ihm heit begriffen; es läßt sich aber heute noch keinesfalls 
nicht in so prompter Weise nachgekommen, als es übersehen, ob es möglich sein wird, zum 1. April 1910 
wohl zu erwarten gewesen wäre. Denn es wurde diesen Gedanken zur Ausführung zu bringen. Aber 
gewünscht, daß der Stadtverordnetenversammlung selbst wenn dann die Ausführung möglich sein würde, 
s ch n e l l m ö g l i ch st, das betreffende Material halte ich es für sehr zweifelhaft, ob dann schon gleich­
vorgelegt werde. Der Magistrat hat sich aber erst in zeitig diese doch an sich ziemlich schwierige Aufgabe 
diesem Jahre oder Ende des vorigen Jahres d u rc h  durch die Anfügung des Begräbniswesens kom­
b e s o n d e r e n  B e s c h l u ß  der Stadtverord­ pliziert werden soll.
netenversammlung dazu auffordern lassen, dieser Wenn Sie nun noch schließlich bedenken, daß 
Versammlung das Material vorzulegen. Der diese ganze Institution doch auf einem unsicheren 
Grund war, daß man erst über die Angelegenheit Boden steht — es ist eine absolut freie Konkurrenz 
des Gemeindefriedhofes klar sein wollte. Ich habe mit sämtlichen übrigen Begräbnisinstituten der 
nicht recht einsehen können, weshalb die eine Sache Stadt in Dresden vorgesehen, den Leichenfrauen 
m it der anderen verbunden werden mußte. oder sogenannten Heimbürgerinnen ist streng ver­
Auf die Erhebungen in bezug auf Verbren­ boten, etwa auf das städtische Institu t besonders 
nungsöfen, Gemeindeurnenhalle usw. brauche ich hinzuweisen, sondern sie sollen sich absoluter Un­
nicht einzugehen, da dieser Teil des damaligen parteilichkeit befleißigen —, wenn Sie erwägen, ob 
Beschlusses inzwischen durch einen späteren Beschluß ein derartiges Institu t — denn anders könnte es auch
        
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